Goms-Tal: Wintersport an der Rhone - DER SPIEGEL
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Goms-Tal Wintersport an der Rhone

Das Gomstal ist vor allem für seine Ursprünglichkeit bekannt. Abseits von großen Touristenströmen haben sich die 23 Dörfer des Walliser Hochtals ihren Charakter weitgehend erhalten können. Doch auch für Wintersportler bietet die Region einmalige Möglichkeiten.
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Münster - Johann Wolfgang von Goethe war begeistert: "In der Höhe aber breitet sich das Land wieder recht schön aus, auf mannigfaltig gebogenen Hügeln sind schöne nahrhafte Matten, liegen hübsche Örter, die mit ihren dunkelbraunen hölzernen Häusern gar wunderlich unter dem Schnee hervorgucken", notierte er anlässlich seiner winterlichen Fußtour über die Furka anno 1779 im Gasthof "Post" in Münster in der Schweiz. Das stattliche Haufendorf mit fünf Kirchen und Kapellen, ist der Hauptort des Goms, das sich zwischen dem Furka- und Grimselpass im Nordosten und der Bettmer- und Riederalp im Südwesten erstreckt.

In fast allen Dörfern finden sich dicht gedrängt die alten und sonnengeschwärzten Holzhäuser auf ihren typischen Granitsteintellern, die den Mäusen den Zugang zu den Vorräten verwehren sollen. Doch die meisten Stadel sind leer, denn wie fast überall gibt es auch hier immer weniger Bauern. Die wichtigste Einnahmequelle ist der Tourismus. Die meisten Gäste kommen im Sommer und im Herbst und sind von dem über 700 Kilometer langen Netz von Gebirgs-, Gletscher- und Passwanderwegen begeistert.

Auch im Winter ist das Gomstal am östlichen Zipfel des Kantons Wallis jedoch eine Reise wert: Alpin-Skigebiete wie Fiesch-Fiescheralp-Aletsch, Bellwald, Mühlebach-Erner Galen und Oberwald-Hungerberg sowie viele familienfreundliche Skipisten im Hochtal locken Abfahrtsläufer, Carver und Snowboarder an. Die Loipen für Langläufer verlaufen meist parallel zum Rotten, wie die junge Rhône im deutschsprachigen Goms genannt wird.

Karl-Heinz Müller aus dem Ruhrgebiet, der seit vielen Jahren regelmäßig jeden Winter mit seiner Familie nach Münster kommt, erklärt: "Das Goms ist das Paradies für uns." Ohne große Steigungen könne man von Niederwald nach Oberwald über 20 Kilometer lang gemütlich am jungen Rotten laufen und die Landschaft genießen. "Schauen Sie nur, der Blick reicht bis ins Mattertal mit dem majestätischen Gipfel des über 4500 Meter hohen Weißhorn." Praktisch sei auch, dass alle zwei bis drei Kilometer eines der Gommer Dörfer an der Piste liegt. Besonders Anfänger und Familien kommen hier auf ihre Kosten. Für sportlichere Läufer bietet eine am Nordhang gelegene Loipe mit leichten Steigungen eine Alternative.

Zudem gibt es spezielle Trainingsloipen, die selbst für gut trainierte Sportler eine Herausforderung darstellen. Und wer nicht genug davon bekommen kann, hat auf der Nachtloipe zwischen Ulrichen und Obergesteln jeden Abend bis 22.00 Uhr Gelegenheit zu sportlicher Betätigung. Weil das Hochtal gegen Westen gerichtet ist, gibt es im Goms viel Schnee und kalte Nächte. Das nach dem Engadin zweitgrößte Schweizer Langlaufgebiet gilt deshalb zwischen Mitte November und Ende März als weitgehend schneesicher.

Höhepunkt jeder Wintersaison ist der Gommerlauf, der immer am ersten Sonntag im März ausgetragen wird und in diesem Jahr (2. März) zum 31. Mal stattfindet. Tausende Läufer begeben sich auf den 25 Kilometer langen Halbmarathon. Koni Hallenbarter, Wasa-Lauf-Sieger und Olympia- und WM-Teilnehmer, betont, dass der Lauf unter dem Motto "Mitmachen kommt vor dem Siegen" steht. "Lange Zeit hatte das Langlaufen ein verstaubtes Image", sagt Hallenbarter. "Durch den allgemeinen Trend zu gesünderer Lebensweise und mehr Aktivität wird die Bewegung auf den schmalen Brettern neu entdeckt."

Anfänger sollten die Ausrüstung zunächst mieten, um festzustellen, welche Lauftechnik für sie am besten geeignet ist. "Unter fachlicher Anleitung finden die Teilnehmer schnell heraus, ob ihnen die Skating- oder die klassische Technik besser liegt", so Hallenbarter. Schließlich habe Langlaufen habe auch viel mit technischem Können zu tun.

Wer seine Urlaubstage ohne Ski verbringen möchte, dem stehen viele Wanderwege zur Verfügung. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich auch das Schneeschuhlaufen. Wer es noch nicht kennt: Schneeschuhe können gemietet werden, für Gruppen werden geführte Wanderungen organisiert, als besondere Attraktion auch bei Mondschein. Die anfänglich ungewöhnliche Technik des Laufens ist schnell erlernt: einfach ein wenig breitbeiniger und behäbiger gehen.

"Längere Touren sollte man aber nur mit einem ortskundigen Führer unternehmen", erklärt Medy Hischier, der in Oberwald mit seinen Teilnehmern auch auf Spuren- und Fährtensuche geht. Nur allzu schnell verliere man die Orientierung oder setze sich Lawinengefahren aus.

Nach einer Wanderung laden viele rustikale Gasthäuser zur Stärkung ein. Unbedingt probieren sollte man eine «Gommer Cholera». Dieser deftige Kuchen mit dem schrecklichen Namen besteht aus Kartoffeln, Äpfeln, Lauch, Käse und Zwiebeln. Zur Auswahl stehen auch Raclette und Käsefondue - der Käse stammt von Gommer Kühen. Auch der gereichte Wein, ob Fendant, Dole oder einer der rund 50 anderen Walliser Qualitätsweine, stammt aus der Region.

Detlef Berg, gms