Herzenssache Nahverkehr: Blind Date im Bahnabteil - DER SPIEGEL
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Herzenssache Nahverkehr Blind Date im Bahnabteil

Ein scheuer Blick an der Haltestelle, eine zufällige Berührung: Der Begriff Nahverkehr bekommt beim Bus- und Bahnfahren eine neue Bedeutung. In Berlin finden schüchterne Fahrgäste im Chat zusammen, die Deutsche Bahn schickt am Valentinstag 15 Flirtexpress-Züge aufs Gleis.
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Ein Blick, und Chatter "Grünauge" ist verloren: "Du warst mit einem Blumenstrauß unterwegs. Wir stiegen beide am S-Bahnhof Friedrichstraße in die S2 Richtung Bernau, und als ich saß, spürte ich plötzlich deinen Blick, der mich festhielt, als ich dich ansah, und ich konnte weder weg- noch hinsehen und musste lächeln. Es waren magische Momente, unglaublich."

Eine Hauptrolle in der Romanze spielt die Berliner S-Bahn - und so versucht "Grünauge" seinen Schwarm auch im Chatroom der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf der Internetseite www.bvg.de/augenblicke   wiederzufinden - mit relativ guten Chancen. Mehr als eine Million Mal wurden die "Augenblicke" zwischen dem Start im vergangenen Februar und Ende Dezember 2007 angeklickt. Und die Besucherzahl steigt täglich, teilt die BVG mit.

Das Prinzip ist simpel. Wer während eines Bus- oder Bahnflirts zu schüchtern ist für den Adressenaustausch, der kann unter einem Pseudonym eine Nachricht für den Unbekannten hinterlassen. Diese wird dann je nach Ort der Begegnung - also Bus, Straßenbahn oder U-Bahn - aufgeführt. Fühlt sich jemand angesprochen, kann er über ein persönliches Profil antworten und dann jenseits des Forums mit dem Verehrer mailen.

Wer den "Augenblicke"-Chat nutzt und wie viele Paare sich daraus schon ergeben haben, kann BVG-Sprecher Klaus Wazlak nicht sagen. "Von der Sprache her und wie sich die Leute beschreiben, sind es in erster Linie Jugendliche", sagt er. Die Zahl der Postfächer, die für private Kommunikation genutzt werden, deute auf viele Happy Ends hin.

Den Anstoß gaben die Fahrgäste selbst. Sie berichteten immer wieder von Flirts und verpassten Chancen, weil einer der beiden aussteigen musste. "Wir haben gedacht, das kann man doch eigentlich auch positiv nutzen", sagt Wazlak. Die BVG betrachtet das Angebot auch als Charmeoffensive in eigener Sache. "Wir bieten den Nutzern die Chance, nette Menschen kennen zu lernen. Und das zeigt uns auch als sympathisches Unternehmen."

Flirtexpress ist ausgebucht

Ähnlich ist auch das Motiv der Deutschen Bahn, die am Valentinstag in 15 Städten jeweils einen "Flirt-Express" auf die Reise schickt. Bis vergangenen Sonntag konnten sich kontaktfreudige Singles für die Reise . "Die Resonanz war sehr gut - alle rund 800 Plätze sind restlos ausgebucht", erklärte Bahn-Sprecher Holger Auferkamp.

Die Flirt-Züge starten am Donnerstag gegen 19 Uhr in Bayreuth, Berlin, Dresden, Erfurt, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Kiel, Köln, Leipzig, Mainz, Mühldorf (Oberbayern), München und Ulm. Die Reise ist kostenlos und führt am Ende zu einer After-Date-Party in extra angemieteten Cafés oder Kneipen.

Die Flirt-Tour folgt festen Regeln: Jeweils zwei Singles sitzen sich im Abteil gegenüber und lernen sich kennen. Bahnmitarbeiter überwachen das Treiben: "Schließlich muss darauf geachtet werden, dass alle fünf Minuten der Gesprächspartner wechselt", betont Auferkamp. Das Personal für diese Aktion zu gewinnen, sei übrigens kein Problem gewesen.

reh/AFP