Hotel im All Schwebende Seepocke
Sie klammert sich fest und verschließt ihre Öffnung mit Platten: die Seepocke. Für den katalanischen Architekten Xavier Claramunt waren die unbeweglichen, wenig eleganten Krebstiere Inspiration für die spacige Designidee eines Weltraum-Hotels. Die Wohneinheiten der "Galactic Suite" sind kapsel-, ihre Fensterläden facettenförmig, und sie docken an einen Zentralbereich an. "Weintraube" fällt dem Designer noch zu seinem Entwurf ein, und: "Molekül". Tatsächlich will Claramunt schon im Jahr 2012 den "Homo spacies" zu einer dreitägigen Reise im All einladen für drei Millionen Euro.
In 80 Minuten sollen seine Gäste einmal um die Erde kreisen und dabei 15-mal am Tag die Sonne aufgehen sehen. Wem die dann insgesamt rund 50 Umrundungen und 45 Sonnenaufgänge in drei Tagen trotz "transzendentaler Erfahrung" zu langweilig werden, kann sich wissenschaftlichen Experimenten zur Verfügung stellen. Oder seine runde, sieben mal vier Meter große Wohnkapsel mit Schlaf-, Wohnraum und Badezimmer erkunden: Verpackt in einem Anzug mit Klettband, haften sich die millionenschweren Reisenden dann wie Spiderman an die Wände. Geduscht wird in einer Kabine voller Wassertropfen, nur mit einem touristenfreundlichen All-Konzept der Toilette kommt Claramunt noch nicht zurande: "Das ist die größte Herausforderung", sagte der spanische Architekt der Nachrichtenagentur Reuters.
Der Rest scheint für den ehemaligen Raumfahrt-Ingenieur und Inhaber der Firma Galactic Suite in Barcelona ein Kinderspiel: Drei Milliarden Dollar hat er für die Realisierung seiner Träumereien veranschlagt. Einen weltraumbegeisterten Großsponsor und ein US-Unternehmen, das den Mars kolonialisieren will, hat er schon gefunden. Mit weiteren privaten Geldgebern in den USA, in Japan und den Arabischen Emiraten sei er im Gespräch, berichtet Reuters. Auch die Kundschaft ist schon ausgemacht. "Wir haben berechnet, dass es 40.000 Menschen in der Welt gibt, die sich den Hotelaufenthalt leisten können", sagt Claramunt der Agentur. Reservierungen für eine Hotelbuchung ab 2012 werden ab nächstem Jahr entgegengenommen.
Pfeilförmiges Weltraumflugzeug
Doch wie kommt der allbegeisterte Hotelgast in seiner Kapsel in rund 450 Kilometer Höhe? Zwar hat Claramunt auch das Weltraumflugzeug schon entworfen. Auf einem Foto auf seiner Website schießt ein pfeilförmiges Objekt eindrucksvoll durch einen dramatischen Wolkenhimmel. Der Designer verspricht einen doppelten Hybrid-Raketenantrieb und "neue Entwicklungen, um Sicherheit und Weltraumerlebnis für die Passagiere zu optimieren". Huckepack soll das Flugzeug die Wohnkapsel nehmen. Viel mehr ist jedoch noch nicht über die Technik des Transports und des Hotels bekannt - und vielleicht noch nicht erdacht? Da ist das Weltraumhotel-Projekt "Genesis II" des US-Milliardärs Robert Bigelow aus Las Vegas schon weiter. Ein erstes unbemanntes - Minimodell kreist bereits im Orbit und sendet Signale zur Erde.
Claramunt dagegen spinnt weiter an einem Rundum-Service für seine schwerreichen Kunden samt Familien: Auf einer tropischen Insel sollen die Weltraumfahrer acht Wochen üben, bevor sie von einem benachbartem Eiland ins All geschossen werden. Wenn seine Familie nicht mit abheben will, kann sie angenehme drei Tage in einem entsprechenden Luxushotel verbringen.
abl