ICE-Unfall: "Das hat schon stark gerumpelt" - DER SPIEGEL
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ICE-Unfall "Das hat schon stark gerumpelt"

Wer zog die Notbremse im Unglücks-ICE von Köln? Die Bahn beteuert, ein Mitarbeiter habe durch den Zug gestoppt und so einen womöglich schweren Unfall verhindert. Doch Passagiere widersprechen. Jetzt beschäftigt diese Frage auch die Staatsanwaltschaft.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Köln - Wer brachte den Unglücks-ICE von Köln zum Stehen? Die Kölner Staatsanwaltschaft sucht nach der Person, die im entgleisten Zug am vergangenen Mittwoch die Notbremse betätigte. "Wir wissen nicht, wer sie gezogen hat. Wir werden es aber rauskriegen", sagte Sprecher Günther Feld. Dass es nicht ein Bahn-Mitarbeiter war, glaubt Claude Kuhnen, der als Fahrgast im Zug saß. "Ich war dabei, als sich eine ältere Dame auf dem Bahnsteig bei einem Fahrgast dafür bedankte, dass er die Notbremse gezogen hat", sagte Kuhnen SPIEGEL ONLINE.

Der Mann, etwa Mitte vierzig, habe geantwortet, dass er ja schließlich auch in seinem eigenen Interesse gehandelt habe. "Sie sagte dies, während der Mann von einer Bahn-Mitarbeiterin befragt wurde", erklärte Kuhnen. Die Mitarbeiterin habe gegen diese Aussage nicht protestiert.

Die Deutsche Bahn bleibt hingegen bei ihrer Darstellung vom vergangenen Freitag. Darin hieß es, das Personal habe den ICE gestoppt und so "mögliche Schaden abgewendet". Dies sei nach wie vor Stand der Dinge, erklärte der Sprecher.

"Das war schon ein bisschen schräg"

Für die Ermittlungen der Kölner Staatsanwaltschaft ist es nach Auskunft des Sprechers wichtig, was derjenige, der die Notbremse zog, in dem Moment vorher wahrgenommen habe. Der Zug war bei Schritttempo aus den Gleisen gesprungen. Ursache war eine defekte Radsatzwelle, wie das Eisenbahn-Bundesamt als zuständige Aufsichtsbehörde bestätigte.

Fahrgast Kuhnen, der im vorderen Teil des Zuges saß, hatte von den Geräuschen, die seit der Ausfahrt aus dem Kölner Bahnhof zu hören gewesen sein sollen, zunächst nichts mitbekommen. "Ich habe Musik gehört und habe irgendwann ein Rumpeln gemerkt. Das hat schon stark gerumpelt - und dann standen wir auch schon", beschreibt er die Momente im Zug. Neben ihm habe ein Rentner gesessen, der aus dem Fenster geschaut habe und beobachtete, wie der hintere Teil des Zuges weiterfuhr, während der vordere Teil schon stand. "Das war schon ein bisschen schräg", sagte der 37-jährige Freiburger, der an diesem Tag zu einem Konzert nach Oberhausen wollte - und sein Ziel auch fast pünktlich erreichte.

Trotz des Vorfalls werde er auf jeden Fall weiterhin die Bahn benutzen, sagt Kuhnen - trotz der Verspätungen, Ausfälle und der "nicht ganz optimalen Informationspolitik". Kuhnen: "Wenn man Bahn fährt, kennt man's wirklich".

Dass Zugbegleiter mögliche Hinweise auf Geräusche ignoriert haben könnten, wies Bahn-Sprecher Jürgen Kornmann zurück. "Unsere Zugbegleiter sind umfassend ausgebildet, und darauf trainiert, solche Hinweise entgegenzunehmen und die Überprüfung der Hinweise umzusetzen".

Behinderungen auch am Montag

Nach dem Vorfall in Köln waren Ende vergangener Woche fast alle Züge der ICE-3-Reihe zur Überprüfung in die Werkstätten gerufen worden - diese verlief jedoch ohne Befund. Die Bahn setzte einen Notfahrplan ein, Zehntausende Fahrgäste waren von Verspätungen betroffen.

Aufgrund des Unfalls wird es im Fernverkehr der Deutschen Bahn auch in den kommenden Tagen Einschränkungen geben. Bis spätestens Freitag sollen alle Züge der ICE-3-Flotte aber wieder fahren, sagte Bahnsprecher Jürgen Kornmann am Montag in Berlin.

Am Montag seien zwei Züge zwischen Dortmund bzw. Köln nach Frankfurt seien ausgefallen und etliche Züge verkürzt gewesen, sagte Bahnsprecher Kornmann. Dies habe dazu geführt, dass auch reservierte Plätze weggefallen seien.

"Wer reservieren möchte, sollte vorher im Internet schauen, ob die Verbindung betroffen ist", rät Kornmann. Alternativ könne man sich unter der kostenlosen Hotline 08000-996633 erkundigen.

"Es gilt weiterhin unsere Kulanzregelung", betonte Bahn-Sprecher Kornmann. Fahrgäste, die aufgrund der ICE 3-Ausfälle von Fahrplaneinschränkungen betroffen sind, können ihre Fahrkarten kostenfrei umtauschen oder erstatten lassen. Außerdem können Fahrkarten mit Zugbindung für die nächstgelegene Reiseverbindung gültig geschrieben werden. Reisende mit ICE-Fahrkarten, die aufgrund des geänderten Fahrplans lediglich IC/EC-Züge nutzen können, erhalten den Differenzbetrag erstattet.

reh, mit Material von dpa