Kanaren Baustopp für Hotels
Las Palmas de Gran Canaria - Wenige Stunden zuvor hatte der oberste Gerichtshof der spanischen Inselgruppe ein im Januar erlassenes Moratorium für Hotelbauten für illegal erklärt. Der neue Baustopp ist nach Presseberichten vom Dienstag noch strenger als der vorige.
Die autonome Regionalregierung überraschte mit der unerwarteten Entscheidung die gesamte Tourismus-Branche. Sie begründete ihren Eil-Beschluss damit, dass sie nach dem Gerichtsurteil eine Flut von Bauanträgen zur Errichtung neuer Hotels befürchtete. Diesem Strom von Anträgen wollte die Regierung zuvorkommen.
Der alte Baustopp von Januar hatte für die meisten Kategorien von Hotels gegolten. Nur Herbergen der Luxusklasse und des Agro- Tourismus durften gebaut werden. Diese Ausnahmeregelung führte dazu, dass Investoren die Errichtung von Hotels mit insgesamt 30.000 Betten beantragten. Die Regierung befürchtete, dass die Zahl auf Grund älterer Baugenehmigungen noch auf 110.000 Betten ansteigen könnte. Derzeit verfügen die Hotels auf der Inselgruppe über eine Bettenkapazität von 400.000.
Die Richter erklärten den früheren Baustopp für illegal, weil eine solche Maßnahme in der Gesetzgebung über Bauplanung gar nicht vorgesehen sei. Die Regierung gründete ihr neues Moratorium nun rechtlich auf der Tourismus-Gesetzgebung. Sie will damit erreichen, dass bis zur endgültigen Klärung des Rechtsstreits keine neuen Hotelbauten errichtet werden.
Nach Angaben von Branchenexperten läuft sie damit allerdings Gefahr, mit Schadensersatzansprüchen von Investoren überschüttet zu werden. Viele Bewohner der Kanaren sind gegen den Bau neuer Hotels und dafür, die Auswüchse des Massentourismus zu bekämpfen. Die sieben Inseln Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura, La Palma, La Gomera und Hierro zählen rund neun Millionen Touristen im Jahr. Die meisten davon sind Deutsche und Briten.