Kommentar: Faszination Expo - DER SPIEGEL
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Kommentar Faszination Expo

Als Multimedia-Freizeitpark, als Volksfest, als Industrieveranstaltung ist die Weltausstellung bezeichnet worden. Zu Recht. Denn genau diese Mischung macht die viel zitierte "Faszination Expo" aus.
Von Alexander Stirn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Stell Dir vor es ist Expo, und keiner geht hin." Ganz so schlimm, wie es einige Pessimisten vorhersagen (und wohl insgeheim auch hoffen), wird die Besucherzahl der Weltausstellung sicher nicht ausfallen. Doch Expo-Chefin Birgit Breuel dürfte in den letzten Tagen vor der Eröffnung des Mammut-Spektakels des Öfteren mit Bauchschmerzen über das riesige Gelände gegangen sein.

"Selbst schuld", sagen nicht nur notorische Weltausstellungskritiker. Schließlich konnte die Expo GmbH trotz ihres großen Werbeetats in den zurückliegenden Monaten nicht vermitteln, was die viel beschworene "Faszination Expo" eigentlich ausmacht, was die Expo will, was sie eigentlich ist. "Warum soll ich zur Expo", fragen sich, so Umfragen, viele Bundesbürger. Die Antwort aus Hannover bleibt aus.

Doch es ist nicht nur das Image, das den Expo-Verantwortlichen unruhige Nächte bescheren dürfte. Es sind auch die eigenen Vorgaben. 40 Millionen zahlende Besucher braucht die 153-tägige Ausstellung, mehr als 260.000 pro Tag. Je weniger kommen, um so größer wird das Defizit. Und das ist - 400 Millionen Mark sind einkalkuliert - schon jetzt nicht gerade klein. Freikarten für Schüler, Eltern, Lehrer und Bauarbeiter sind zwar eine nette Geste, die Kassen füllen sie allerdings nicht. Dass mit dem 3,4-Milliarden-Etat der Weltausstellung oftmals sehr spendabel umgegangen wurde, rächt sich angesichts des drohenden Besuchermangels umso mehr.

Dabei hat das Weltausstellungsgelände einiges zu bieten: Pavillons mit protziger, eigenwilliger Architektur, denen es durchaus gelingt, den Besucher in ferne Länder zu entführen. Ein Kulturprogramm, das vielleicht nicht ganz an die Kasseler Documenta heran reicht, dafür aber das Potenzial hat, weitaus mehr Menschen anzusprechen. Multimediale Shows, die es mit den Präsentationen so mancher Freizeitparks aufnehmen können. Und nicht zuletzt ein Themenpark, der stellenweise tatsächlich zum Nachdenken anregen kann.

Auch wenn das Konzept in vielen Feuilletons kritisiert wird: Die Expo ist nun mal eine bunte Mischung aus Multimedia-Freizeitpark, Volksfest und "Kultur-Event". Und genau dieser Mix macht den Reiz der Mammut-Veranstaltung aus. Das müssen jetzt nur noch die potenziellen Gäste aus Nah und Fern merken - sonst könnte ein mehr als 300 Fußballfelder großes Gelände im Süden Hannovers tatsächlich leer bleiben. Und das hätte die Weltausstellung, trotz aller Querelen, nicht verdient.