Krank im Urlaub: Souvenir mit Folgen - DER SPIEGEL
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Krank im Urlaub Souvenir mit Folgen

Urlaub heißt Spaß, Spiel und Entspannung - und manchmal lästige Diarrhoe oder leichtsinniger Unfall. Fernreisende stellen sich auf Krankheiten wie Malaria ein, doch auch in der Nähe lauern Gefahren für die Gesundheit. Zum Beispiel wenn der Alltagsstress nachwirkt.
Von Friederike Hofmann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Nicolas Fargette konnte der Kühle des Wasserfalls in Mali nicht widerstehen. Bei einer jährlichen Durchschnittstemperatur in dem westafrikanischen Land von etwa 28 Grad Celsius ist das auch wenig verwunderlich. Die kurze Erfrischung hatte jedoch lange Nachwirkung: Während des Bades bohrten sich kleine Saugwürmer, sogenannte Schistosomen, durch seine Haut, und die Parasiten durchwanderten seinen Körper. Fargette bekam Fieber.

Nach seiner Rückkehr suchte er sofort die Klinik "Pitié Salpétrière" in Paris auf, die auf Tropenkrankheiten spezialisiert ist. Die Diagnose der Ärzte: Bilharziose, eine Krankheit, die vor allem in Afrika, Südostasien und in der Karibik verbreitet ist und die inneren Organe angreift. Einen Monat lang hatte Fargette mit starken Herzproblemen zu kämpfen und wurde sehr vergesslich. Mit ein wenig Vorsicht wäre das nicht passiert. Fargette wusste, dass er nicht in Flüssen oder Gewässern baden sollte - und tat es doch.

Wer in den Urlaub fährt, kann neben schönen Erinnerungen auch unangenehme Souvenirs mit nach Hause bringen. "Dabei wirken sich Reisen im Allgemeinen weitgehend positiv auf die Gesundheit aus", sagt Burkard Rieke vom Centrum für Reisemedizin (CRM)  in Düsseldorf. Entspannung und die Abkehr von Alltagssorgen unterstützen das psychische und körperliche Wohlempfinden. Einer Studie des Bernhard-Nocht-Instituts (BNI)  in Hamburg aus dem Jahr 2002 zufolge fühlen sich die Befragten in der letzten Urlaubswoche sogar deutlich besser als vor der Reise.

Manchen erwischt es trotzdem - und das kommt ziemlich oft vor. Jeder Zweite wird nach Statistiken während oder auf einer Reise krank. Davon kämpfen 75 Prozent laut Robert-Koch-Institut (RKI)  in Berlin mit Darmverstimmungen. "Durchfall ist die verbreitetste Reisekrankheit", sagt Rieke. Besonders oft sind Touristen in den Tropen und Subtropen betroffen. Aber auch rund ums Mittelmeer lauert die Diarrhoe. Meist sind die Magen-Darm-Beschwerden eher leichterer Natur und klingen nach kurzer Zeit ab, wenn sie länger anhalten, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Die Gesundheit von Fernreisenden ist laut BNI gefährdeter als die von Nahreisende. Man mag sofort an Tropenkrankheiten wie Malaria oder Gelbfieber denken. Die Gefahren auf Reisen liegen jedoch noch viel näher. Überraschenderweise wird die Mehrzahl von Krankheiten auf Reisen durch ganz andere Gründe bewirkt.

Unfälle auf Straßen und im Abenteuerurlaub

"Hauptursache für Gesundheitsstörungen sind Unfälle", sagt Helmut Jäger vom Bernhard-Nocht-Institut. In vielen Ländern der Welt geht es auf den Straßen nicht so geregelt wie in Deutschland zu. Verkehrsregeln sind wenig oder nicht vorhanden, Busse alt und Fahrer schlecht ausgebildet. Vom Auto erfasst oder in einen Unfall verwickelt zu werden liegt also nicht fern. Aber auch Abenteuersportarten wie Rafting, Climbing oder Paragliding sind nicht ohne. "Das eigene Verhalten spielt dabei eine große Rolle", sagt Helmut Jäger vom BNI. Übersteigerter Ehrgeiz führt zu gerfährlicher Selbstüberschätzung.

Nicht nur sportlicher Ansporn macht krank, sondern auch touristischer. Wer im Urlaub möglichst viel sehen will oder geschäftlich unterwegs ist, riskiert Stress. Dieser kann psychische und körperliche Probleme wie beispielsweise Schlaflosigkeit, Depressionen und Übelkeit verursachen. "Der Körper braucht einfach Zeit, um sich einzugewöhnen", sagt Jäger. Auch Flugreisen können besonders anstrengen. "Die Klimaumstellung, der erhöhte Druck in der Kabine und die Zeitumstellung können zu Stress führen."

Herzinfarktgefärdete müssen besonders aufpassen. Eine im Jahr 2003 in der Zeitschrift "Psychosomatic Medicine" veröffentliche Studie deckte auf, dass die Gefahr eines Herzinfarktes zu Beginn des Urlaubs außergewöhnlich hoch ist. Für Reisende, bei denen die Risikofaktoren Bluthochdruck, Rauchen oder erbliche Vorbelastungen hinzukommen, erhöht sich das Herzinfarktrisiko zusätzlich, wenn sie im Zelt oder Wohnwagen Urlaub machen. Herzerkrankungen gelten letztendlich als häufigste Todesursache auf Reisen. Unabhängig vom Reiseziel kann jeder, der schon vor Antritt der Reise unter Stress steht, im Urlaub von den Nachwehen eingeholt werden. Beim "Leisure-Sickness-Syndrom" werden besonders sehr beschäftigte Menschen in der Freizeit von Wehwehchen wie Glieder- oder Kopfschmerzen heimgesucht, da sie schwer abschalten können.

Wie kann man sich vor einer Krankheit schützen?

Reisemedizinische Institute und Arztpraxen informieren über länderspezifische Eigenheiten und die nötige Vorsorge. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)  empfiehlt daher bei Fernreisen einen Arztbesuch vier bis sechs Wochen vor Reiseantritt, um alle nötigen Impfungen und Untersuchungen durchzuführen. Aber auch bei Last-Minute-Reisen kann kurz vor der Abreise noch einiges getan werden. "Gerade Auffrischungsimpfungen sind auch noch absolut sinnvoll", sagt Rieke. Sie schützen zum Beispiel vor Tetanus, Diphterie, Kinderlähmung und Masern, aber auch vor Hepatitis A und B, Cholera und Gelbfieber. Im Straßenverkehr im Reiseland nützt verstärkte Vorsicht. "Touristen schauen nicht gern hinter die Kulissen", sagt Rieke. Bei öffentlichen Verkehrsmitteln solle man aber ganz genau hinschauen, sagt Rieke. Bei Reisen in tropische Länder sollte an einen ausreichenden Schutz vor Mücken durch Kleidung, Sprays und Moskitonetze gedacht werden.

Eine gut ausgestattete Reiseapotheke kann viele Wehwehchen lindern, und bei Nahrungsmitteln gilt in tropischen und subtropischen Gebieten der alte Leitspruch "Peel it, cook it or leave it": Obst soll etwa nur geschält sowie Eiswürfel und Leitungswasser vermieden werden, um Magen-Darm-Erkrankungen und Schlimmeres zu verhindern. Besonders bei Trekkingreisen in abgelegene Gebiete ist höchste Vorsicht geboten. "Die Infrastruktur wird abseits der Touristenzentren brüchiger", sagt Rieke. Reisende müssten also frühzeitig mitdenken, damit sie nicht mit gebrochenem Bein ohne Kontakt zur Außenwelt in einer Steinwüste liegen. Gegen Reisestress gibt es laut Jäger aber ein ganz einfaches Mittel. "Einfach mehr Zeit einplanen", rät er.