Kreuzfahrt in Nordkorea: Karaokeparty und Matratzenlager - DER SPIEGEL
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Kreuzfahrt in Nordkorea: Seereise ohne fließend Wasser

Foto: CARLOS BARRIA/ REUTERS

Kreuzfahrt in Nordkorea Karaokeparty und Matratzenlager

Urlaub in Nordkorea? Bislang war das kommunistische Land nicht gerade für seine Gastfreundschaft bekannt. Nun will man hier Touristen locken - mit einer Kreuzfahrt zum fotogenen Kumgang-Berg. Ein 40 Jahre alter Frachter wurde dafür aufgemöbelt, doch von Betten fehlt jede Spur.
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Malerisch ist Nordkoreas Tourismusregion rund um den Kumgang-Berg an der Grenze zu Südkorea, heruntergekommen dagegen die Hafenstadt Rajin im Nordosten des Landes. Von hier aus können Urlauber neuerdings auf einem Kreuzfahrtschiff in See stechen. Die nordkoreanischen Behörden wollen den Tourismus ankurbeln, um an Devisen zu kommen, die das isolierte Land dringend benötigt. 21 Stunden dauert die Bootsfahrt entlang der nordkoreanischen Ostküste - es ist die erste Seereise, bei der sich Touristen einen Eindruck vom Land verschaffen können.

An Bord der "Man Gyong Bong" wird frischer Kaffee serviert, außerdem getrockneter Fisch und nordkoreanisches Bier. Eine Karaokeparty soll Urlauber bei Laune halten - und das ist auch nötig bei dem Standard, der auf dem Schiff herrscht: Aus den Wasserhähnen kommt meistens kein Wasser, und statt Betten gibt es Matratzenlager.

Mehr als 120 Journalisten und chinesische Reiseveranstalter lud das sonst eher öffentlichkeitsscheue Regime zur Probefahrt. Für die Tour wurde ein fast 40 Jahre alter Frachter renoviert, der bis 1992 als Fähre zwischen Nordkorea und Japan im Einsatz war. "Die Renovierungsarbeiten am Schiff wurden erst vor einer Woche beendet", sagt Hwang Chol Nam, Vize-Bürgermeister der Sonderwirtschaftszone Rason.

Die Idee zu dem Projekt hatten die nordkoreanische Wirtschaftsvereinigung Taepung und die Regierung von Rason. Das Gebiet an der Nordostküste des Landes mit den Städten Rajin und Sonbong erhielt 1991 den Status einer Freihandelszone, um Investitionen nach Nordkorea zu bringen. Wegen der schlechten Infrastruktur, häufigen Stromausfällen und mangelnden Vertrauens ausländischer Investoren in die stalinistische Führung war dem Projekt wenig Erfolg beschieden.

Nun starten die Behörden einen neuen Versuch, die an Russland und China grenzende Zone attraktiv zu machen. Schließlich leidet Nordkoreas Wirtschaft unter den internationalen Sanktionen, die gegen den totalitären Staat wegen seines Atomwaffenprogramms verhängt wurden.

Nach jahrzehntelanger Isolation und schlechter Wirtschaftspolitik ist Nordkorea bitterarm, die Bevölkerung kämpft mit ständiger Nahrungsmittelknappheit. Nun sollen Hwang zufolge das Seefracht-Geschäft in Rason ausgebaut werden, der Handel mit Meeresfrüchten - und der Tourismus. Besuchern aus dem Westen öffnet sich das Land erst allmählich. Lediglich das Gebiet am Kumgang-Berg ist touristisch erschlossen. Doch seit dort 2008 ein nordkoreanischer Soldat eine Urlauberin aus dem Süden erschoss, steht die Region im Zentrum eines politischen Konflikts.

Internetzensur und Maulkorbmethoden

Als die "Man Gyong Bong" Ende August in Rajin ablegt, stehen hunderte Studenten und Arbeiter mit Blumen am Pier. Wer mit ihnen ins Gespräch kommen will, wird streng überwacht. So ergeben sich kurze Kontakte mit Einheimischen nur in Anwesenheit von Reiseführern, Inhabern von Touristengeschäften und Hotelangestellten. Durch die Fenster des Ausflugsbusses sind Nordkoreaner auf Fahrrädern zu sehen - meist in einfarbiger Kleidung -, oder eines der wenigen Autos, die durch die leeren Straßen steuern.

In der riesigen Eingangshalle eines Hotels in Rajin grüßen Porträts von Staatsoberhaupt Kim Jong-Il und seinem verstorbenen Vaters Kim Il-Sung. Die Zimmer sind spartanisch eingerichtet, aber sauber. Nirgendwo gibt es eine Internetverbindung, die Telefonleitungen sind unzuverlässig und teuer. Handys werden von den Reiseführern eingezogen, sobald Besucher in das Land einreisen.

Hwang zufolge versucht die Verwaltung der Freihandelszone, die Kommunikationsmöglichkeiten zu verbessern: Internet solle es noch im September geben, doch Websites ohne Bezug zur Wirtschaft würden gesperrt.

Für Simon Cockerell, Geschäftsführer des auf Nordkorea spezialisierten Pekinger Reiseveranstalters Koryo Group, liegt der Reiz der Touren durch Nordkorea im Unbekannten: "Viele Leute reisen gern an obskure Orte", sagt er. "Und dies ist der obskurste Teil eines touristisch sehr obskuren Landes."

Marianne Barriaux, AFP