Länder zu Bahnpreiserhöhung "Eindeutig der falsche Weg"
Hamburg - Nach Willen des Bahnvorstands sollen die Preise im Nahverkehr um bis zu 3,9 Prozent steigen. Unter den Verkehrsministern der Länder, die bei Entfernungen über 100 Kilometer zustimmen müssen, wird spontan Widerstand laut: Bayern will die angekündigte Preiserhöhung nicht kampflos hinnehmen. Höhere Preise seien die falsche Strategie, um Kunden zu gewinnen, sagte Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) am Dienstag in München. "Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen, damit die Bahn mehr Kunden bekommt." Die von der Bahn als Grund genannten steigenden Energiepreise hält Wiesheu für nicht stichhaltig.
Auch der baden-württembergische Umwelt- und Verkehrsminister Stefan Mappus (CDU) nannte die Tariferhöhung für den Nahverkehr um durchschnittlich 3,6 Prozent "das falsche Signal". Die Bahn habe seit Ende letzten Jahres die Preise im Nahverkehr um 4,05 Prozent erhöht. "Wenn ein Unternehmen innerhalb so kurzer Zeit ein zweites Mal die Preise deutlich erhöht, ist das sicher nicht die richtige Strategie, um mehr Fahrgäste zu gewinnen. Wir setzen auf eine Ausweitung des Nahverkehrs, die Entscheidung der Bahn steht diesen Bemühungen entgegen. Ich lehne die Erhöhung deshalb ab", sagte Mappus.
Bahn drohten keine Defizite
Für Sachsens Wirtschaftsminister Martin Gillo (CDU) sind die höheren Fahrpreise "eindeutig der falsche Weg". Statt mit besserem Angebot und mehr Service zusätzliche Kunden zu werben und damit die Einnahmen zu erhöhen, vertreibt die Bahn mit dieser Preispolitik ihre Fahrgäste. Nordrhein-Westfalen will ebenfalls nicht zustimmen. "Das ist überhaupt nicht akzeptabel", sagte Verkehrsminister Axel Horstmann (SPD) in Düsseldorf. Für höhere Preise im Nahverkehr gebe es keine Begründung. Der Bahn drohten wegen steigender Fahrgastzahlen und der jährlich 700 Millionen Euro vom Land keine Defizite im Nahverkehr.
Im Thüringer Verkehrsministerium hieß es, "wir sind nicht erfreut". Das Land werde den geplanten Preiserhöhungen im Nahverkehr nicht zustimmen. Schleswig-Holstein entscheidet im Nahverkehr selbst über mögliche Preiserhöhungen und ist daher nicht betroffen. Nach Ansicht von Verkehrsminister Bernd Rohwer (SPD) müssten die Länder jetzt aber die Begründung der Bahn für die Preiserhöhungen "kritisch auf den Prüfstand stellen". Der rheinland-pfälzische Verkehrs-Staatssekretär Günter Eymael (FDP) lehnte die Preiserhöhungen als "falsches verkehrspolitisches Signal" ab. Die Tariferhöhungen liefen dem Ziel zuwider, mehr Fahrgäste für die Schiene zu gewinnen.
55 Prozent der Nahverkehrskunden nicht betroffen
Personenverkehrschef Karl-Friedrich Rausch hatte sich trotz der ablehnenden Haltung von Bundespolitikern und aus mehreren Ländern am Morgen zuversichtlich für die Anträge auf höhere Nahverkehrstarife gezeigt. So seien 55 Prozent der Nahverkehrskunden nicht betroffen, da sie Fahrscheine der Verkehrsverbünde benutzten. Auch liege die Bahn mit ihren Anträgen am unteren Ende des Korridors von weit höheren Preisanhebungen dieser Verbünde.