Lesererlebnisse im Streik: Kollaps im Gedränge - DER SPIEGEL
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Lesererlebnisse im Streik Kollaps im Gedränge

Dichtes Gedränge am Bahnsteig und in den S-Bahnen, in einem völlig überfüllten Zug ist eine Bahn-Kundin kollabiert: Einige SPIEGEL-ONLINE-Leser können dem Streik kaum mehr positive Seiten abgewinnen. Viele ärgerten sich über unzuverlässige Ersatzfahrpläne.
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Hamburg - "Alle Abteile waren voll, die Menschen standen dicht gedrängt in den Gängen, die Luft war stickig", berichtet SPIEGEL-ONLINE-Leser Robert Meissner über seine Fahrt im Eurocity von Bochum nach Düsseldorf. Besonders schlimm sei die Situation beim Ein- und Aussteigen gewesen: "Schnell und rücksichtslos" drängelten viele gen Ausstieg. In Duisburg dann ein Zwischenfall: "Ich sah durch Jacken und Taschen hindurch wie einer Frau aus dem Zug geholfen wurde." Zusammenbruch - ein Krankenwagen sei verständig worden. "Keine entspannte Art zu reisen", schreibt Meissner. "Als kleiner Mensch konnte man froh sein, im Gedränge überhaupt noch Luft zu bekommen", schildert Katja Kwasigroch die Situation in der Hamburger S-Bahn. "Wer weiß, wie vielen Menschen übel geworden ist, oder ob jemand umkippte. Obwohl - das wäre ja gar nicht gegangen." Dicht gedrängt habe sie Seit an Seit mit anderen Pendlern südlich der Elbe versucht, in die Stadt zu gelangen. Wer nicht mehr in die S-Bahn passte, habe 20 Minuten auf den Folgezug warten müssen. "Sicherlich kann jeder die Ursache des Streiks nachempfinden", schreibt Kwasigroch, "aber das Gedränge an den Haltstellen wird unzuzmutbar."

Von schlechten Erfahrungen mit Streikfahrplänen berichten zahlreiche Bahn-Kunden SPIEGEL ONLINE: "Ich bin stinksauer", schreibt Heike Schubert aus Leiferde. Sie hatte sich auf dem Weg von Wolfsburg nach Hannover auf den eingerichteten Schienenersatzverkehr verlassen, der stündlich verkehren sollte. "Eine Dreiviertelstunde später war immer noch kein Bus da", sagt Schubert. Bei der Bahn-Hotline habe man nichts von einem Ersatzverkehr auf besagter Strecke gewusst, doch "der Schienenersatzfahrplan steht immer noch zum Download im Internet". Schubert habe sich zwangsweise einen Tag freinehmen müssen. "Wenn man sich auf die Bahn verlässt, ist man verlassen", schreibt sie.

Ebenfalls schlechte Erfahrungen mit Ersatzfahrplänen hat Markus Stumpf gemacht: Auf dem Weg von Wiesbaden nach Frankfurt am Main habe er umsonst auf seinen Zug gewartet. "Die angegebenen Regionalzüge fuhren nicht", schreibt Stumpf. Er beschreibt die Lage als "desolat".

So früh am Arbeitsplatz wie selten zuvor

Ganz anders die Erlebnisse von Norbert Ritz: Bei ihm fuhren die Züge von Wuppertal nach Bonn laut Streikfahrplan so wie immer. "Das stimmte nur bedingt: Es gab nämlich keine Verspätung", schreibt Ritz. "Ich war so früh wie selten am Arbeitsplatz. Da bin ich ohne Streik ganz andere Dimensionen gewöhnt."

Petra Eckhardt aus Bad Orb erzählt, dass sie am Donnerstag erstmals auf den Notfallfahrplan vertraute - "und bin hoch zufrieden. Alle Züge, die ich in der Regel benutze, fuhren pünktlich. Seit langer Zeit bin ich mal wieder auf die Minute pünktlich am Frankfurter Hauptbahnhof eingetroffen." Die Pendlerin schwärmt von Sitzplätzen in "Hülle und Fülle. Von mir aus kann es so weiter gehen", schreibt sie SPIEGEL ONLINE.

"Meine Linie fährt auch im Streik trotz zahlreicher Ausfälle halbwegs verlässlich und pünktlich", berichtet Jan Giesau. Er freut sich, dass selbst Züge einfahren, die nicht auf dem Notfallfahrplan stehen. "Die Züge sind zudem überraschend leer, es ist also fast angenehmer als ohne Streik."

Ebenfalls vom Streik eher angetan ist Phillip Grünwald: "Wie sagte ein Fahrgast: 'Sechs Minuten Verspätung - die sollten immer streiken, davon kann man sonst ja nur träumen!'"

SPIEGEL-ONLINE-Leser Jens Benecke beobachtet "den Bahnstreik mit einem müden Lächeln". Seit vier Jahren fährt er jeden Tag acht Kilometer mit dem Fahrrad ins Büro und kann diese Art der Fortbewegung nur jedem empfehlen: "Man bleibt fit und kommt aufgewacht an."

sil

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