Luftfahrt: Die neue Mitte - DER SPIEGEL
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Luftfahrt Die neue Mitte

Immer mehr Linien-Fluggesellschaften führen ein Extra-Abteil zwischen der Economy und der Business Class ein. Der größere Sitzabstand soll angeblich das Thrombose-Risiko minimieren. Nicht alle Airlines machen aber mit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Für die neue Flugzeugklasse gibt es keinen einheitlichen Namen: Mal heißt sie Premium Economy, mal Economy Plus, mal - wie im Falle von British Midland - New Economy.

Großbritanniens zweitgrößte Fluggesellschaft, die neuerdings unter dem Label bmi firmiert, bietet seit im April Flüge von Europa in die USA an. In allen Interkontinental-Maschinen gibt es die neue Klasse. Wichtigster Unterschied gegenüber der "Holzklasse": Der Sitzabstand in der New Economy beträgt 97 Zentimeter - 15 mehr als für die Passagiere auf den hinteren Plätzen in der regulären Economy Class.

Im September folgt die skandinavische Fluggesellschaft SAS, die ihre Langstreckenflotte ebenfalls mit einer separaten Klasse namens Economy Plus bestücken wird. Hier soll der Sitzabstand zwischen 100 und 110 Zentimetern liegen. So viel Platz bieten andere Fluggesellschaften nur in der deutlich teureren Business Class.

Die Einführung der Vier-Klassen-Gesellschaft an Stelle der bisher üblichen drei Klassen (Economy/Business/First) hat vor allem einen Grund: das "Economy-Class-Syndrom", das in den vergangenen Monaten weltweit für Wirbel sorgte, weil mehrere Urlauber nach ihrem "Holzklasse"-Flug an einer Thrombose starben. Stundenlang eingezwängt zwischen engen Sitzreihen hatten sie kaum Bewegungsfreiheit. In der Folge bildete sich in ihren Beinen ein Blutgerinnsel, das zum Herzen wanderte, die Schlagader verstopfte und zum Tod führte.

Einige Fluggesellschaften haben eine gehobene Economy Class schon an Bord: British Airways etwa, hier heißt sie World Traveller Plus und bietet 97 Zentimeter Sitzabstand, genauso viel wie die Premium Economy der ebenfalls britischen Gesellschaft Virgin Atlantic.

Als bisher einzige größere US-Fluggesellschaft hat United Airlines eine Economy Plus mit 92 Zentimeter Sitzabstand eingeführt. Auf den inneramerikanischen United-Flügen ist sie bereits flächendeckend an Bord, die Langstreckenflotte wird bis Ende 2001 umgerüstet.

Seit Jahren fliegen auch zwei asiatische Fluglinien mit einer doppelten "Holzklasse": So bietet Garuda Indonesia mit ihrer Premium Economy 100 Zentimeter Sitzabstand, etwas mehr als bei der Eva Air aus Taiwan in ihrer Evergreen-Deluxe-Klasse mit 97 Zentimetern.

Air France fliegt zwar nicht auf allen Langstrecken, aber auf ihren klassischen Urlauberstrecken in die Karibik nach Gouadeloupe und Martinique und zum Indischen Ozean nach Réunion und Mauritius mit einer Zwischenklasse namens Alizé mit 94 Zentimetern Sitzabstand. Die Sunshine Class von Air Mauritius bietet 92 Zentimeter Sitzabstand auf den Flügen von München, Wien und Zürich nach Mauritius.

Einen anderen Weg geht China Airlines aus Taiwan, die von Deutschland aus nach Bangkok und Taipeh und von dort aus zu zehn Zielen in Fernost und Australien fliegt: Hier gibt es seit April die so genannte D-Klasse - wer sie bucht, sitzt bei Business-Bordservice in Business-Sesseln mit 122 bis 127 Zentimetern Sitzabstand, zahlt aber nur rund die Hälfte des regulären Business-Tarifs. Dafür muss der Reisende, im Unterschied zu den Business-Vollzahlern, allerdings mindestens sechs Nächte am Ziel bleiben, kann nicht uneingeschränkt umbuchen und bekommt weniger Vielfliegermeilen gutgeschrieben.

Der Service fällt in der gehobenen Economy nicht generell üppiger aus als auf den billigen Plätzen: Bei British Airways und United wird den Passagieren dort etwa die gleiche Verpflegung aufgetischt wie den Fluggästen in der Economy Class. Dagegen ist die Menüauswahl in den Zwischenklassen von Air Mauritius, Air France, Eva Air, Garuda Indonesia und Virgin Atlantic größer als in der regulären Economy. Die beiden letztgenannten Airlines schenken auch Champagner aus, Virgin Atlantic spendiert obendrein ein Eis zum Film.

Genauso uneinheitlich wie beim Service verfahren die Airlines mit Bonusgutschriften für Vielflieger. Mal gibt es im Vergleich zur "Holzklasse" keinen Aufschlag (SAS, United), mal acht Prozent mehr (British Midland), mal zehn Prozent (British Airways), mal 25 Prozent (Eva Air). Air France und Virgin Atlantic schreiben ihren Premium-Passagieren sogar 50 Prozent mehr Meilen gut.

Air Mauritius und Garuda Indonesia haben derzeit kein Vielfliegerprogramm. Dafür haben die Indonesier eine andere Trumpfkarte zu bieten, zumindest für Raucher: Garuda ist eine der wenigen Fluggesellschaften weltweit, die Rauchen an Bord noch erlaubt.

Auch die Preisfrage wird von jeder Airline anders beantwortet: Bei Virgin Atlantic und United sitzen Economy-Vollzahler automatisch ohne Aufpreis in der Premium-Klasse. Die meisten Gesellschaften kassieren einen Aufschlag auf den Economy-Tarif, der je nach Airline und Ziel für Hin- und Rückflug zwischen 450 und 1000 Mark liegt.

Am teuersten ist die Zwischenklasse bei British Midland, British Airways und SAS: Hier kostet der bequemere Sitz 37 bis 66 Prozent des regulären Business-Tarifs. Und Lufthansa? Die bleibt bei den regulären drei Klassen und sieht derzeit keinen Bedarf für ein viertes Abteil.

Gregor Garbassen, gms