Lufthansa-Streik: Zwei Drittel der Flüge gestrichen - DER SPIEGEL
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Pilotenstreik bis Dienstag Lufthansa muss zwei Drittel ihrer Flüge streichen

Die Piloten der Lufthansa haben die Schraube langsam angezogen. Nach Kurz- und Mittelstreckenflügen werden sie bis Dienstagnacht auch auf der rentableren Langstrecke streiken. Rund 166.000 Kunden sind betroffen.
Pilotenstreik bis Dienstag: Lufthansa muss zwei Drittel ihrer Flüge streichen
Pilotenstreik bis Dienstag: Lufthansa muss zwei Drittel ihrer Flüge streichen

Pilotenstreik bis Dienstag: Lufthansa muss zwei Drittel ihrer Flüge streichen

Foto: Thomas Lohnes/ Getty Images
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Frankfurt am Main - Kaum normalisieren sich die Fahrpläne der Züge der Deutschen Bahn nach dem 50-stündigen Lokführerstreik wieder, befindet sich die Lufthansa im Ausnahmezustand. Um 13 Uhr haben die Piloten der größten deutschen Fluglinie die Arbeit niedergelegt. Ihr Ausstand wird bis Dienstag kurz vor Mitternacht andauern und rund 166.000 Kunden treffen.

Die Ankündigung des Umfangs erfolgte auf Raten. Am Sonntag noch sprach die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) von bestreikten Kurz- und Mittelstreckenflügen - die Lufthansa reagierte mit einem ersten Notfallplan. Am Montagmorgen dann kam die Nachricht, dass am zweiten Tag des Streiks ab 6 Uhr auch die rentableren Langstreckenverbindungen betroffen sein werden. Erneut warteten Lufthansa-Kunden auf Informationen über ihren Flugstatus.

"Wir weiten den Streik aus, um ein deutlicheres Signal zu setzen - vielleicht schwenkt die Lufthansa jetzt endlich ein", sagte VC-Vorstand Markus Wahl. Von den 250.000 Kunden, die zum Wochenbeginn mit der Lufthansa in die Luft gehen wollten, können nun nach Auskunft der Fluggesellschaft nur noch 84.000 an ihre Ziele gebracht werden. Dabei kommen nicht streikende Piloten, Flugkapitäne aus dem Management und andere Airlines der Lufthansa-Gruppe zum Einsatz. Von den geplanten 2330 Verbindungen sollen 1510 ausfallen:

  • Die 35-stündige Streikwelle der Piloten trifft vor allem Kunden auf Strecken von und nach Frankfurt. Die Langstreckenverbindungen dorthin sind für Dienstag fast vollständig eingestellt. Der überwiegende Teil der Kurz- und Mittelstreckenflüge ist ebenfalls gestrichen.
  • Ab München können nach Angaben des Unternehmens voraussichtlich rund die Hälfte aller geplanten Kurz-, Mittel- und Langstreckenflüge von Lufthansa starten.
  • Langstreckenflüge von und nach Düsseldorf sollten planmäßig verkehren.
  • Mehr Information erhalten Lufthansa-Kunden in unserem Überblick.

Der achte Streik in dem monatelangen Arbeitskampf nagt an den Nerven der Passagiere und lässt den Schaden für Europas größten Luftfahrtkonzern wachsen. Der direkte Verlust aus den bisherigen Streiks dürfte sich auf 70 Millionen Euro belaufen, dazu kämen noch 30 Millionen Euro für die Ausstände am Montag und Dienstag, sagte Analyst Jochen Rothenbacher von der Equinet Bank.

Hinzu komme der langfristige Effekt. "Passagiere könnten künftig anderen Airlines den Vorzug geben." Daher könnte die Prognose für 2014 von einer Milliarde Euro operativen Konzerngewinns in Gefahr sein. Die Aktien verloren in der Spitze 2,5 Prozent. Aus Sicht der Lufthansa ist der Arbeitsausstand unverhältnismäßig. Die Folgen für das Unternehmen mit rund 115.000 Mitarbeitern seien unabsehbar, sagte Finanzchefin Simone Menne.

Kanzlerin Merkel: Gute Gründe für ein Gesetz zur Tarifeinheit

In dem Arbeitskampf, der sich seit sieben Monaten hinzieht, geht es um die bezahlte Frührente der 5400 Piloten. Die Lufthansa sieht sich wegen harter Konkurrenz außerstande, die im Branchenvergleich großzügigen Vorruhestandsregeln weiter zu finanzieren.

Bislang konnten die Piloten frühestens mit 55 Jahren das Steuer aus der Hand legen - durchschnittlich starten sie mit 59 Jahren in die Rente. Die Lufthansa will den Schnitt auf 61 Jahre erhöhen. Zudem kämpfen die Piloten gegen Pläne der Konzernleitung für eine neue Billigfluglinie.

Zuletzt hatte es Ende August Gespräche zwischen Lufthansa und der Pilotengewerkschaft VC gegeben - seitdem herrscht Funkstille. Die Lufthansa wirft der Gewerkschaft vor, bislang nicht - wie angekündigt - einen Vorschlag vorgelegt zu haben, wie die Kosten bei der Übergangsrente der Piloten gedeckelt werden können.

Die VC wiederum warf der Lufthansa in einer Erklärung am Montag erneut vor, die Arbeitsniederlegungen "provoziert" zu haben. Die Gewerkschaft verlangt von dem Konzern, seine "Blockadehaltung aufzugeben" und seinen "Beitrag zur Beilegung des Tarifkonflikts zu leisten".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt angesichts der Streiks bei Lokführern und Piloten auf eine baldige Verständigung der Tarifparteien. Sie hoffe, "dass diese Konflikte schnell beigelegt werden können", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin. Aus Sicht der Kanzlerin zeigten die Streiks, "dass es viele gute Gründe gibt, ein Gesetz zur Tarifeinheit zu verabschieden". Laut Arbeitsministerium soll sich das Bundeskabinett am 3. Dezember mit einem entsprechenden Entwurf befassen.

Auch der Wirtschaftsrat der CDU forderte, Kleingewerkschaften "dringend" zu begrenzen. Die jüngsten Arbeitsausstände hätten den Wirtschaftsstandort geschadet, erklärte die Vereinigung in Berlin. Ähnlich äußerte sich der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): Der Streik der Lufthansa-Piloten blockiere "globale Logistikprozesse, den Tourismus und viele Geschäftsreisen", erklärte die Organisation in Berlin. Der Ausstand sei "unverhältnismäßig und unverantwortlich".

Im Streit zwischen den Lokführern und der Deutschen Bahn könnten die nächsten Arbeitsniederlegungen bevorstehen. Die Lokführergewerkschaft GDL kündigte für nächste Woche neue Streiks an, sollte die Bahn "keine echten Verhandlungen" anbieten.

Lufthansa-Streik am 20. und 21. Oktober
3 Min

Die Piloten der Lufthansa werden ab Montag, 13 Uhr, bis Dienstag, 23.59 Uhr streiken - betroffen sind Kurz- und Mittelstreckenflüge und am Dienstag ab 6 Uhr auch Langstreckenflüge. Die wichtigsten Infos für Reisende finden Sie hier.

abl/Reuters/dpa/AFP