Luftverkehr: Himmlische Leitkultur - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Luftverkehr Himmlische Leitkultur

Der wachsende Luftverkehr über Deutschland macht nach Einschätzung der Deutschen Flugsicherung (DFS) neue technische Leitsysteme nötig. "Der Himmel hat noch genügend Platz", meint DFS-Betriebsdienst-Geschäftsführer Ralph Riedle.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Damit die Fluglotsen aber mehr Maschinen gleichzeitig betreuen könnten, müsse die Flugleitung stärker als bisher automatisiert werden, so Riedle. Die Entwicklung solcher Methoden werde allerdings wegen der nötigen Sicherheitsstandards Zeit brauchen. "Die Mitarbeiter müssen ihre Aufmerksamkeit auf problematische Situationen richten können", sagte der DFS-Geschäftsführer.

Die neuen An- und Abflugrouten am größten deutschen Flughafen in Frankfurt führten in Teilen des Rhein-Main-Gebiets zu mehr Belastungen durch Lärm, räumte Riedle ein. Dafür würden bisher betroffene Regionen entlastet. "Der Verkehr wird besser verteilt, und dadurch schaffen wir die Voraussetzung, um mehr Pünktlichkeit und zusätzliche Kapazitäten zu gewinnen." Das Konzept werde wie geplant am 19. April als Verordnung in Kraft treten. Dass es erfolgreich rechtlich angefochten werden könne, glaube er nicht, sagte Riedle.

Das erwartete Wachstum des Flugverkehrs am Frankfurter Airport lasse sich aber trotz gewisser Verbesserungen durch die neuen Routen mit dem derzeitigen System der Start- und Landebahnen nicht aufnehmen, sagte Riedle. "Wir können mit jeder der vorgeschlagenen Ausbau-Varianten leben." Sie seien für die geplante Kapazitätserweiterung geeignet. Nach bisheriger Planung soll bis zum Jahr 2006 eine zusätzliche Landebahn im Nordwesten des Geländes entstehen.

Riedle wies die Kritik von Fluggesellschaften zurück, die Flugsicherung verursache Staus am Himmel. "Pünktlichkeit ist nicht nur ein Produkt des Fliegens, sondern des gesamten Umlaufes des Flugzeuges auch am Flughafen", sagte er. Dieser könne gemeinsam verbessert werden. Im vergangenen Jahr hätten Maschinen über Deutschland im Schnitt 1,7 Minuten Verspätung gehabt im Vergleich zu 3,8 Minuten in Europa.

Die grenzüberschreitende Flugleitung müsse aber besser abgestimmt werden, betonte Riedle. "Die Europäische Kommission müsste als starker Regulator verbindliche einheitliche Vorgaben machen. Darunter gibt es wendige operative Einheiten wie die Deutsche Flugsicherung." Auch Staaten außerhalb der Europäischen Union würden diese Standards übernehmen müssen.

(dpa)