Luxusreisen: Lebe lieber ungewöhnlich - DER SPIEGEL
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Luxusreisen Lebe lieber ungewöhnlich

Luxus ist gefragt - und wird von den immer jüngeren wohlhabenden Urlaubern neu definiert: Ihre Reiseerlebnisse sollen möglichst individuell und spektakulär sein. So werden Designhotels immer beliebter, und ein Heli-Flug über den Gletscher ist auch mal drin.
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Trier/Berlin - Frühbucherrabatte, Last-Minute-Reisen, Schnäppchenpreise - viele Deutsche sparen am Urlaub. Andere aber nicht. Im Gegenteil, sie wollen es sich dann richtig gut gehen lassen, und das darf auch etwas kosten. Luxusreisen liegen im Trend. Anbieter für das so genannte Premiumsegment legen über den Durchschnitt zu. Das Angebot der Reiseveranstalter wächst - und richtet sich durchaus nicht nur an die Superreichen.

"Es gibt eine zunehmende Zahl von Leuten, die das Geld haben und es auch im Urlaub ausgeben", sagt Heinz-Dieter Quack, Tourismusforscher von der Universität Trier, "das ist eine Kundengruppe, die fast alles hat außer einem: Zeit. Zeit ist eben auch Luxus." Für genau diese Zielgruppe war das Angebot in den Reisebüros bisher überschaubar. "Das Luxusreisesegment war lange Zeit eine Domäne von Spezial-Veranstaltern", sagt Sibylle Zeuch, Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV) in Berlin. "Doch auch die Großen haben längst erkannt, dass Luxusreisen ein gewaltiger Wachstumsmarkt sind."

"Viele Deutsche sind ausgesprochen reiseerfahren und werden in ihren Erwartungen an den Urlaub immer anspruchsvoller", sagt die Expertin. Und weil die Reiseerlebnisse möglichst individuell und möglichst ungewöhnlich sein sollen, ist auch die Bereitschaft groß, dafür etwas mehr auszugeben als für die Pauschalreise nach Spanien.

Hohe Zuwächse bei den Tophotels

Nicht überraschend also, dass Dertour Mitte Februar erstmals einen Katalog für die neue attraktive Zielgruppe vorgelegt hat. Unter dem Titel "Dertour Deluxe" versammelt er 52 Resorts und Hotels der Fünf- und Sechs-Sterne-Kategorie. "Der Markt für anspruchsvolle Reisen wächst", so Dertour-Geschäftsführer Michael Frese. Schon bisher registrierte der Veranstalter gerade bei den Tophotels in seinen Katalogen zum Teil die höchsten Zuwächse.

Marktführer TUI hat vor drei Jahren unter dem Titel "TUI Stars" einen Katalog mit Tophotels aufgelegt. Inzwischen ist er noch umfangreicher geworden: Für den Sommer 2006 lassen sich 228 Häuser buchen. "Wir hatten bisher jeweils zweistellige Wachstumszahlen", sagt Ingo Markgraf, Leiter der TUI-Produktentwicklung in Hannover. Die Kunden wollten sich mit solchen Reisen einfach selbst belohnen, sagt Markgraf. Zum Beispiel mit Hotels, die anders als bei vielen Pauschalreisen nicht austauschbar seien und gehobenen Service bieten.

Denn wer hier bucht, will sich von den lästigen Seiten des Urlaubs so viel wie möglich abnehmen lassen. "Wir bieten deshalb auch individuelle Transfers zum Hotel und einen frühen Check-in und späten Check-out an." Zum Wohlfühlen gehört Wellness für viele längst dazu - für die TUI-Stars-Kunden auf jeden Fall. "Auch Gastronomie ist ein extrem wichtiger Gesichtspunkt", sagt Markgraf. "In den Hotels aus unserem Katalog gibt es deshalb immer mindestens zwei Restaurants, oft mehr."

Ruhe und perfekten Service im Urlaub

Die Zielgruppe für solche Reisen sind nicht zuletzt die "Silver Consumer", aber nicht nur: "Diese Gruppe ist stark, aber nicht so stark wie erwartet", sagt Quack. Stattdessen seien es oft auch die Jüngeren, gut Ausgebildeten, viel Arbeitenden, die im Urlaub auf Qualität setzen und sich das auch etwas kosten lassen - 5000 Euro für eine Woche seien dabei nichts Ungewöhnliches.

"Der Trend gilt auch für Familien", sagt der Geschäftsführer des Europäischen Tourismus Instituts. "Doppelverdiener beispielsweise haben in der Woche oft wenig Zeit für die Kinder. Die gucken im Urlaub nicht auf den Euro, erwarten dann aber Ruhe und perfekten Service."

Ähnliche Beobachtungen hat auch Michael Tenzer gemacht, der Geschäftsführer von Airtours. Der Reiseveranstalter war vor 37 Jahren einer der ersten, der die Zielgruppe der Premiumkunden ins Visier nahm. Bis vor kurzem waren das vor allem die viel zitierten "Best Ager" - das Durchschnittsalter lag bei 58 Jahren. Doch das größte Wachstum verzeichnet Airtours derzeit bei den 40- bis 50-Jährigen. "Gerade die jüngeren, geburtenstarken Jahrgänge definieren Luxus neu", sagt Tenzer. Klassische Luxushotels beispielsweise seien bei dieser Generation weniger gefragt, individuelle Architektur umso mehr. "Design- oder Boutiquehotels werden bei unseren Kunden deshalb immer beliebter."

"Es darf schon etwas spektakulärer sein"

Luxus muss in diesem Fall nicht dick aufgetragen sein. "Es gibt in Kärnten ein Almdorf mit 20 Holzhütten auf Fünf-Sterne-Niveau", erzählt Quack. "Die Nacht kann da durchaus 500 Euro kosten, die Auslastung liegt bei 90 Prozent." Luxus im materiellen Sinn verliere für manche Urlauber eben an Bedeutung - "die erwarten geradezu, dass er nicht ins Auge springt." Das Personal trägt dort Jeans, aber der Service ist individuell. Eine Speisekarte gibt es nicht: "Der Gast bespricht mit dem Koch, was er gerne essen möchte."

Entscheidend ist, dass der Urlauber das Gefühl hat, tatsächlich etwas Ungewöhnliches zu erleben. Entsprechend hat Airtours in seinem "Perfect Days" genannten Katalog für Kurzreisen nicht nur Wellness im Angebot, sondern eine Reihe von Angeboten, die sich sonst so nicht im Reisebüro buchen lassen: den Heli-Flug auf den Gletscher zum Beispiel oder den Tages-Trip mit der Yacht übers Mittelmeer - Luxusurlauber wollen nicht mehr unbedingt zeigen, dass sie sich etwas leisten können, sagt Tenzer. "Aber es darf schon etwas spektakulärer sein."

Von Andreas Heimann, gms

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