Machtkampf Steigt TUI bei Thomson ein?
Der Preussag-Aufsichtsrat kam am Sonntagmittag überraschend zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um über ein Angebot zu beraten. Entsprechende Angaben der "Welt am Sonntag" wurden aus Preussag-Kreisen bestätigt. Offiziell gab es keine Stellungnahme der Preussag, die bislang mit ihrer Touristiktochter TUI Group Marktführer in Europa ist. Die Entscheidung über ein Angebot galt am Nachmittag als offen.
Seit Wochen drängt der deutsche Konkurrent C&N Touristik auf eine Übernahme der Thomson Travel, die in Europa Nummer vier der Reisebranche ist, aber auf dem heimischen Markt mit 24 Prozent als stärkster Anbieter gilt.
C&N, eine Tochter von Karstadt-Quelle und Deutscher Lufthansa, hatte sein Angebot mehrfach aufgestockt und zuletzt umgerechnet 5,4 Milliarden Mark geboten. Zusammen mit Thomson will C&N der Preussag die Marktführerschaft in Europa streitig machen. Bislang führt deren TUI Group den europäischen Markt vor der britischen Airtours, C&N und Thomson.
Preussag hat sich damit zu einer Kehrtwende im Hinblick auf Thomson entschieden. Noch vor einem Monat hatte Vorstandschef Michael Frenzel auf der Hauptversammlung gesagt, Preussag habe kein Interesse. Er verwies auf die gerade erst im vorigen Jahr erworbene britische Tochter Thomas Cook, die auf dem britischen Reisemarkt hinter Airtours und Thomson an dritter Stelle liegt. Frenzel hatte einen Kaufpreis von über fünf Milliarden Mark für Thomson Travel außerdem als problematisch bezeichnet, weil dessen Ertrag zu schwach sei, um einen solchen Kaufpreis voll zu finanzieren.
In der Touristik-Branche gilt eine Preussag-Offerte an Thomson daher auch als mögliches taktisches Manöver, um einen Einstieg von C&N in Großbritannien möglichst teuer zu machen. Problematisch wäre ein Angebot an Thomson aus kartellrechtlicher Sicht.
Vorteile brächte ein Einstieg der TUI beim britischen Branchenführer - abgesehen von dem Abwehr eines C&N-Einstiegs - vor allem in Skandinavien. Auf dem nach Deutschland und Großbritannien drittgrößten Reisemarkt in Europa ist TUI bislang praktisch nicht präsent, Thomson dagegen mit Marktanteilen zwischen 35 und 40 Prozent Nummer eins.
C&N lehnte am Sonntag einen Kommentar zu den angeblichen Preussag- Plänen ab. Konzernsprecher Gerd Leidinger verwies auf die bisherige Position, dass C&N Thomson "nicht um jeden Preis" kaufen wolle. "Wir brauchen Thomson nicht unbedingt." Über das bisherige Angebot wolle C&N nicht hinausgehen.