Malaria & Co. Souvenirs, die keine Freude machen
Düsseldorf/München - In einigen Urlaubsländern infizieren sich Touristen immer noch mit Reisekrankheiten wie Malaria oder Hepatitis A, besonders in den Tropen und Subtropen. Aber auch weniger spektakuläre und gefährliche Erkrankungen wie den "Hautmaulwurf" bringen Urlauber neben exotischem Kunsthandwerk und kulinarischen Spezialitäten mit.
"Ein Alarmsignal für schwerere Erkrankungen ist Fieber", sagt Irmela Müller-Stöver vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf. "Wenn sich zum Beispiel nach der Rückkehr aus tropischen Ländern hohes Fieber einstellt, sollte man unbedingt schnell zum Arzt gehen." Besonders wichtig für die Diagnose sei es dann, den Arzt über die vorangegangene Reise zu informieren. Am häufigsten ist nach den Erfahrungen der Medizinerin eine Malaria-Erkrankung: Aber auch mit Typhus und dem Dengue-Fieber können sich Reisende in Lateinamerika zum Beispiel infizieren.
Eine Ansteckung mit der so genannten Reisehepatitis A oder "Gelbsucht" drohe auch in weniger exotischen Ländern. Bereits am Mittelmeer ist das Virus nach Angaben des Münchner Tropeninstituts sehr verbreitet. "Da schon eine sehr geringe Virusmenge ausreicht, kann man sich durch verunreinigtes Trinkwasser oder Lebensmittel relativ leicht infizieren", warnt Hans-Dieter Nothdurft, Mediziner an dem Münchner Institut.
"Einen wirksamen Schutz bietet nur die Impfung", so Nothdurft, und immer mehr Touristen beherzigen nach seinen Angaben diesen Rat: "In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der gemeldeten Krankheitsfälle mehr als halbiert."
Ist es doch zu einer Ansteckung gekommen, treten die Krankheitssymptome in der Regel zwei bis sechs Wochen später auf: "Der Erkrankte hat Fieber, Bauchschmerzen, und ihm ist übel. Erst nach ein paar Tagen kommt die typische gelbe Färbung der Augen und der Haut dazu", beschreibt Nothdurft den Krankheitsverlauf.
"Wegen der großen Ansteckungsgefahr sollte man möglichst schnell zum Arzt gehen, auch wenn die Symptome in den ersten Tagen auf eine einfache Grippe hindeuten", rät der Mediziner. "Um nicht innerhalb kürzester Zeit sein gesamtes Umfeld anzustecken, müssen besondere Hygienemaßnahmen getroffen werden", so Nothdurft weiter. Mit dem Erkrankten sollten zum Beispiel weder Badeutensilien noch die Toilette geteilt werden.
"Hauterkrankungen, die sich Urlauber durch fremde Insekten holen, sind meist unangenehm, aber weniger gefährlich", beschreibt der Dermatologe Thomas Titzmann aus Augsburg die Situation. Vorsicht sei allerdings geboten, wenn es zum Beispiel nach einem Insektenstich zu bakteriellen Infekten kommt: "Es können sich Abszesse bilden und Spätfolgen auftreten."
"Besonders unangenehm ist zum Beispiel die Leishmaniose, eine langwierige Hautentzündung, die auch unter dem Namen Orientbeule bekannt ist", sagt Titzmann. Ausgelöst werde die Entzündung durch den Stich einer bestimmten Mückenart, die in tropischen und subtropischen Ländern lebt. "Es bildet sich ein Geschwür, das erst nach langer Zeit abheilt", so der Dermatologe. In schweren Fällen könnten sogar innere Organe angegriffen und geschädigt werden.
Vor allem an Urlaubsstränden lauern nach Angaben des Experten weitere Gefahren: Aus Tierkot gelangen Larven des Hakenwurms - auch "Hautmaulwurf" genannt - in den Sand. "Sie können sich durch die Haut des Menschen bohren, vor allem an den Füßen", erläutert Titzmann. Die Larve wandere dann in der Haut umher und bilde dabei juckende Gänge. "Es kann zu schmerzhaften Entzündungen kommen." Wenn der Patient nicht behandelt wird, könne die Larve wochenlang in der Haut überleben." Titzmann rät deshalb generell, den eigenen Körper während des Urlaubs und auch danach genau zu beobachten.
- Homepage des Centrums für Reisemedizin (Düsseldorf)
- Reisemedizinischer Infodienst des Tropeninstituts München
- Auswärtiges Amt:Merkblätter für Reisekrankheiten
Dies gilt ganz besonders für Urlauber in Zecken-Risikogebieten: "Ein Zeckenbiss kann mit der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und der Borreliose infizieren", erläutert Irmela Müller-Stöver. Gegen FSME sei in jedem Fall eine Schutzimpfung empfehlenswert, weil nach einer Infektion mit dem Virus auch Ärzte nur noch eingeschränkt helfen könnten: "Zwar können die Symptome behandelt werden, mit dem Virus an sich muss der Körper aber allein fertig werden."
Der Grad der Erkrankung ist nach Angaben der Ärztin unterschiedlich: "Es kann zu Beschwerden wie bei einer leichten Grippe, aber auch zu schweren Hirnhautentzündungen kommen." Im Einzelfall könne FSME auch zum Tod führen.
Auch die von Zecken übertragene Borreliose ist laut Irmela Müller-Stöver nicht zu unterschätzen: "Die übertragenen Bakterien führen im besten Fall zu einem großen, roten, runden Fleck. Wenn dadurch die Infektion erkannt wird, kann der Patient mit einem Antibiotikum sehr gut behandelt werden." Werde die Infektion aber nicht frühzeitig behandelt, könnten sich chronische Beschwerden an der Haut oder in Gelenken einstellen. In Einzelfällen könne auch das Hirnwasser irreparabel geschädigt werden.
Von Katharina Klink, gms