Mallorca: "Bierkrieg" in der Schinkenstraße - DER SPIEGEL
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Mallorca "Bierkrieg" in der Schinkenstraße

Die Deutschen randalieren, die Kneipiers demonstrieren, die Hoteliers kritisieren: Der Kampf ums Bier in Mallorcas Schinkenstraße erregt die Gemüter. Doch im Hintergrund geht es um viel mehr als nur um Gerstensaft.
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Palma de Mallorca/Madrid - Die einen wollen Bier trinken und feiern bis zum Morgengrauen, die anderen wollen ihre Nachtruhe haben. Seit Jahren herrscht auf der spanischen Ferieninsel Mallorca Streit zwischen ausgelassenen Biertrinkern und genervten Anwohnern - ein Zwist, der mittlerweile zum "Bierkrieg" eskaliert ist. Seitdem die Behörden in der berühmt-berüchtigten Schinkenstraße vier große Biergärten für eine Woche schließen ließen, kochen die Emotionen hoch.

Tag für Tag demonstrieren nun Kneipiers und ihre Kellner gegen die "Trockenlegung" der Schinkenstraße, in der sich sonst tausende von bierdurstigen deutschen Urlaubern drängen. Am vorigen Mittwoch hatten sich auch 4000 deutsche Touristen den Protesten angeschlossen - die wohl erste gemeinsame Kundgebung von Deutschen und Spaniern am Strand von Palma.

"Wir wollen Bier", waren noch die harmloseren Forderungen der aufgestachelten Deutschen. Beleidigungen in Richtung der spanischen Regierung und offen geäußerte Besitzansprüche an die Schinkenstraße machten deutlich, dass viele Mallorca-Touristen die Balearen-Insel längst als deutsches Hoheitsgebiet ansehen. Die 200 spanischen Kellner der geschlossenen Lokale hielten sich - zumindest öffentlich - zurück und forderten: "Queremos trabajar! Wir wollen arbeiten!"

Für die Kneipiers des "Bierkönigs" und der anderen drei Lokale bedeutet die siebentägige Schließung einen schweren Schlag, schließlich herrscht in den Gaststätten im September Hochsaison. Nach den Sommerferien wird die Zahl der Bade-Urlauber geringer, und an deren Stelle rücken die trinkfreudigen Mitglieder der Kegelclubs.

Die Betreiber der Freiluft-Kneipen argwöhnen, dass es beim "Bierkrieg" in Wirklichkeit gar nicht um den Lärm geht, sondern um handfeste, wirtschaftliche Interessen. "Die Hoteliers haben ihre Swimmingpools zu Biergärten umfunktioniert. Sie und die Besitzer der Diskotheken betrachten uns als eine lästige Konkurrenz und wollen uns loswerden", meint Julian Oliver, Vorsitzender des Biergärten-Verbandes.

Die Anwohner sind anderer Meinung. "Der Lärm ist furchtbar und unerträglich", sagte die Präsidentin des Nachbarschaftsverbandes, Juana Femenias Cabot. "Jede Nacht tanzen die Leute wie bei einem Volksfest auf der Straße. Wir müssen trotz der Hitze die Fenster unserer Wohnungen geschlossen halten. Sonst können wir nicht einmal unsere Fernseher verstehen."

Die Schinkenstraße hat sich in den vergangenen 20 Jahren zu einem "Mekka des Bieres" entwickelt. In den Biergärten drängen sich an manchen Sommerabenden an die 10.000 Urlauber, fast alle aus Deutschland. Die fühlen sich wie zu Hause, trinken Bier aus großen Krügen, tanzen ausgelassen auf dem Asphalt und verwandeln die kleine Stichstraße oberhalb der Strandpromenade in eine der größten Freiluft-Diskotheken der Welt. Offiziell heißt die Straße eigentlich "Calle del Pare Bartomeu Salva", aber die deutschen Mallorca-Touristen tauften sie irgendwann um.

Die Biergärten sind nicht nur den Anwohnern, sondern auch den Hoteliers ein Dorn im Auge - und dies nicht allein wegen des Kneipenlärms. Die Hotelbesitzer fürchten um den guten Ruf der Gegend. Sie betrachten die Mallorca-Ausflüge der Kegelclubs als eine Art von "Billigtourismus", von dem allein die Biertempel profitieren, der aber ansonsten wenig Geld abwirft.

"Wir haben 6000 Hotelbetten in Vier-Sterne-Häusern, und die können wir mit dieser Art von Tourismus niedriger Qualität nicht auslasten", heißt es in Hotelierskreisen. "Wir müssen diese Gegend attraktiv machen für Familien und für Leute mit Geld."