Probefahrt vor der Taufe: So sieht "Mein Schiff 3" aus
Erste Probefahrt mit "Mein Schiff 3" Weißer Rauch über der Nordsee
Dreimal tutet die weiß-blaue "Mein Schiff 3" zum Abschied und schiebt sich langsam am Hamburger Kreuzfahrtterminal in Altona vorbei Richtung Nordsee. Dreimal grüßt die "MSC Magnifica" zurück. Menschen winken, über den Schornsteinen beider Kreuzfahrtschiffe steigt Rauch auf. Welche Wolke ist dunkler? Schwer zu sagen.
"Ich sage Ihnen, unsere ist weiß", sagt selbstbewusst Richard Vogel, Chef von TUI Cruises. "Aus unserem Schornstein kommt nur noch weißer Dampf." Immerhin habe das dritte Schiff seiner Flotte alles an Bord, was es zurzeit an innovativer Umwelttechnologie zu kaufen gibt. Und was er für sinnvoll hält. Jetzt - gut ein Jahr nach der Kiellegung in der STX-Werft im finnischen Turku - ist der Neuzugang fast bereit für seinen Dienstantritt: Die "Mein Schiff 3" ist zur ersten Probefahrt mit Gästen an Bord gestartet, das Ziel ist Kiel. Am 12. Juni wird sie von Schlagersängerin Helene Fischer in der Hamburger HafenCity getauft.
Vier Wünsche hatte der 58-jährige Vogel für den ersten TUI-Cruises-Neubau, sagt er: Er wollte etwas Einzigartiges - daraus wurde das erste Museum an Bord eines Kreuzfahrtschiffs. Eine zweite Bühne - und der erste Konzertsaal auf See entstand. Einen Pool zum Schwimmen - und ein erstes 25-Meter-Außenbecken für ein Schiff wurde konzipiert.
Und dann war da eben noch die Umweltsache. "Dadurch geben wir den Gästen ein gutes Gefühl", sagt Vogel. "Die 'Mein Schiff 3' verbraucht 30 Prozent weniger Energie pro Person als 'Mein Schiff 1'."
Hightech-Illusion eines Konzertsaals
Ein Schiff voller Neuheiten - und im Gegensatz zur den amerikanischen Verwandten sind darunter keine Kletterwände oder Surf-Anlagen. Die Zielgruppe sind Kreuzfahrer, die neben Musicals auch Kammerkonzerte, lange Saunanächte und Kaffee aus Biobohnen zu schätzen wissen. Für sie ist das 295-Meter-Schiff mit nordischer Klarheit gestaltet, viel Blau, Creme und Silber zieht sich durch das Design der 1253 Kabinen, zwölf Bars und elf Restaurants.
Und die "Mein Schiff 3" bietet Platz. Mit ihren 99.300 BRT und Kabinen für 2500 Passagiere ist sie mehr als ein Drittel größer als die jüngsten Schiffe der Konkurrenz Aida Cruises und nimmt 200 Gäste weniger mit. Vor allem den Restaurant- und Entertainment-Decks 4 und 5 verhilft dies zu angenehm hohen Decken. Auch Raum für das "Meerleben" auf Deck 4 bleibt, das 300 Quadratmeter große Museum, das in Kooperation mit dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg und mit Meeresforschungsinstituten entstand.
"Man ist nirgendwo so weit weg vom Wasser wie auf einem Schiff", sagt Richard Vogel. Man sehe das Wasser, könne aber nicht eintauchen. Gleichzeitig interessierten sich die Gäste, was 3000 Meter unter ihnen passiert. Zur Ausstellung gehört ein Windkanalmodell der "Mein Schiff 3" (Art: Kreuzfahrtschiff, Tiefgang: 8,05 Meter, Antrieb: dieselelektronisch) und ein Blauwal-Modell (Art: Säugetier, Tiefgang: 300 Meter, Antrieb: biologisch). Sie gibt einen ersten, stichprobenartigen Einblick in Fauna und Flora der Meere, Schifffahrtshistorie und Forschungsprojekte. Ein riesiger, etwas mühsam zu bewegender Globus dient als Mauszeiger für einen Wandscreen mit kurzen Infos über die Meere der Welt.
Viel Hightech steckt auch in dem "Klanghaus", dem Konzertsaal mit bis zu 300 Plätzen auf Deck 4. "Mit dem Soundsystem der holländischen Firma ACS können wir eine gute Saalakustik illusionieren", sagt Thomas Schmidt-Ott, Cellist und Director Entertainment bei TUI Cruises. Zwölf Mikrofone in der Decke und rund hundert Lautsprecher im Raum würden sogar aus einer dumpfen Wohnzimmer-Atmo einen Klang mit Nachhall machen. Viele große Konzertsäle würden die Technik einsetzen, sagt Schmidt-Ott: "Meist sagen sie es aber nicht."
Schwefelwaschanlage über 14 Decks
Zehn Decks weiter oben, im Anlagenraum auf Deck 14, beschäftigt sich Milos Grgic mit Hightech anderen Ausmaßes. "Es ist echt fett", sagt der 27-jährige Umweltoffizier über das erste kombinierte Entschwefelungs-Stickoxidkatalysator-System an Bord eines Schiffes: Der gesamte Neubau musste um den Prototypen der Firma Wärtsila, der sich über alle Decks erstreckt, herumgeplant werden.
Seine Aufgabe: 99 Prozent der Schwefeloxide, 60 Prozent der Rußpartikel und 75 Prozent der Stickoxide aus den Schwerölabgasen herauszuwaschen und -zufiltern - also den Rauch weniger umweltschädlich zu machen. Übrig bleibt ein Schlamm, der an Land entsorgt wird, am nächsten Tag wird dies erstmals in Kiel passieren.
Mit dem Kombi-System "erfüllen wir internationale Auflagen, die für Neubauten erst für 2016 in Kraft treten", sagt Richard Vogel. Und der Betrieb sei - obwohl das dreckigere Schweröl eingesetzt wird - sauberer als mit Marinediesel. "'Mein Schiff 3' ist jetzt das umweltfreundlichste Kreuzfahrtschiff", sagt auch Dietmar Oeliger vom Naturschutzbund (Nabu) - doch dem Umweltschützer genügt auch die neuartige Abgasreinigung nicht. Mithilfe des Gaswäschers würden die kleineren und stark gesundheits- und klimaschädlichen Rußpartikel nicht entfernt.
Der Nabu fordert extra Rußpartikelfilter und letztlich den völligen Verzicht auf das giftige Schweröl. "Wir sehen unsere Lösung als Brückentechnologie an", sagt auch TUI-Cruises-Chef Vogel, doch bis etwa das Flüssiggas LNG in der Kreuzfahrt eingesetzt werden kann, werde es noch Jahre dauern.
Einen Trost hat Oeliger aber für den Reedereichef: "An der Farbe des Rauchs kann man nicht unbedingt gleich erkennen, wie dreckig die Abgase sind", sagt er. Am Ende der Kreuzfahrt im Hafen von Kiel puffen tatsächlich nur noch weiße Wölkchen aus dem Schornstein.
Information zu "Mein Schiff 3"
Taufe: Am 12. Juni ab 16.30 Uhr wird Helene Fischer "Mein Schiff 3" in Hamburg am Cruise Center in der HafenCity (Großer Grasbrook) taufen. Fans können die Zeremonie auf den Terrassen am Unileverhaus (Strandkai 1) verfolgen. Ab 19 Uhr wird bei einem Live-Konzert auf dem St. Pauli Fischmarkt weitergefeiert. Um 21 Uhr legt der Täufling ab. Gegen 22.30 Uhr gibt es ein Feuerwerk auf der "Mein Schiff 3" vor dem Fischmarkt.
Routen: Die Jungfernfahrt führt die "Mein Schiff 3" rund um Westeuropa ins Mittelmeer. Dort stehen Turns ab Malta ins westliche Mittelmeer und entlang der Adria auf dem Programm. Den Winter verbringt das Schiff auf den Kanaren. Eine Ein-Wochen-Tour im Mittelmeer kostet zum Beispiel in einer Balkonkabine bei Doppelbelegung circa 1800 Euro pro Person inklusive Flug.