Microhotels: Trend zu kleinen Hotelzimmern - DER SPIEGEL
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Mikrohotels: Nicht billiger, dafür aber kleiner

Foto: Yotel/ srt

Trend zum Mikrohotel Wenig Platz, viele Ideen

100 Euro für ein Zimmer, das gerade so breit ist wie das Bett darin? Warum nicht - wenn der Komfort stimmt. Mikrohotels haben sich zu einem weltweiten Trend entwickelt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In Europas Metropolen werden seit zwei Dekaden die Hotelzimmer immer kleiner. Furore machten in den Nullerjahren die Billighotels, die sich viel aus Japan abgeguckt hatten. Zum Beispiel die Easyhotels des britischen Easyjet-Unternehmers Stelios Haji-Ioannus, die für rigorose Systemgastronomie bekannt sind und normierte Zellen, die nicht mehr als 7,5 Quadratmeter messen.

Längst hat sich das Konzept Minizimmer weiterentwickelt. Es wird nun in der coolen Designversion überall da angeboten, wo die Immobilienpreise in den Himmel schießen. Die Rechnung ist ganz einfach: Viele kleine Zimmer in einem Gebäude in Amsterdams oder New Yorks Innenstadt zu saisongerechten Preisen bringen mehr als größere Gemächer zu sehr hohen Raten.

Herausgekommen ist dabei die Idee des Mikrohotels, das wie alles zurzeit nur auf eine Zielgruppe schielt: die Millennials, auch Generation Y genannt, deren älteste Vertreter inzwischen auch schon die 35 überschritten haben. "Diese Generation wird sehr bald das Ruder übernehmen", so Tina Edmundson, verantwortlich für Marriotts Lifestyle-Hotelmarken, in einem Interview mit der "New York Times". "Die Zeiten, als nur privilegierte Hotelgäste Zugang zu großartigem Design hatten, sind vorbei."

Millennials wollen also offensichtlich nicht in plüschigen Hotels mit Pagen absteigen. Sie sind vernetzt und gesellig. Viel Zeit im Gästezimmer verbringen sie eh nicht. Stattdessen suchen sie nach dem authentischen Flair der Umgebung, wollen eintauchen in das Leben ihres Reiseziels. Viele von ihnen haben kein Problem, über die Plattformen Uber Fahrdienste und bei Airbnb Apartments von privat zu mieten.

100 Euro für ein Kabuff

Gegen den Charme privater Wohnungen von ortskundigen Vermietern stemmt sich das Hotelgewerbe mit durchdesignten Mikrohotels. Zwar sind die Zimmer aus Renditegründen geschrumpft. Bei Marriott ist ein Standardzimmer um die 28 Quadratmeter groß, die Mikrohotel-Marke Moxy  kommt jedoch mit 17 Quadratmetern aus. Es geht auch noch kleiner: Die New Yorker Pod-Hotels  packen bei einem Einzelzimmer alles auf sechs Quadratmeter, andere Ketten bringen auf sieben Quadratmeter zwei Personen unter.

Doch diese Minizimmer dürfen auf keinen Fall billig aussehen und müssen Extras bieten. Wer mehr als 100 Euro pro Person für ein Kabuff ausgibt, will nicht den Charme einer Jugendherberge, sondern eine Hightech-Kabine. Gratis-WLAN gehört bei allen zum Standard, kostenlose Minibar oder Snacks sowie Filme bieten vor allem die teureren Mikrohotels an. Integrierte Flachbildschirme, iPod-Docks sowie alle gängigen Anschlüsse für Computer sind selbstverständlich. Einen Safe für Laptops gibt es außerdem bei Yotels .

Das New Yorker Haus dieser britischen Kette dreht außerdem die Tatsache, dass in den Zimmern kaum ein Koffer Platz hat, zu ihrem Vorteil und fasziniert die Gäste mit einem Roboterarm, der ihnen das Gepäck in den bis zur Decke reichenden Schließfächern verstaut. Wer dagegen in einem Moxy-Zimmer eincheckt, muss nachts nicht nach dem Licht im Bad suchen - dank Bewegungsmelder geht es automatisch an, wenn er aus dem Bett steigt. Und in den Zimmern der niederländischen CitizenM-Gruppe wird die gesamte Technik von einem Tablet aus kontrolliert - Licht, TV, Musik sowie Vorhänge und Klimaanlage.

Ein Zimmer, so breit wie das Bett

Je kleiner ein Raum ist, desto durchdachter muss die Einrichtung sein. Doppelbetten in Mikrohotels lassen sich deswegen oft elektrisch zu Sofas umbauen, die Tische sind ausklappbar, und die Duschkabinen sehen aus wie schicke Plexiglasschränke im Raum. Komfort spielt eine große Rolle. Die populären Regenduschen und Betten mit komfortablen Matratzen und edler Bettwäsche fehlen in keinem Mikrohotel. Die niederländischen CitizenM-Hotels  machen aus ihren winzigen Zimmern sogar eine Tugend, indem sie mit zwei Meter breiten Betten werben, die von Wand zu Wand reichen. Von der Tür direkt ins Bett fallen - wer hätte je gedacht, dass sich das cool verkaufen ließe?

Während die Gästezimmer der Mikrohotels also immer mehr zu stylischen Hightech-Kabinen mutieren, fließen die öffentlichen Räume, also Lobby, Rezeption und Café, Bar beziehungsweise Restaurant, ineinander. Grenzen gibt es nicht mehr, genauso wenig wie das gute alte Check-in mit richtigem (teurem) Personal. Insider sprechen nicht mehr von Lobby oder Restaurant, sondern Neudeutsch vom "Living Room", wo die Gäste - die so begehrten Millennials - an großen Tischen snacken, in Sofazonen kommunizieren und Mails checken und in anderen Bereichen automatisch einchecken oder spielen.

Wie sehr nicht nur junge Ketten wie Yotel, CitizenM oder Pod mit dem Trend Mikrohotel den Ton angeben, ist an den Hotelriesen abzulesen. Marriott sprang auf den Zug auf, als es bereits Ende 2014 sein erstes Moxy Hotel in Mailand einweihte. Geplant ist, innerhalb der nächsten zehn Jahre die Welt mit 150 Häusern zu überziehen. 2016 zieht Hilton in Nordamerika mit der neuen Mikrohotel-Marke Tru  nach. Auch hier werden ehrgeizige Ziele verfolgt, die Rede ist von 189 Tru-Häusern, die in naher Zukunft eröffnen sollen. Mikrohotels werden also bald kein Trend mehr sein, sondern Mainstream.

Tinga Horny, srt/sto

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