Neujahrsfest: Chinesen feiern den Hasen - DER SPIEGEL
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Neujahrsfest Chinesen feiern den Hasen

Die chinesische Welt feiert das Neujahrsfest - und hofft auf bessere Zeiten, denn die vergangenen Monate waren reich an Katastrophen. Für die Gäste eines 219 Meter hohen Fünf-Sterne-Hotels erfüllte sich dieser Wunsch nicht: Die Party endete mit einem Großbrand.
Neujahrsfest: Chinesen feiern den Hasen
Neujahrsfest: Chinesen feiern den Hasen

Neujahrsfest: Chinesen feiern den Hasen

Foto: Feng Li/ Getty Images
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Shanghai - Für die Gäste eines Fünf-Sterne-Hotels in der Stadt Shenyang in Nordostchina begann das Jahr des Hasen mit einem Unglück. In der Nacht zum Donnerstag lösten Feuerwerkskörper bei den Feierlichkeiten einen Brand aus. Nach ersten Berichten in den Staatsmedien wurden die rund 50 Hotelgäste in Sicherheit gebracht. Das 219 Meter hohe Dynasty Wanxin Hotel sei ausgebrannt. Opfer seien nicht gefunden worden.

Es war bereits das zweite Mal in zwei Jahren, dass ein großes Hotel in China wegen eines Neujahrsfeuerwerks abbrannte. 2009 zerstörte ein Feuer einen Hotel- und Kulturkomplex, der zu dem neuen Sendezentrum des Staatsfernsehens in Peking gehört.

Hase steht für Freude und Glück

Das Jahr des Hasen beginnt nach dem chinesischen Kalender am 3. Februar 2011 und endet am 22. Januar des kommenden Jahres. Der Hase steht laut chinesischer Astrologie dem Mond nahe und symbolisiert Freude und Glück.

Mit zahlreichen Feuerwerken, Festen und Gebeten haben die Asiaten am Donnerstag den Beginn des neuen Jahres eingeläutet. Vor allem in Peking, Shanghai und anderen chinesischen Städten begrüßten Millionen Menschen um Mitternacht das neue Jahr, aber auch von Sydney über Singapur bis Pjöngjang wurde das chinesische Neujahr mit Feierlichkeiten begangen.

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China: Jahr des Hasen beginnt

Foto: Feng Li/ Getty Images

Nachdem das vorangegangene Jahr des Tigers in China zahlreiche Naturkatastrophen mit sich gebracht hatte, hoffen die Menschen, dass der als sensibel geltende Hase ein ruhiges Jahr einleiten wird. Angesichts der Sorgen der Menschen über steigende Lebensmittel- und Wohnkosten sagte Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao in seiner Neujahrsansprache, die chinesische Führung wolle die Inflation unter Kontrolle halten und Immobilienspekulation dämpfen.

Mit Nackt-Protest zum Internet-Star

Zu nationaler Berühmtheit gelangte im Vorfeld der Feierlichkeiten der Wanderarbeiter Chen Weiwei - weil er auf der Reise zu seiner Familie ausrastete. 14 Stunden lang hatte er auf dem Bahnhof von Jinhua in der Kälte nach Fahrkarten für sich und seine schwangere Frau zum Neujahrsfest nach Hause angestanden. Da drängelten sich Schwarzhändler vor, um Tickets aufzukaufen und teuer weiterzuverscherbeln. Chen bekam einen Wutanfall, riss sich die Kleider vom Leib und stürmte in Unterhose und Socken brüllend in den Schalterraum. Fotos von seinem Auftritt wurden zu Chinas neuer Sensation im Internet.

Denn Millionen Landsleute können seinen Frust nachfühlen. China hat mit 91.000 Kilometern das längste Streckennetz der Welt und mit die schnellsten Züge. Die Hochgeschwindigkeitstechnik ist dem Land genauso wichtig wie die Raumfahrt. Doch das alljährliche Hauen und Stechen um Zugtickets zum höchsten Feiertag zeigt, wie krass der Unterschied zwischen der Vorzeigetechnik und dem oft miserablen Angebot für die Normalbürger ist.

Zu Neujahr machen sich etwa 230 Millionen Menschen auf zum Familientreffen, zur wahrscheinlich größten jährlichen Völkerwanderung der Welt. Yin Jie, ein 36-jähriger Elektronikverkäufer, stand mit Tausenden Leidensgenossen in der frostigen Nacht in Shanghai für ein Ticket nach Hause in Zhenjiang an. "Es ist kalt, aber ich bin das schon gewöhnt; ich hänge schon das sechste Jahr am Bahnhof fest", sagt er. "Mein Chef wollte mir erst kurz vor dem Feiertag freigeben." Die Glücklichen, die eine Fahrkarte ergatterten, sind schon lange weg. Unzählige andere versuchen es unverdrossen, obwohl für fast alle Ziele schon das "Ausverkauft"-Zeichen blinkt.

Teure Reise für Wanderarbeiter

Die Bahn untersteht einem eigenen Ministerium und beschäftigt ein Heer von fast 3,2 Millionen Menschen, mehr als die Streitkräfte mit 2,3 Millionen Soldaten. Neue Trassen durchziehen das Land, moderne Hochgeschwindigkeitszüge verkürzen die Reisezeit zwischen Dutzenden Städten beträchtlich - wenn man es sich leisten kann.

Doch diese Prestigeprojekte nutzen der werktätigen Masse wenig, schon gar nicht den Wanderarbeitern, die sich die einzige Heimfahrt im Jahr vom Mund absparen. Wie üblich nehmen die meisten, die dieses Jahr zum Feiertag reisen, den normalen Zug. Wer keine Fahrkarte mehr erwischt, weicht eher auf den Fernbus aus als auf das Flugzeug oder den häufig genau so teuren Hochgeschwindigkeitszug. Und wer es in die Bahn schafft, muss sich durchs Gedränge kämpfen.

"Die alljährlichen Probleme mit der Bahn an den Feiertagen liegen an der mangelnden Kapazität aufgrund übertriebener Investitionen in die falschen Bahnen", sagt Zhao Jian, Professor an der Pekinger Jiaotong-Universität. "Die Lösung wäre, mehr normale Bahnen zu bauen. Aber China geht in die falsche Richtung. Das ist ein großes Problem."

sto/AFP/dpa/Elaine Kurtenbach, dapd