Nordirland - Bushmills bekämpft Rezession mit Kunstprojekt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Kunst gegen Rezession: Gemaltes Essen, gemaltes Leben

Foto: © Cathal McNaughton / Reuters/ Reuters

Kunstaktion in Nordirland Ich mal mir die Welt, wie sie mir gefällt

Das Leben im nordirischen Bushmills ist eher trist - die Arbeitslosigkeit ist hoch, Touristen bleiben aus. Doch die Bewohner wollen das nicht einfach hinnehmen und malen sich Leben in ihr Städtchen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach' Limonade daraus", lautet ein bekanntes Sprichwort. Die Bewohner der nordirischen Stadt Bushmills haben diesen Rat offenbar ernst genommen. Das Leben hat ihnen Arbeitslosigkeit und Rezession gegeben, und sie haben Kunst daraus gemacht.

Durch die Wirtschaftskrise kamen immer weniger Touristen in die Stadt, viele Geschäfte mussten schließen. Was also tun? Auswandern, wie viele andere - oder eine Lösung finden. Da kam den Bewohnern der Gedanke, aus der Stadt ein Kunstprojekt zu machen, um Menschen anzulocken. Die Tristesse musste weichen.

Die Idee ist nicht ganz neu: 2013 fand in der Grafschaft Fermanagh ein G8-Gipfel statt. Damit sich die hohen Gäste keine Sorgen um die Wirtschaftskrise machen, ließ David Cameron damals viele Schaufenster mit bunten Bildern bekleben. Rund zwei Millionen Pfund steckte die Regierung damals in das Projekt. Die Idee zu dem "Brighter Bushmills Project" kam aber von den Einheimischen selbst. Sie sammelten dafür 30.000 Pfund und engagierten richtige Künstler.

Aus einem Haus spaziert ein Hahn, der niemals kräht

Diese haben in die verlassenen Schaufenster der Stadt Bilder von vollen Lebensmittelgeschäften gemalt. Aus zuvor leeren Fenstern winken jetzt lachende Menschen. In imaginären Friseursalons sitzen Frauen und lassen sich die Haare föhnen, aus einem Haus spaziert ein Hahn, der niemals kräht. An einer Häuserwand grast ein Schaf auf einer frischen grünen Wiese. Au revoir Tristesse, und guten Tag quirliges, fröhliches Treiben!

Der Fotograf der Fotostrecke, Cathal McNaughton , kommt auch aus der Region. Er fotografiere gerne in seiner Heimat, sagt er der Agentur Reuters, für die er auch arbeitet: "Einige meiner Lieblingsbilder sind nicht weit entfernt von meinem Haus entstanden. Schöne Bilder sind jeden Tag um uns herum und warten nur darauf, abgelichtet zu werden. Wir müssen nur die Augen aufmachen - und bereit sein, sie zu sehen."

Die Kunst-Fenster von Bushmills wollen auf jeden Fall viele Menschen sehen. "Es kommen viele Touristen, die sich die Schaufenster ansehen wollen, die Stadt ist dieses Jahr wieder sehr beliebt", sagt Aidan McPeake, der Leiter für Umweltangelegenheiten der Stadt, zu Reuters. Zwei der Geschäfte seien nicht mehr bemalt - sondern wieder mit echten Lebensmitteln befüllt. Vielleicht sogar mit Zitronen.

jkö