Österreich Hoch lebe Mozart
Salzburg/Wien - Schon bisher hatten es Salzburg- und Wien-Besucher schwer, der Erinnerung an Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Weg zu gehen. Im Jahr 2006 aber wird das nahezu unmöglich sein. Österreich feiert den 250. Geburtstag des genialen Komponisten mit einem noch nie erlebten Feuerwerk an Konzerten, Ausstellungen und Festen. Das ganze Jahr scheint "Rock me Amadeus" das vorherrschende Motto in beiden Großstädten zu sein - und auch in anderen Orten des Alpenlandes dreht sich vieles um den Schöpfer der "Zauberflöte". Österreich erhofft sich von dem Jubiläum einen Urlauberansturm.
250 Jahre Mozart: Österreich feiert seinen Superstar
Das Festjahr kann gleich mit einem Paukenschlag beginnt. Schließlich kam Wolfgang Amadeus am 27. Januar 1756 zur Welt - seine Fans müssen also nicht lange auf den Geburtstag warten. Am Jahrestag wird unter anderen in Salzburg die Ausstellung "Viva! Mozart!" eröffnet. Gezeigt wird unter anderem das Original von Mozarts erster Komposition, eines Menuetts, das er mit fünf Jahren zu Papier brachte. "Das ist die Materialisation des unglaublichen Geistes Mozarts", schwärmt Erich Marx, Direktor des Museums Carolino Augusteum, in dessen neuen Räumen die Schau mit Leihgaben aus aller Welt bis in den Januar 2007 zu sehen sein wird.
Wer Mozart weniger visuell, sondern vor allem akustisch erleben will, kann in Salzburg einen wahren Konzert-Marathon absolvieren. Die Salzburger Festspiele werden vom 24. Juli bis 31. August alle 22 Opern und sonstigen Bühnenwerke Mozarts zur Aufführung bringen - nach Angaben von Tourismus Salzburg ein "weltweit einzigartiges Projekt". Von Februar bis November gibt es außerdem 30 Mozart-Sonderkonzerte in der Stadt. Freien Eintritt haben die Besucher der Salzburger Kirchen, in denen 2006 das komplette kirchenmusikalische Werk des Komponisten erklingt - zum Teil an der Stätte seiner jeweiligen Uraufführung.
Ereignis statt Event
Zu dem Programm mit mehr als 1000 Veranstaltungen trägt auch Wien einen großen Teil bei, wo Mozart die letzten zehn Jahre seines Lebens verbrachte und 1791 im Alter von nur 35 Jahren starb. Österreichs Hauptstadt will - ebenso wie Salzburg - "kein kitschig-nostalgisches, unreflektiertes Gedenkjahr" auflegen, lautet die Philosophie von Peter Marboe, dem Intendanten des Wiener Mozartjahres . Es gehe darum, ein Musik- und Kulturjahr zu inszenieren, das "ein Ereignis statt ein Event" ist: "Wir wollen die Spreu des Flüchtigen vom Weizen des Bleibenden trennen", kündigte Marboe bei der Programmvorstellung an.
Zwei Gebäude stehen in Wien im Mittelpunkt des Mozart-Festjahres. Das "Theater an der Wien", lange für Musicals wie "Cats" genutzt, steht nun wieder für Opern zur Verfügung und wird 2006 laut Marboe die "zentrale Spielstätte" der Stadt mit gut 80 Vorstellungen sein. Neues gibt es auch im "Mozarthaus Vienna" an der Domgasse 5, das am 27. Januar nach einer Renovierung wieder zugänglich sein wird. Hier hat Mozart lange Zeit gelebt und auch den "Figaro" komponiert.
Doch nicht nur den Museumstouristen will Wien eine Menge bieten. Ein Ziel des Festjahres ist es auch, Hemmschwellen zu senken und junge Leute für Mozart zu interessieren. Dazu werde es unter anderem 350 Straßenmusik-Konzerte überall in Wien geben, freut sich Marboe, der insgesamt 30 Millionen Euro für das Jubiläum ausgeben darf.
"Rock me Amadeus" heißt es aber nicht nur in den beiden Städten, in denen das Leben Mozarts begann und endete. Feldkirch in Vorarlberg etwa will mit dem Festival "Amadeus!" vom 18. bis 28. Mai versuchen, der Vielfalt seines Wesens und Werkes "durch ganz unterschiedliche Annäherungen an das noch immer unverstandene Phänomen Mozart gerecht zu werden"
Mozartkonzert in 2006 Meter Höhe
Das Stift Melk in Niederösterreich richtet vom 1. Mai bis 5. November einen "Mozart-Weg" ein, an dessen Stationen Musik des Meisters erklingt. In Baden bei Wien sind Stadtspaziergänge auf den Spuren des Komponisten möglich. Und auch der kleine Ort Mallnitz in Kärnten hat seine eigene "Mozartwoche": Vom 5. bis 12. August 2006 findet dort neben Lesungen und Kirchenmusik-Abenden auch ein Mozartkonzert in den Bergen des Nationalparks Hohe Tauern statt, passenderweise in genau 2006 Metern über dem Meer.
Deutsche Reiseanbieter versuchen ebenfalls, aus dem Jubeljahr Kapital zu schlagen. So verkauft Studiosus in seinem neuen Programm "kultimer" gleich im Januar dreitägige Salzburg-Arrangements aus zwei Übernachtungen mit Frühstück und Konzertkarten - zum Preis ab 585 Euro bei eigener Anreise. Viking Flusskreuzfahrten hat einer von April bis November angebotenen Donau-Reise den Titel "Mozart-Melodie" gegeben: In acht Tagen geht es dabei von Passau nach Budapest und zurück. Programm in Wien und Salzburg ist im Preis ab 830 Euro inbegriffen. Das sind nur zwei Beispiele, die Liste ließe sich noch fortsetzen.
Bei so viel Rummel um den "Popstar des Barock" drängt sich die Frage "Alles Mozart, oder was?" zwangsläufig auf. Es könne schwierig sein, "den Spannungsbogen das ganze Jahr hindurch zu halten", räumt Museumsdirektor Marx ein. Auch die Tourismusindustrie wird bemüht sein, die Aufmerksamkeit der Gäste nicht nur auf "Wolferl" zu lenken: "Wir werden Gegenpole setzen, etwa durch Aktionen für Familien mit Kindern", sagt Leonie Stolz von der Österreich Werbung in Hamburg.
Von Christian Röwekamp, gms