Ostseecard: Eine für alle - DER SPIEGEL
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Ostseecard Eine für alle

Die Kleinstaaterei mit der Kurtaxe hat ein Ende. In dieser Saison gibt es in Schleswig-Holstein die "Ostseecard". Nun kann man mit einer Karte an 18 Strände.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Wo die Nord- oder Ostseewellen an den Strand spülen, darf man sich nur mit seinem "Ausweis" blicken lassen. Ohne Kurkarte kommen Besucher manchmal gar nicht über den Deich, andernorts steht mindestens einmal am Tag ein Kontrolleur am Strandkorb und fragt nach dem Papier. Wer dann die falsche Karte zückt, nämlich die aus dem Nachbarort, wird einen Tag lang geduldet, sonst muss er noch einmal ins Portemonnaie greifen. Doch damit ist nun Schluss, zumindest an der Ostsee in Schleswig-Holstein, wo die erste Sommersaison für die Ostseecard gerade begonnen hat.

Mit der neuen Karte haben 18 Ostseebäder die Kleinstaaterei an den Uferpromenaden teilweise aufgehoben. Jeder Ort kassiert zwar weiter seine Kurtaxe, "aber man kann jeden Tag im ganzen Geltungsbereich der Karte an den Strand", sagt Katja Oldenburg, Geschäftsführerin des Ostseebäderverbandes Schleswig-Holstein in Timmendorfer Strand. Bei den Preisen für die Kurtaxe unterscheiden sich die Orte allerdings erheblich. Eutin etwa gibt sich mit 1,30 Euro pro Erwachsenem und Tag zufrieden, Kellenhusen verkauft die Ostseecard mit 2,70 Euro für mehr als das Doppelte. Es wird also möglich, dort ein Quartier zu beziehen, wo Unterkünfte und Kurtaxe eher preiswert sind, und zugleich jeden Tag am teuersten Ort im Meer baden zu gehen.

Die Ostseecard ist für die Gäste ebenso obligatorisch wie es die bisherigen Kurkarten waren. Die Kurtaxe muss also nach wie vor in die Berechnung der Nebenkosten am Urlaubsort einfließen - und sie kann das Budget einer Familie ganz schön belasten. Auf der Nordseeinsel Langeoog zum Beispiel müssen Eltern mit zwei schulpflichtigen Kindern für 14 Tage Ferien 106,40 Euro bezahlen, in Wyk auf Föhr 70 Euro und in Kühlungsborn an der mecklenburgischen Ostseeküste 56 Euro.

Ein positives Marketing-Instrument sei die Kurtaxe damit nicht, sagt Walter Krombach, Geschäftsführer des Reiseveranstalters Ameropa in Frankfurt/Main und Leiter des Ausschusses Deutschland-Tourismus im Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband. Andererseits fließen die Gelder direkt in die Kureinrichtungen wie die Kurparks, die Strandreinigung und den Betrieb der lokalen Tourist-Information. Eine Alternative dazu wäre nur, «sich als Kurort das Geld für diese Ausgaben bei den örtlichen Unternehmen zu holen, und die würden dann sicher die Preise erhöhen», sagt Claudia Gilles, Geschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) in Bonn.

Auch Anbieter von Pauschalreisen zu Zielen an den deutschen Küsten weisen die Kurtaxe nur in den Katalogen aus, nehmen sie aber nicht mit in ihre Preiskalkulation. "Das Interesse der Veranstalter, auch in Deutschland mehr All-Inclusive-Angebote zu machen, ist zwar groß", sagt Claudia Gilles. Doch die Strukturen mit wenigen großen Hotels und vielen kleinen Unterkünften erlaubten das zum Teil gar nicht.

Auch die Ostseecard soll dabei helfen, die Nebenkosten besser kalkulieren zu können. Neben dem Basis-Kurbeitrag lässt sich auf ihrem Speicherchip auch ein Zusatzpaket mit Leistungen wie Ausflügen und Eintrittsgebühren einbuchen. Zur Auswahl stehen in der Hochsaison zwei Angebote - das Familienpaket ermöglicht 37 Freizeitaktivitäten. Für drei Tage zahlen Erwachsene dafür 39 Euro und Kinder bis 14 Jahren 24 Euro.

Ob die Ostseecard erfolgreich ist, wird in diesem Sommer genau beobachtet. "Wenn das bei uns funktioniert, wird es schnell Nachahmer geben in anderen Teilen Deutschlands", ist sich Oldenburg sicher. An der Westküste Schleswig-Holsteins laufen bereits Planungen für eine «Nordseecard», die aber wohl nicht vor 2006 eingeführt werden dürfte.

Von Christian Röwekamp, gms