Ozeanriese "Norwegian Gem" hat Ems durchfahren
Papenburg - Die erste Reise der "Norwegian Gem" war nicht ohne Hindernisse. Das 294 Meter lange und 32 Meter breite Schiff hatte am Samstagabend die Mayer-Werft in Papenburg verlassen und war in die schmale Ems eingelaufen - mit dem Heck voran, weil es sich auf diese Weise besser manövrieren ließ. Für das nötige Wasser unter dem Kiel wurde der etwa 30 Kilometer lange Ems-Abschnitt zwischen Papenburg und dem Sperrwerk in Gandersum eigens aufgestaut.
Doch auf der rund 70 Kilometer langen Strecke wurden alle schwierigen Stellen wie die Jann-Berghaus-Brücke in Leer oder das Ems-Sperrwerk bei Gandersum ohne Komplikationen durchquert. Tausende Schaulustige verfolgten die Überführung des gewaltigen, 93 500 BRZ (Bruttoraumzahl) großen Schiffs, das von zwei Schleppern unterstützt wurde. Nach 14 Stunden - zwei Stunden weniger als geplant - legte die "Norwegan Gem" am Sonntagvormittag im niederländischen Eemshaven an.
Die Umweltorganisation WWF protestierte gegen die Überführung. Viermal sei die Ems seit 1984 vertieft worden, um immer größeren Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen. Früher habe die Unterems als eine der ökologisch wertvollsten Flussmündungen gegolten. Heute gebe es dort jedes Jahr ausgedehnte Todeszonen, so der WWF. Die Organisation ist gegen die Forderung der Meyer-Werft nach einer weiteren Vertiefung und der Möglichkeit, den Fluss auch während der Sommermonate aufzustauen.
Die Meyer-Werft hat die "Norwegian Gem" im Auftrag der US-Reederei "Norwegian Cruise Line" (NCL) in einer Zeit von 15 Monaten gebaut. Kostenpunkt: Rund 400 Millionen Euro. Nach Restarbeiten und Testfahrten in der Nordsee soll der Koloss Anfang Oktober an die Reederei übergeben werden. In den 1188 Kabinen finden künftig rund 2400 Passagiere Platz. Sie werden von etwa 1100 Besatzungsmitgliedern betreut. Der Luxusliner soll nach Angaben der Reederei auch für Kreuzfahrten in Europa eingesetzt werden.
mbe/ddp/dpa/AP