Preiserhöhung: Bahn erntet viel Kritik - DER SPIEGEL
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Preiserhöhung Bahn erntet viel Kritik

Verbände und Politiker haben die geplante Preiserhöhung bei der Deutschen Bahn AG scharf kritisiert. Um 3,5 Prozent will die Bahn angeblich ihre Preise im Fernverkehr ab Mitte Dezember anheben. Als Grund werden die hohen Energiekosten genannt.
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Berlin - Bekannt geworden waren die Pläne der Bahn durch den verkehrspolitischen Sprecher der Grünen, Albert Schmidt. Er hatte in der ARD über eine "doppelte Preiserhöhung im Fernverkehr" gesprochen. So will die Bahn laut Schmidt ab 15. Dezember die Ticketpreise um 3,5 Prozent anheben und gleichzeitig einige IC- und EC-Verbindungen streichen. Damit sollten die Kunden zur Nutzung des teureren ICE veranlasst werden. Schmidt bezeichnete die Pläne, die "zuverlässig aus dem Bahn-Vorstand" zu hören seien, als "verkehrspolitisch falsches Signal".

Derart in die Enge getrieben erklärte die Bahn, man erwäge wegen steigender Energiepreise "Preisanpassungen im Personenverkehr". Eine abschließende Entscheidung gebe es aber noch nicht. Erst zum 1. April hatte die Bahn die Preise für ICE und Intercity im Schnitt um 3,4 Prozent angehoben - allerdings ohne großen wirtschaftlichen Erfolg. Trotz der Rückkehr der Bahncard mit dem alten 50-Prozent-Rabatt liefen im ersten Halbjahr 214 Millionen Euro Betriebsverlust auf.

Am 16. August hatte Vorstandschef Hartmut Mehdorn bei der Bekanntgabe der Halbjahresergebnisse erklärt, die überproportionale Entwicklung der Energiepreise mache "neues Nachdenken notwendig". Nun hieß es, die gestiegenen Energiekosten könnten nicht mit konventionellen Sparmaßnahmen ausgeglichen werden.

Im immer härteren Wettstreit mit den Billigfliegern Tickets zu verteuern, sei der falsche Weg, sagte Heidi Tischmann, Bahnexpertin des Verkehrsclubs Deutschland: "Wenn man im Fernverkehr erfolgreich sein will, darf man nicht die Fahrpreise erhöhen." In Bezug auf das Verbindungsangebot warnte die Gewerkschaft Transnet davor, den gleichen Fehler wie einst beim Ausrangieren der Interregio-Züge zu machen. Dies sei von den Fahrgästen nicht honoriert worden.

"Wir wollen versuchen, unsere Kunden so wenig wie möglich zu belasten und in jedem Fall auch neue Sonderangebote machen", erklärte DB-Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch. Grünen-Politiker Schmidt sagte, anstatt mehr Fahrgäste zu werben, versuche die Bahn von den weniger gewordenen Kunden nun umso mehr zu kassieren. Es entstehe der Eindruck, dass der Börsengang der Bahn erkauft werden müsse mit höheren Fahrpreisen, weniger Zuganbindungen und Stellenabbau.

Auch die SPD kritisierte die Pläne als eindeutig falsche Weichenstellung. Auf diese Weise werde es nicht gelingen, mehr Kunden für die Schiene zu gewinnen und die Auslastung der Züge zu erhöhen, so die stellvertretende verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Karin Rehbock-Zureich.

Der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) sagte, eine Preiserhöhung sei kontraproduktiv für den Umweltschutz. Der Vorsitzende des Fahrgastverbands "Pro Bahn" forderte, die Bahn solle sich stärker am Kunden als an der Börse orientieren. Sie müsse den Service verbessern und die Tarife vereinfachen, um mehr Fahrgäste für sich zu gewinnen.

Bahn-Sprecher Achim Stauß sagte, mit dem Börsengang habe die geplante Maßnahme nichts zu tun: "Das ist ganz normales unternehmerisches Handeln." Auch sei Stellenabbau kein Unternehmensziel. Vielmehr gehe es darum, die Personalkosten zu senken.

Die Bundesregierung wirft unterdessen der Bahn vor, ihr Schienennetz zu vernachlässigen. Das Unternehmen wolle zahlreiche Vorhaben streichen, für die der Bund trotz der Kürzung des Schienenetats noch genügend Mittel bereitstelle, berichtet heute die "Süddeutsche Zeitung". Das Blatt beruft sich auf einen Brief von Verkehrsstaatssekretär Ralf Nagel an Mehdorn. Die Bahn beabsichtige auch, bei der Instandhaltung bestehender Strecken zu sparen. Das verstoße gegen Vereinbarungen mit der Regierung, zitiert die "Süddeutsche" sinngemäß aus dem Brief.

Ein Bahnsprecher erklärte, von einer Vernachlässigung des Schienennetzes könne keine Rede sein. Da die Bahn jährlich 2,5 Milliarden Euro Bundesmittel für das bestehende Netz erhalte, seien Qualität und Verfügbarkeit sichergestellt. Gleichzeitig seien aber die Bundesmittel für neue Ausbauprojekte gekürzt worden, weswegen Mehrinvestitionen im bestehenden Netz nötig seien. Nicht alle Maßnahmen könnten deshalb im vorgesehen Zeitraum umgesetzt werden.