Premiere Bahn schickt ICE 3 ins Rennen
Berlin - Langsamer geht es schon jetzt: Ab der kommenden Woche sollen die Züge fahrplanmäßig auf zwei Sonderstrecken von Nordrhein-Westfalen und Hessen zur Expo nach Hannover fahren. Seine maximale Reisegeschwindigkeit wird das neueste Mitglied der ICE-Familie zunächst jedoch nicht erreichen können. Hierfür fehlen der Bahn nicht nur die entsprechenden Strecken, sondern auch die Genehmigung des Eisenbahnbundesamtes.
Bahnchef Hartmut Mehdorn sprach bei der Präsentation des Zuges von einer neuen Ära. Er sei überzeugt, dass mit dem ICE 3 auf Grund kürzerer Fahrzeiten und eines höheren Komforts mehr Verkehr auf die Schiene gelenkt und dem Auto Paroli geboten werde.
Die Vorstandschefs von Siemens Verkehrstechnik und Adtranz, Herbert Steffen und Rolf Eckrodt, nannten den ICE 3 einen Hochgeschwindigkeitszug, der auch international Maßstäbe setze. Er habe das Potenzial, auch auf anderen Märkten Erfolg zu haben.
Bisher wird der ICE 3 allerdings nur in die Niederlande exportiert. Die niederländischen Bahnen haben vier Züge geordert. Weitere Aufträge aus dem Ausland liegen nach Angaben der Hersteller noch nicht vor. Die Bahn AG hat 50 ICE 3 bestellt - mit einem Auftragsvolumen von 1,9 Milliarden Mark. Damit verfügt sie über eine Flotte von 216 ICE-Zügen. Nach dem Einsatz als Expo-Express soll der ICE 3 ab 2002 zwischen Frankfurt/Main und Köln mit Tempo 300 fahren.
Steffen und Eckrodt kritisierten am Rande der Präsentation die Preispolitik der Bahn. Mit den zunächst bestellten 50 ICE-3-Zügen würden Siemens VT und Adtranz kein Geld verdienen. Dies sei erst bei Nachfolgeaufträgen der Bahn für den ICE 3 möglich. Allerdings habe die Bahn einen Rückzieher gemacht. Statt einer Option von ursprünglich weiteren 50 Zügen seien derzeit nur 13 im Gespräch.
Zu den Schadenersatzforderungen der Bahn an die Hersteller wegen Pannen und Mängel bei anderen Projekten sagten Steffen und Eckrodt, der Prozess sei noch im Gange. Sollten tatsächlich Schäden entstanden sein, müsse darüber geredet werden - wenn nicht, erwarteten die Hersteller eine faire Behandlung.
Die Bahn hatte im März die Industrie scharf kritisiert und angekündigt, entstandene Schäden in Rechnung zu stellen. Nach offiziell nicht bestätigten früheren Angaben handelt es sich um eine höhere zweistellige Millionensumme.