Raumfahrt-Reiseagentur 25 Sekunden in der Schwerelosigkeit
Bremen - Nicht jeder kann sich einen Ausflug ins All leisten. Der US-Amerikaner Dennis Tito und der Südafrikaner Mark Shuttleworth zahlten dafür je 20 Millionen Dollar. Erschwinglich sind dagegen die einmalig in Europa angebotenen Weltraumtouren des Bremer Unternehmens Pro Toura Space.
"Für mich beginnt Raumfahrt am Boden", sagt Geschäftsführer Walter Drasl. Das Weltraum-Training findet unter realen Bedingungen und zum Teil mit Astronauten statt. "Ich stoße die Tür zu einer verschlossenen Welt auf", sagt der 54-Jährige. Er vermittle Laien einen Einblick in die Raumfahrt.
Wer wie Astronauten im All die Schwerelosigkeit erleben will, bleibt aber nicht am Boden. An Bord einer Ilyushin IL-76 wird bei so genannten Parabelflügen in 8000 Meter Höhe die Schwerkraft für 25 Sekunden aufgehoben. "Die Passagiere können plötzlich fliegen wie ein Vogel", sagt Drasl. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein medizinischer Test. Die Reise wird in Kooperation mit dem Moskauer Kosmonauten-Trainingszentrum GCTC angeboten.
Wer das unendliche Schwarz des Weltraums erahnen will, fliegt von Moskau aus mit einem Überschallflugzeug in fast 30 Kilometer Höhe. "Man hat eine Sicht über 1500 Kilometer und sieht unter sich den gekrümmten Horizont", sagt Drasl. Im Programm ist auch eine Reise ans Schwarze Meer, wo eine Woche lang zusammen mit Astronauten der Notausstieg aus einer Sojus-Kapsel trainiert wird.
"Wir machen keine Disneyland-Veranstaltung"
Wer nicht so weit reisen will, kann sein Ferien-Astronauten-Training in Deutschland absolvieren. Bei der Europäischen Raumfahrtagentur ESA in Köln wird die Schwerelosigkeit im Tauchbecken erprobt. "Dabei wird gezeigt, wie Außenbord-Arbeiten im Weltraum funktionieren", sagt Drasl. In Bremen können Interessierte bei einem EADS-Tochterunternehmen eine Raumfahrt-Mission vorbereiten. "Für die Simulation steht ein originalgetreues 1:1-Übungsmodell des Columbus-Moduls der ISS zur Verfügung", sagt Drasl.
Auf die Idee, eine Weltraum-Reiseagentur zu gründen, kam Drasl über ein anderes Projekt. Der ehemalige Lufthansa-Pilot bietet auch Flüge in professionellen Flugsimulatoren an. Unter Anleitung schaffen es Laien dabei, eine Boeing 737 selbst zu fliegen. Das müsste auch mit dem Thema Raumfahrt gehen, dachte sich Drasl. Zunächst war es jedoch schwierig, die Partnerinstitutionen für die Kurse von der Idee zu begeistern.
"Du beschädigst unser Ansehen", musste er sich von Astronauten sagen lassen. In langer Überzeugungsarbeit stellte Drasl klar, dass er deren Ausbildung nicht disqualifizieren wolle. "Wir machen keine Disneyland-Veranstaltung", betont Drasl. Unter den Menschen, die die Angebote von "Pro Toura Space" buchen, seien die wenigsten Weltraum-Freaks, sagt Drasl. "Die meisten kommen aus Neugier, weil sie Außergewöhnliches erleben oder Grenzerfahrungen machen wollen", sagt er.
Von Janet Binder, ddp