Reisemesse ITB: Fernweh in den Füßen - DER SPIEGEL
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Reisemesse ITB Fernweh in den Füßen

Und wieder wird das Meer auf den Plakaten glitzern, werden karibische Klänge durch die Halle schallen, tibetische Fähnchen an den Messeständen wehen - auf der ITB sind die Kontinente nur ein paar Schritte voneinander entfernt. Während Verbraucher ihr Fernweh pflegen, wird die Fachwelt die schwierige Lage ihrer Branche diskutieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - "Vom Nordpol zum Südpol ist's nur ein Katzensprung", rockte einst die Band "Extrabreit" in der Nachfolge von Hans Albers. Nun sind zwar ausgerechnet diese beiden Teile der Erde nicht bei der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin vertreten, die diesmal vom 12. bis 16. März stattfindet. Doch viele Länder treten an ihre Stelle und beweisen, dass zwischen ihnen ebenfalls nur "Katzensprünge" liegen - zumindest auf dem Messegelände am Funkturm. Wer sich für das Reisen interessiert, findet wohl nirgendwo sonst ein so breites und zugleich dichtes Informationsangebot wie bei der ITB.

Innerhalb weniger Minuten von Australien nach Zypern oder von Ägypten nach Usbekistan - auf der ITB ist das kein Problem. Der Besucher muss sich nur durch ein paar Hallen kämpfen und darf sich dabei nicht von den Info-Ständen anderer Ziele ablenken und aufhalten lassen. Die Messe Berlin rechnet für 2004 mit mehr als 9000 Ausstellern aus rund 180 Ländern rund um den Globus. Zum ersten Mal vertreten sind unter anderem das afrikanische Land Eritrea und das Disneyland Paris. Tourismusämter haben ebenso eigene Stände wie Fluggesellschaften und Reiseveranstalter. Mit Thomas Cook und der Rewe Touristik bleiben zwar zwei Branchengrößen der ITB fern, doch neben der TUI sind gerade kleinere Spezialanbieter in Berlin präsent.

"Wohin fahre ich 2004 in den Urlaub?"

Die ITB ist eine Kombination aus Fach- und Verbrauchermesse. Das zentrale Thema der Fachwelt wird dabei erneut die wirtschaftlich schwierige Lage der Touristikbranche sein, sagt Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (DRV) in Berlin. Das allgemeine Publikum, das überwiegend aus Berlin und Brandenburg stammt, erwartet dagegen für sich eher Antworten auf die Frage: "Wohin fahre ich 2004 in den Urlaub?" Der DRV-Chef rechnet damit, dass es nach der Messe einen Nachfrageschub in den Reisebüros geben wird: "Viele Leute werden durch die ITB daran erinnert, dass sie für 2004 noch keinen Urlaub gebucht haben. Das Fernweh wird geweckt."

Mit einem größeren Interesse der Verbraucher als in den Vorjahren dürfen vor allem die Aussteller aus den USA rechnen - der günstige Dollarkurs lässt die Reisen über den Atlantik boomen. "Wir stellen uns darauf ein und nehmen bestimmt 30 Prozent mehr Infomaterial mit zur ITB als im vergangenen Jahr", sagt zum Beispiel Dörte Buss von der Vertretung der Neuengland-Staaten in Nürnberg.

Die Messehallen versammeln meist die Aussteller aus einzelnen Ländern oder Weltregionen. Zum ersten Mal gibt es dabei in Halle 7.2 einen Gemeinschaftsstand der Balearen-Inseln. Zum Teil sortiert die Messe aber auch nach Reiseformen. So sind zum Beispiel in Halle 14.1 die Kreuzfahrten-Reedereien zu finden, in Halle 5.1 geht es um Aus- und Weiterbildung im Tourismus. Die "Erlebniswelt Kulturtourismus" in der Halle 10.1 präsentiert diesmal mehr als 300 Kultureinrichtungen, die sich verstärkt auf Kurzurlauber und Städtereisende einstellen.

Direktes Buchen ist nicht möglich - noch nicht

Eine wichtige Rolle auf der ITB spielen in diesem Jahr auch die zehn Länder, die am 1. Mai der Europäischen Union beitreten - ihnen ist unter anderem die Fachkonferenz "Ein neuer Tourismus für ein neues Europa" gewidmet. Nach dem erfolgreichen Start im Jahr 2003 will die Messe außerdem alle umweltbewussten Touristen zum zweiten Mal mit einer eigenen "Natur-Erlebnis-Halle" (Halle 7.2a) ansprechen.

Auch am Boomthema Wellness kann die ITB nicht vorbeigehen. So wird erstmals ein "Forum Wellness" veranstaltet, das nach Angaben der Messegesellschaft "Licht in den Wellness-Dschungel" bringen soll. Am Sonntag, 14. März, wollen Fachleute in der Halle 7.1a unter anderem dabei helfen, wie jedermann das für ihn passende Wellnesshotel finden kann. Und auch die Frage, ob es bald verschiedene Wellness-Welten für Arme und Reiche geben wird, soll von Experten thematisiert werden.

Auf der ITB nicht möglich ist das direkte Buchen von Reisen. Allerdings soll dies zum letzten Mal so sein: 2005 werde es für schnell Entschlossene erstmals die Chance geben, noch auf dem Messegelände die Reise nach Teneriffa, Tonga oder Trinidad unter Dach und Fach zu bringen. Organisiert werden soll der Reisenvertrieb auf der ITB über die Berliner Reisebüros, sagt DRV-Präsident Laepple.

Von Christian Röwekamp, gms

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