Riesen-Privatjets Fliegende Paläste
Wo normalerweise Fluggäste mit Kniekontakt zum Vordersitz reisen, machen es sich die Besitzer von Privatjets richtig gemütlich: Wohnlandschaften mit großen Kaffeetafeln, Schlafzimmern und Bars finden ihren Platz in Maschinen, die sonst mehr als hundert Menschen transportieren. Selbst die Garage für den Luxusschlitten gehört inzwischen zum Interieur mancher Riesen-Privatmaschine.
Auf der Singapore Airshow, die vor wenigen Tagen zu Ende ging, herrschte in der Privatjet-Branche Optimismus. Die Unternehmen freuen sich über eine große Nachfrage, angefeuert von einer wachsenden Kundschaft Wohlhabender aus dem Nahen Osten, Russland und Asien. "Wir haben Aufträge, die uns bis in die Jahre 2011 und 2012 beschäftigen. Eine so hohe Nachfrage haben wir bisher noch nicht erlebt", sagt Bernd Habbel, Sprecher des Flugzeug-Ausbau-Spezialisten Lufthansa Technik.
Auch die Schweizer Firma Jet Aviation hat nach Auskunft des Sprechers Alain Thomann bis 2012 zu tun. Beide Firmen gehören zu den großen Namen, wenn es darum geht, große Maschinen für mehr als hundert Fluggäste in fliegende Paläste für Privatleute zu verwandeln.
Saudischer Prinz fliegt im eigenen A380
Wer zu den Kunden gehört, ist in der Regel streng geheim. Nur der saudische Prinz und Milliardär Al-Walid bin Talal macht keinen Hehl daraus, dass er seinen A380 für private Zwecke ausbauen lassen will. "Bisher hat er noch nicht entschieden, wer den Auftrag bekommt", sagt Habbel. Einen Entwurf für den A380 hat Lufthansa Technik bereits ausgearbeitet. Auf drei Ebenen sind diverse Bäder, Büros, ein Spielzimmer, Gästezimmer und eine Bar untergebracht. Das Esszimmer ist für 14 Personen ausgelegt. "Der Preis für die Completion liegt im dreistelligen Millionenbereich", schätzt Habbel etwa ein Drittel des Kaufpreises des A380.
Im Hangar des Hamburger Unternehmens werden zurzeit fünf Maschinen des Typs Airbus A318 und eine Boeing 747 für den Privateinsatz ausgebaut. "Die Flugzeuge werden leer verkauft, Einrichtung, Böden, Wände und Bordunterhaltungssystem werden dann von uns installiert", sagt Habbel. In seiner mehr als zehnjährigen Geschichte hat Lufthansa Technik mehr als 50 Flugzeuge zu Privatmaschinen verwandelt.
Kamin geht nicht
Jedes Flugzeug ist ein Einzelstück und entsprechend werden die Sonderwünsche des Kunden individuell eingearbeitet. "Wir hatten vor Jahren einen Kunden aus dem mittleren Osten, für den wir den Wüstenboden durch Farben und Strukturen nachempfunden haben", erzählt Habbel. "Vom Himmel leuchteten unzählige Lämpchen, die einen orientalischen Nachthimmel bildeten." Garagen, GPS-gesteuerte Markierungen für den Blick nach Mekka und das Bordkino gehören inzwischen nicht mehr zu den besonderen Kundenwünschen.
Der Aufwand, ein Flugzeug auszurüsten, ist höher als man denkt: "Jedes Möbelstück, jede Verkabelung muss von den Behörden freigegeben werden", sagt Habbel. Entsprechend den Sicherheitsbestimmungen und den technischen Voraussetzungen eines Flugzeugs seien den Ausbauern Grenzen gesetzt. "Wenn jemand einen Kamin haben will, dann müssen wir sagen: Das geht nicht." Auch ein Whirlpool über den Wolken bleibe Utopie. "Da wüssten wir nicht, wie wir das Wasser bändigen."
mit Material von AFP