Sansibar: Unruhen vertreiben Urlauber - DER SPIEGEL
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Sansibar Unruhen vertreiben Urlauber

Westliche Länder raten bei Reisen auf die Inselgruppe Sansibar zu erhöhter Vorsicht. Gewaltsame Ausschreitungen drohen den aufkeimenden Tourismus in dem ostafrikanischen Urlaubsparadies zu zerstören.
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Die beiden Hauptinseln Unguja und Pemba sowie rund 50 benachbarte Eilande vor der Küste Tansanias locken mit sensationellen Sandstränden, erstklassigen Tauchrevieren, atemberaubenden Landschaften im Inneren und faszinierenden Altstädten. Das haben in den vergangenen Jahren auch viele Reiseveranstalter registriert, bauten hauptsächlich auf Unguja Hotels und zogen immer mehr Urlauber auf die zu Tansania gehörende flache Koralleninsel im Indischen Ozean. Reisten 1990 nur 42.000 Touristen nach Sansibar waren es im vergangenen Jahr schon 97.000.

Doch der Urlauberstrom versiegt, und die Tourismusbranche zögert mit neuen Investitionen, da sie hohe Verluste erwartet. Hintergrund ist die Forderung mehrerer Oppositionsgruppen Sansibars an die Zentralregierung Tansanias in Daressalam, die Inselgruppe wieder in die Unabhängigkeit zu entlassen. Am letzten Januar-Wochenende eskalierte die Lage. Bei blutigen Zusammenstößen zwischen Oppositionellen und Polizei sind mehrere Menschen umgekommen. Wie viele es sein sollen, weiß niemand genau. Offizielle Stellen sprechen von knapp 20 Toten, während die Civic United Front (CUF) behauptet, mindestens 50 Menschen seien von der Polizei getötet worden.

Doch schon zuvor hatten die Außenministerien einiger Länder Warnungen für Reisen nach Sansibar und Tansania ausgegeben. Anfang Januar erschien in einer lokalen Zeitung eine Ankündigung der Gruppe "Freedom Fighters of Tanzania", in der gedroht wurde, man werde diplomatische Vertretungen des Westens attackieren und Urlauber verschleppen. Die USA reagierten nach der Erfahrung der verheerenden Bombenanschläge auf ihre Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998 und rieten Urlaubern zu äußerster Vorsicht. Auch die britische Botschaft in Daressalam rief Sansibar-Touristen auf, sich auf der Insel möglichst unauffällig zu verhalten. Das Auswärtige Amt empfiehlt dagegen nur, größere Ortschaften auf dem Archipel zu meiden.

Als Konsequenz dieser Warnungen sind nach Angaben der Reiseveranstalter zahlreiche Urlaube spontan storniert worden. Fluggesellschaften sagten Charterflüge ab, Kreuzfahrtschiffe änderten ihre Routen, und einige Hotels wollen für ein paar Wochen ihre Pforten schließen. Damit fällt eine der wichtigsten Einnahmequellen für Sansibar aus.

Dabei hat sich die Situation auf der Insel Unguja nach lokalen Angaben mittlerweile normalisiert. Selbst die dortigen Urlauber scheinen sich sicher zu fühlen. "In der letzten Zeit gibt es hier mehr Polizei, aber davon abgesehen ist es hier so ruhig wie noch nie", berichtet Ruth James, die aus New York kommt und zum dritten Mal Tansania besucht.

Anders sieht es auf der touristisch kaum erschlossenen "Nelkeninsel" Pemba, 60 Kilometer nördlich von Ugunja, aus. Die dortige Gewaltbereitschaft wird auch von den lokalen Reiseveranstaltern sehr hoch eingeschätzt, und sie raten von jeglichen Trips zu dem Eiland ab. Es werde Monate dauern, so schätzt Touroperator Philip Mason, bis wieder ein Tourist seinen Fuß auf die Insel setzt. Afrikanische Politik verschrecke viele Besucher aus Europa, obwohl sie sich nicht gegen sie richte. Mason sieht seine berufliche Existenz in Gefahr: "Es ist wie mit einem guten Ruf, es dauert Jahre, ihn aufzubauen, kann aber binnen Sekunden zerstört werden."