Flugbegleiter vergessen Passagier "Als ich aufwachte, war alles dunkel"
United-Express-Maschine: Flugbegleiter vergaßen schlafenden Passagier
Foto: David Zalubowski / APIm ersten Moment glaubte Tom Wagner zu träumen. "Ich wachte auf, und um mich herum war es schwarz wie die Nacht", sagt er. Sämtliche Lichter waren aus, knapp 40 Passagiere, Flugbegleiter, Piloten - alle fort. Als er an den Türen rüttelte, dämmerte ihm, was passiert war - und zwar völlig real.
Wagner war am Freitagabend in einem Flugzeug vergessen und eingeschlossen worden. Der Mann aus dem US-Bundesstaat Louisiana war auf dem Weg nach Kalifornien. Vor der Zwischenlandung in Houston, Texas, war er eingeschlafen. Die Crew an Bord der United-Express-Maschine bemerkte offenbar nicht, dass weit hinten auf einem Fenstersitz noch ein Passagier tief schlummerte.
Wagner griff zum Handy und rief panisch bei seiner Freundin an. Die vermutete erst, er mache einen Witz. "Sie meinte, ich sei verrückt", erzählte er dem US-Sender CNN . "Aber ich sagte: Debbie, ich bin eingesperrt. Es ist die Wahrheit. Du musst irgendwas tun und mich hier rausholen." Seine Freundin rief die Airline an, und nach einer halben Stunde wurde Wagner aus seinem dunklen Gefängnis befreit.
Er sei nicht schuld an dem Vorfall, beharrt Wagner, der seinen Anschlussflug verpasste. "Was wäre gewesen, wenn ich eine einen Herzanfall gehabt hätte - oder tot gewesen wäre? Sie hätten mich einfach eingesperrt." Die Airline habe versucht, das Ganze runterzuspielen. Sie gab ihm als Entschädigung einen Gutschein über 250 Dollar, brachte ihn in einem Motel unter und flog ihn nach Kalifornien.
Alarmierendes Lehrstück
Der United-Airlines -Regionalanbieter United Express untersucht jetzt, wie das passieren konnte. Zuständig für den Flug 4245 von Louisiana nach Houston war die Unternehmenstochter ExpressJet. "Wir bitten aufrichtig um Entschuldigung für den Vorfall", sagte ein Sprecher der Airline am Samstag.
Eigentlich gehen Flugbegleiter nach der Landung routinemäßig einmal durch das ganze Flugzeug. Warum das in diesem Fall nicht geschehen sei, könne man nicht erklären.
James Conway hält das Ganze für ein alarmierendes Lehrstück. Der Amerikaner ist ein ehemaliger FBI-Agent und Terrorismus-Experte, der heute bei der Sicherheitsberatungsfirma Global Intel Strategies in Houston arbeitet. "Wenn schon ein Passagier übersehen wird, was ist dann mit Gepäckstücken, die auf dem nächsten Flug zur Gefahr werden könnten?" Etwas Ähnliches war United Express bereits 2010 passiert. Damals war eine Frau in Philadelphia im Flugzeug vergessen worden.