Schweden: Wallander auf der Spur - DER SPIEGEL
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Schweden Wallander auf der Spur

Die Fälle des schwedischen Kommissars Wallander begeistern Leser rund um die Welt. Auch in Deutschland ist Wallander mittlerweile Kult. Grund genug, um in der Heimat des Kommissars auf Spurensuche zu gehen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ystad - Selten packt einen ein Buch so, dass man es in einer Nacht durchliest. Millionen Krimifans geht es so mit den Büchern von Henning Mankell. Die südschwedische Provinz Skane ist die Heimat von Mankells Kommissar Wallander.

"Wir wussten zwar, dass Wallanders Abenteuer weltweit begeisterte Fans gefunden haben, doch wären wir von allein wohl nie auf die Idee gekommen, darauf eine Tourismus-Werbung für unsere Region aufzubauen", sagt Lena Birgersson von Position Skane, dem Tourismusamt der gleichnamigen südschwedischen Provinz. In den vergangenen Jahren seien jedoch immer mehr Besucher, vor allem aus dem Ausland, in Ystad aufgetaucht und hätten beim städtischen Tourismusamt gezielt nach der "Mariagatan" gefragt, wo laut Mankell Kurt Wallander seine Wohnung hat.

Selbst im Polizeipräsidium musste man Touristen abwimmeln, die gezielt nach Kommissar Wallander fragten. Und die patente Dame am Empfang, sei die nicht tatsächlich genau so wie die im Buch beschriebene Ebba. Ystad, das verschlafene Städtchen an Schwedens Südküste,ist zu einen Tatort auf der touristischen Weltkarte geworden. Immer mehr Touristen fahnden nach einer Romanfigur in der ganz realen schwedischen Provinz.

Besonders seit 1998 mit "Die fünfte Frau" der erste Wallander-Roman in deutscher Übersetzung erschien, reißt der Strom von Besuchern in Ystad, das nur unweit des Fährhafens Trelleborg liegt und daher gut zu erreichen ist, nicht ab. "Darauf mussten wir uns einstellen", freut sich Lena Birgersson. Das Ystader Tourismusamt hat schnell dazu gelernt. Mittlerweile bietet es auch eigene Stadtrundgänge auf den Spuren des Romanhelden an.

Henning Mankell, der bei Ystad ein Sommerhaus besitzt und die Region wie seine Westentasche kennt, hat detailliert die Schauplätze beschrieben. "Das Schöne daran ist, dass das alles nicht irgendwo in einer fiktiven Umgebung passiert, sondern hier bei uns in Skane", so Lena Birgersson. Straßennamen, Geschäfte und Restaurants, die in den Büchern auftauchen, gibt es wirklich. Wer Wallanders Revier auf eigene Faust erkunden will, kann das mithilfe der Karten, die kostenlos beim Tourismusamt erhältlich sind, tun. Im Leitfaden ist natürlich das Wohnhaus in der Ystader Mariagatan eingezeichnet. Opernmusik dringt allerdings noch nicht aus dem ersten Stock, wie es im Roman beschrieben ist. Aber wer weiß, was noch passieren wird. Selbstverständlich ist auch das Polizeirevier markiert, das praktisch das zweite Zuhause des Kommissars ist. Dazu gesellt sich das Continental-Hotel, wo Wallander gern zum Mittagessen einkehrt und das in "Mittsommermord" zum Schauplatz eines polizeilichen Großeinsatzes wird.

"Auch andere Reize"

Am "Stortorget" liegen tatsächlich Blumengeschäft und Buchhandlung, die Kurt Wallander gerne aufsucht. Beim Passieren des Hotels "Sekelgarden" wird man sich vielleicht an die wichtige Zeugin aus "Die fünfte Frau" erinnern oder an jene Beamtin des Außenministeriums, die in "Hunde von Riga" hier unterkam. Auch einer der Lieblingsplätze des Kommisars, die Pizzeria, in der Wallander manchmal zusammen mit dem ungarischen Wirt speiste, lässt sich persönlich in Augenschein nehmen. Nahm nicht hier die tödliche Taxifahrt der beiden Mädchen in "Die Brandmauer" ihren Ausgang?

Die prickelnde Vermischung von Realität und Fiktion können Krimifans auf Schritt und Tritt betreiben: Obacht beim Bahnhof Järnvägsstationen; hier versteckte der Mörder in "Die falsche Fährte" eines seiner Opfer. Und wie macht man sich selbst bei einer unauffälligen Inspektion des städtischen Krankenhauses, in dem der Held wegen seiner Diabetes behandelt wurde und die Hebamme und "Die fünfte Frau"-Zeugin Ylva Brink ihre Dienst schob? Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Es geht aber auch weniger investigativ.

Während der Sommermonate gibt es vom Tourimusamt organisierte Touren mit einem alten Spritzenwagen der Freiwilligen Feuerwehr zum Thema Wallander. Vom Marktplatz geht es vorbei an zahlreichen Schauplätzen aus den Romanen und Romanverfilmungen.

"Natürlich hoffen wir, dass unsere Besucher auch die anderen Reize der Stadt und die schöne Umgebung kennen lernen", hofft Lena Birgersson. Immerhin gilt Ystad mit rund 300 Häusern des traditionellen Baustils als schwedische Hauptstadt des Fachwerks. Ein lebendiger kleiner Hafen und ein feinsandigen Strand gehören zum Ort. In der ländlichen Umgebung gibt es alte Bauernhöfe und Schlösser zu entdecken.Doch auch hier stößt man auch hier unweigerlich auf die Wege des Kurt Wallander.

Vor kurzem sind die Rechte an den Wallander-Romanen nach China verkauft worden. Sollten die Krimis in China genauso erfolgreich sein wie in Europa, steht Südschweden bald eine Invasion aus dem Reich der Mitte ins Haus. "Eine Milliarde Chinesen", sinniert Birgersson. Aber das ist dann eine neue Geschichte.

Von Ditmar Hauer, ddp

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