Sommer 2005 Heißer Tee statt Eiscafé
"Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung" und "Wir verkaufen gute Luft - da kann es auch mal regnen" - mit markigen Sprüchen halten sich die Urlauber und Touristiker in ganz Deutschland bei guter Laune. Doch es bleibt dabei: Der August ist bisher einer der vier kältesten seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1896.
Regenschauer und ungemütliche Temperaturen verschrecken zwar nicht die Touristen, die schon lange im Voraus ihr Urlaubsdomizil an der Nordsee, im Harz oder im Schwarzwald gebucht haben, vermiesen aber wetterabhängigen Tagesgeschäften die Bilanz. Strandkörbe stehen leer, Biergärten und Strandterrassen haben nur vereinzelte Besucher, und auch die Campingplätze sind nicht wie gewohnt besetzt.
Sommer in Deutschland: Regenschirme und Sonnenblumen
Von der hartnäckigen Wettermisere profitieren jedoch Erlebnisbäder, Freizeitparks und Museen. Auch Restaurants werden eifrig besucht, wenn die Sonne sich mal wieder versteckt. "Das Geschäft brummt", sagt Eckhard Lange, Sprecher des Freizeitparks Tolkschau bei Schleswig, und auch das Gruselkabinett "Hamburg Dungeon" ist zufrieden: "Wir haben die Zahlen des Vorjahres übertroffen", sagt Managerin Dörthe Appel.
Während viele Deutschland-Urlauber einfach die Kapuze über die Ohren ziehen und Strand- gegen Kulturfreuden eintauschen, nehmen andere Reißaus. Last-Minute-Anbieter L'Tur freut sich: "Die Buchungseingänge liegen derzeit im zweistelligen Prozentbereich über Vorjahresstand", so Vorstandssprecher Markus Faller. Vom schlechten Wetter profitieren vor allem die Online-Anbieter wie Lastminute.com. "Wir haben nach wie vor Wachstum", sagt die Deutschland-Sprecherin von Lastminute.com, Alexandra Rieck. "Die Leute haben genug vom Regen und wollen weg."
Heimaturlauber werden auch noch einiges an Geduld aufbringen müssen. Für die nächsten Tage haben Meteorologen gleich drei Tiefs angekündigt: Nach Tief "Isidor" folgt "Klausjürgen", bevor sich dann "Lars" aus Schottland mit einer Ladung Regenwolken über Deutschland hermacht. "Frühestens Mitte nächster Woche könnte sich wieder für ein paar Tage eine Hochdrucklage einstellen", sagte Michael Beisenherz vom Wetterdienst Meteomedia.