Spanien Massen schrecken Massen ab
Hamburg - "Der Wachstumsmarkt Spanien kann seine Schattenseiten nicht mehr verleugnen", sagte Horst Opaschowski, verantwortlich für die in Hamburg vorgestellte Reisestudie. In vielen Zentren des spanischen Massentourismus stimme das Preis-Leistungsverhältnis nicht mehr. Auch "Überfüllung vor Ort" ärgere die Urlauber. Im Top-Jahr 1999 sind noch 17 Prozent der Deutschen nach Spanien gereist.
Die Konkurrenz am Mittelmeer kann sich darüber freuen: Die Türkei zog im vergangenen Jahr schon sechs Prozent der Deutschen an. 1999 waren es gerade mal halb so viele. Auch Italien und Österreich erfreuen sich wieder wachsender Beliebtheit, wie die Umfrage unter 5000 Männern und Frauen ergab. Allerdings liegt Spanien bei den Reiseplänen für 2002 mit 13 Prozent noch vor Italien (neun Prozent), Österreich (sieben Prozent) und Türkei und Griechenland (je sechs Prozent).
Top-Reiseziel der Deutschen war aber 2001 wieder die Heimat: 34 Prozent der Bürger machten Ferien in Deutschland. "Viele Reisende haben aus der Not eine Tugend gemacht und die ohne Flug erreichbaren Nahziele wiederentdeckt", meinte Opaschowski. Am meisten gefragt war die Ostseeküste (acht Prozent) vor Nordsee (sechs Prozent) und den bayerischen Bergen (sechs Prozent).
Grund für die Deutschland-Liebe der Urlauber ist nach Ansicht der Forscher die weltweit veränderte Sicherheitslage seit den Anschlägen vom 11. September. Auch während des Golfkrieges profitierten von der unsicheren weltpolitischen Lage mehr die Nahziele im eigenen Land.
Insgesamt haben die Anschläge die Reisebranche aber der Untersuchung zufolge nicht so hart getroffen wie befürchtet: "Reisestornos wie Sand am Meer wird es nicht geben", sagte der Wissenschaftler. 47 Prozent der Deutschen will 2002 in Urlaub fahren, nur zwei Prozent weniger als 2001. "Der Tourist hat ein chronisches Kurzzeitgedächtnis und leistet keine Trauerarbeit", stellte Opaschowski fest.