Streik Kampfeswut der Piloten überrascht Lufthansa
Frankfurt am Main - Seit einigen Monaten ist der Tarifkonflikt zwischen der Gewerkschaft Cockpit und dem Konzern festgefahren. Jetzt ist er eskaliert - und die Lufthansa hat mit dem Umfang nicht gerechnet: "Wir sind sehr überrascht von dem Streik in dieser Masse", sagte ein Sprecher. Rund 1000 Piloten der Fluggesellschaft haben um Mitternacht für 24 Stunden die Arbeit niedergelegt.
Bislang sind mehr als 500 Flüge der Lufthansa-Töchter Eurowings und CityLine ausgefallen. Mit bis zu 559 Flügen rechnet die Lufthansa für den gesamten Tag. Betroffen sind nach Angaben des Konzerns innerdeutsche und innereuropäische Strecken. Wie viele Passagiere davon betroffen waren, sei nicht ermittelt worden. Auf den großen deutschen Flughäfen wie Frankfurt, München oder Düsseldorf ist allerdings wenig von den Ausfällen zu spüren.
Die größten Behinderungen gibt es am Münchner Flughafen, aber auch in Düsseldorf, Frankfurt am Main und in Hamburg kommt es zu massiven Ausfällen. Ebenfalls betroffen sind: Nürnberg, Hannover, Münster/Osnabrück, Bremen, Dresden, Leipzig/Halle, Stuttgart, Berlin-Tegel, Leipzig, Köln, Paderborn und Friedrichshafen. Die normalen Lufthansa-Flüge finden statt wie geplant.
Die Fluggesellschaft riet ihren Passagieren, sich vor der Reise mit dem Call Center der Lufthansa unter der Telefonnummer 0180/58 38 42 672 (12 ct./Minute) in Verbindung zu setzen oder im Internet ( lufthansa.com ) nachzusehen, ob ihre Flüge betroffen sind. Dies sei nicht unbedingt auf dem Ticket erkennbar. Innerdeutsche Flugtickets können an den Flughäfen kostenlos gegen Bahntickets eingetauscht werden. Auch Umbuchungen seien kostenfrei, sagte ein Sprecher. Über weitere Erstattungen werde dann im Einzelfall entschieden.
Gewerkschaft fordert Tarif-Angleichung an CityLine
Mit dem Streik wollen die Piloten ihre Forderung nach einer besseren Bezahlung unterstreichen. "Wir fordern für die Piloten von Eurowings eine Angleichung der Vergütungsbedingungen an den unmittelbaren Wettbewerber CityLine," sagte Cockpit-Verhandlungsführer Markus Germann Montag. Auch bei CityLine habe es in den vergangenen Jahren keine Gehaltserhöhung für das Cockpit-Personal gegeben, kritisiert die Gewerkschaft. Die Piloten von Eurowings und CityLine verdienten deutlich weniger als ihre Kollegen bei Lufthansa.
Cockpit teilte mit, in den jeweils seit mehreren Monaten laufenden Tarifverhandlungen hätten die Arbeitgeber "keine verhandlungsfähigen Angebote" vorgelegt. In Urabstimmungen hätten jeweils 99 Prozent aller stimmberechtigten Mitglieder für unbefristete Streiks votiert. Die Lufthansa findet die Streiks "unnötig", da der Konzern ja ein Gesprächsangebot gemacht habe, sagte eine Sprecherin.
Schon im Mai und Juni hatten Warnstreiks die Flugpläne von CityLine und Eurowings durcheinandergebracht. Cockpit vertritt die berufs- und tarifpolitischen Interessen der Piloten sämtlicher deutscher Airlines und hat derzeit nach eigenen Angaben rund 8200 Mitglieder.
cvk/abl/ddp/dpa/AP