Sydney Der Olympia-Boom fällt aus
Sydney - Der erwartete und von vielen auch befürchtete Olympia-Boom in Sydney findet nicht statt. Diese überraschende Erkenntnis setzt sich in der größten australischen Stadt gut drei Wochen vor den Spielen immer mehr durch.
Bis vor kurzem hatten viele Bewohner noch eine Art internationalen Belagerungszustand befürchtet, viele entschlossen sich, aus der eigenen Stadt zu flüchten. Jetzt kommt die Entwarnung. Am Dienstag lautete die Schlagzeile in Sydneys Boulevard-Zeitung "The Daily Telegraph": "Olympische-Spiele-Hysterie nur ein Mythos."
"Hotels reduzieren Zimmerpreise", vermeldete der "Australian". Immer mehr Hotels stellten fest, dass die Prognosen vor allem für Besucher aus dem Ausland viel zu hoch gegriffen waren. Jetzt wird nur noch mit 110.000 gerechnet, und das schließt die Olympische Familie schon mit ein.
Vielen ausländischen Touristen ist die Reise während der Spiele einfach zu teuer. Sie haben sich den Traum von Olympia Down Under schon vor Jahren abgeschminkt, als Zimmerpreise von bis zu 1000 Mark pro Nacht für ein Durchschnittshotel verlangt wurden. Jetzt sagt Denis Pierce, Manager einer Reisebürokette, die 5000 Ausländer nach Sydney bringen wird: "Während des Countdowns zu den Spielen werden die Preise heftig ins Wackeln kommen."
John Morse, der Chef der Australian Tourist Commission, einer staatlichen Behörde zur Förderung des Tourismus, erklärt: "Die Olympischen Spiele sind wie jede andere große Veranstaltung. Leute werden von dem Fieber angesteckt und haben manchmal unrealistische Erwartungen." Morse erwartet im übrigen bei den Schwulen- und Lesbenspielen (Gay Games) im November 2002 wesentlich mehr Besucher aus dem Ausland als bei Olympia.
Auch der pannengeplagte Flughafen gibt Entwarnung. Pro Tag werden im Schnitt nur 25 bis 40 Flugbewegungen mehr erwartet als zur selben Zeit im Vorjahr. In Sydney selbst werden die vorgezogenen Schulferien Entlastung auf Straßen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln bringen. Die Schulbehörde schickt Kinder und Lehrer vom 11. September bis zum 2. Oktober in den Urlaub.
Manche olympischen Unternehmungen scheinen sogar zum völligen Flop zu werden. So hat das Organisationskomitee SOCOG bisher gerade einmal 100 der über 600 Kabinen auf dem Schiff "Niewe Amsterdam" vermietet und muss möglicherweise einen Verlust von rund fünf Millionen australischen Dollar (6,35 Millionen Mark) wegstecken.
Alexander Hofmann, dpa