Ticketkauf: Jeder dritte Bahnkunde wird schlecht beraten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Ticketkauf Jeder dritte Bahnkunde wird schlecht beraten

Die Vereinfachung der Bahnpreise scheint die Beratung nicht einfacher gemacht zu haben: Das Personal empfiehlt den Kunden am Fahrkartenschalter nach wie vor oft zu teure oder zu umständliche Verbindungen. Laut einer Studie erreichen die Züge immerhin öfter pünktlich ihr Ziel.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Einem Bahntest des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und des Magazins "Stern" zufolge erhalten nach wie vor fast ein Drittel der Kunden beim Ticketkauf keine optimale Verbindung. Trotz der Reform des umstrittenen Preissystems für Fernzüge im vergangenen August bekamen die Tester in 142 Reisezentren erneut nur zu 69 Prozent die bestmögliche Auskunft.

Dagegen waren 31 Prozent der Empfehlungen ungünstig: Wären sie den Auskünften gefolgt, hätten die Kunden im Schnitt 15,64 Euro zu viel gezahlt - in einem Fall sogar 78,80 Euro -, und die Reise wäre eine Stunde und 24 Minuten zu lang sowie mit unnötigem Umsteigen verbunden gewesen - der Extremwert lag bei sieben Stunden und 32 Minuten. Ausgerechnet bei einfacheren Verbindungen war die Beratung am seltensten optimal (60,2 Prozent). Thomas Krautscheid vom Umfrage-Instituts Quotas sagte, wer sich bei der Bahn auskenne, der sei mit der Buchung im Internet am besten bedient.

Probleme gab es auch bei der Verfügbarkeit der Sparpreise von 25 und 50 Prozent, die Frühbucher bei Festlegung auf einen Zug ohne Bahncard bekommen können. Fast in jedem fünften Fall (17,3 Prozent) war das Kontingent vergriffen. Ein Jahr zuvor lag die Verfügbarkeit bei 98 Prozent. Nötig sei mehr Transparenz, forderte VCD-Verkehrsexpertin Heidi Tischmann. Noch immer gebe es zudem zu viele unterschiedliche Preise zwischen zwei Zielen. Statt Fahrkartenschalter zu schließen, müsse gut ausgebildetes Personal genug Zeit für Auskünfte haben.

Wartezeit ist länger in größeren Bahnhöfen

Ein Bahnsprecher sagte, es werde bereits daran gearbeitet, die Preise schrittweise zu vereinfachen und vereinheitlichen. Auch die Wartezeiten in Reisezentren sollen verkürzt werden. Hierfür werde von Mitte des Jahres an eine neue Software eingeführt, die etwa Ticket und Platzreservierung auf einem einzigen Beleg ausgebe. Die Personal-Planung solle stärker an den Kundenströmen orientiert werden.

Ein Sprecher der Verkehrsgewerkschaft Transnet sagte, die von der Bahn geplante Reduzierung des Schalterpersonals sei "ein völlig falsches Signal". So plane die Bahn, etwa in Hamburg rund neun Prozent aller 79 Stellen an den Schaltern bis Ende des Jahres wegfallen zu lassen. Im Berliner Bahnhof Zoo seien es sogar 31 von 104 Stellen, in Düsseldorf zehn von 51 und in Bonn 13 von 46 Stellen. Insgesamt sollen nach Angaben von Transnet 600 von 4200 Stellen in diesem Bereich in diesem Jahr und weitere 400 im nächsten Jahr abgebaut werden. Die Tester des VCD hatten unter anderem ermittelt, dass gerade in größeren Bahnhöfen die Wartezeiten deutlich länger sind als in kleinen.

Immerhin konnten die Tester auch Positives vermerken: Die Züge waren deutlich pünktlicher als noch im Herbst 2003. Dabei schnitten Nahverkehrszüge mit 95,1 Prozent am besten ab. ICE und Intercity waren zu 88,3 Prozent pünktlich, das heißt nicht mehr als fünf Minuten zu spät am Ziel. Insgesamt rund 91 Prozent der Anschlusszüge an den getesteten 252 Bahnhöfen wurden erreicht.