Tourismusmesse ITB: Gaddafis Geisterstand - DER SPIEGEL
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Tourismusmesse ITB Gaddafis Geisterstand

Endlose Wüsten, kilometerlange Strände und historische Ruinen - so präsentiert sich Libyen auf der weltgrößten Touristikmesse ITB in Berlin. Doch mit der Realität haben die Hochglanzfotos zurzeit wenig gemein. Am Stand herrscht daher gähnende Leere, nicht einmal ihre Kugelschreiber werden die Tourismusmanager los.
Besucher am libyschen Messestand: Sensationsgier statt Reiselust
Besucher am libyschen Messestand: Sensationsgier statt Reiselust

Besucher am libyschen Messestand: Sensationsgier statt Reiselust

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS
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nordafrikanische Heimat in den höchsten Tönen preist

Berlin - "Libyen ist ein wunderschönes Land", sagt Tourismusmanager Ali Saidi. "Bei uns gibt es eine 1700 Kilometer lange Küste, Ruinen aus der Zeit der Römer und Wüsten, so weit das Auge reicht." Saidi ist ein freundlicher Mann, Anfang 50 und mit einer angenehmen Stimme, und unter normalen Umständen würde man ihm gerne länger zuhören, wenn er seine .

Das libysche Regime hat der Welt in den vergangen Wochen sein hässliches Gesicht gezeigt

Doch die Umstände sind nicht normal. - statt sattgrüner Palmen und azurblauer Strände sendeten die Medien Bilder von brennenden Krankenhäusern und blutüberströmten Regimegegnern. Und deshalb gibt es auf der internationalen Reisemesse ITB in Berlin kaum jemanden, der Ali Saidi noch zuhören will.

Keiner will Gaddafis Kulis

Während sich die benachbarten Messestände von Marokko oder Syrien vor Besuchern kaum retten können, herrscht am Stand Libyens nahezu gespenstische Ruhe. Zehn Tische mit Stühlen und mehrere Sofas haben sie auf sandgelben Teppich aufgestellt, doch Platz nimmt darauf niemand. Die meisten Besucher werfen einen kurzen Blick auf die bunten Plakate und eilen schnell weiter. Die wenigen, die stehen bleiben, befriedigen ihre Sensationsgier und nicht den Wunsch, mehr über Libyen als Reiseland zu erfahren.

Zwei Mitarbeiter des Standes fläzen sich in eines der Sofas und spielen gelangweilt mit ihren Handys. Als sich ihnen ein Mann zielstrebig nähert, zucken sie kurz zusammen. Doch der Herr mit der großen Tüte hat es offensichtlich nur auf die Kugelschreiber abgesehen, die gut sichtbar neben Hochglanzprospekten auf dem Tresen liegen. Vorsichtig nimmt er einen in die Hand, list die Aufschrift, zögert kurz und legt ihn dann wieder zurück.

Kulis von Gaddafi - da verzichtet er lieber.

"Das ist hier in diesem Jahr eine ganz harte Aufgabe für uns", sagt Tourismus-Manager Saidi. "Aber wir mussten hier einfach präsent sein, um unseren Partnern zu zeigen, dass es uns noch gibt." Er selbst kommt seit 1994 zur ITB, doch so wenig Interesse wie in diesem Jahr hat er noch nie zuvor erlebt. Einen Schuldigen dafür hat er auch schon ausgemacht: die westlichen Medien. "Dort wird ein falsches Bild vermittelt", sagt er. "Der Konflikt ist in Wirklichkeit lange nicht so groß, wie er im Fernsehen wirkt."

So gebe es sichere Regionen im Norden und im Süden Libyens, die man auch jetzt ohne Bedenken bereisen könne.

Nicht ein Tourist in Libyen

Doch angesichts der öffentlichen Meinung hält es Saidi für aussichtslos, diese noch zu bewerben. Zumal aktuell nicht ein einziger Tourist in Libyen sei und die Saison bereits im Mai ende. Stattdessen hofft er nun auf die kommenden Jahre. "Wir nutzten jetzt die Gelegenheit, um neue Kontakte zu knüpfen." Aus Deutschland gebe es zwar keine Interessenten, dafür aber aus den arabischen Ländern und aus Slowenien oder Polen.

Woher die Touristen kommen, ist ihm egal, da ist Manager Saidi pragmatisch.

Neben seiner Firma "Safari Tourism Services" halten noch fünf weitere Reiseveranstalter aus Libyen die Stellung. Ausgelegt ist der Messestand für 17 Firmen - alle anderen haben vorher abgesagt.

Das sei ein Fehler, sagt Mohamed Zaglout von der "Africana Company", der zwei Hotels im Libyen leitet. "Irgendwann wird dieser Konflikt vorbei sein, und dann werden auch die Touristen wieder kommen." Wer jetzt die richtigen Kontakte knüpfe, habe die beste Ausgangslange, wenn das Geschäft wieder anspringe.

Seine Zuversicht, dass das bald passieren wird, begründet Zaglout mit der Geschichte des nordafrikanischen Landes. "Libyen als Tourismusland wird schon seit 1960 vermarktet", sagt er. Krisen habe es seither genug gegeben, und sie alle hätten den Fremdenverkehr nicht in die Knie zwingen können. "Lockerbie konnte uns nicht stoppen, das Embargo danach konnte uns nicht stoppen, und der Konflikt jetzt wird uns auch nicht stoppen können", sagt er.

Auf welchen Ausgang des Bürgerkriegs er persönlich hofft? Da möchte der Manager lieber nichts Konkretes antworten. "Politik ist Politik und Tourismus ist Tourismus", sagt er sibyllinisch, bevor er sich wieder in sein Handy vertieft.

Die gähnende Leere an seinem Stand deutet jedoch darauf hin, dass die meisten Messebesucher in dieser Frage anderer Meinung sind.