Tricks der Touristen-Abzocker: Fliegende Babys, falsche Parkwächter - DER SPIEGEL
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Tricks der Touristen-Abzocker Fliegende Babys, falsche Parkwächter

Nicht nur für Reisefreunde, auch für Diebe und Betrüger ist die Urlaubszeit die schönste Zeit des Jahres. Manche sind besonders kreativ darin, unvorsichtige Touristen um ihre Urlaubskasse zu bringen - verkleidet als Parkplatzwächter oder Fremdenführer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Seele baumeln lassen, in der Sonne brutzeln, fremde Kulturen erforschen - wer in Urlaub fährt, will die Probleme des heimischen Alltags vergessen. Und lässt dabei auch manchmal jegliche im Alltag geübte Vorsicht fahren. Das böse Erwachen kommt erst, wenn der freundliche Herr, der sich anbot, ein Familienfoto zu schießen, mit der nagelneuen Digitalkamera davonrennt. Oder wenn sich die auf der Straße gewechselten Banknoten als Falschgeld entpuppen. Viele Betrüger sind noch weitaus geschickter - doch wer ihr Schauspiel durchschaut, kann oft das Schlimmste verhindern. SPIEGEL ONLINE stellt die fiesesten Tricks vor.

China: Künstler in Geldnot

Junge Chinesen sprechen Touristen an und geben sich als Maler aus. Sie führen den Gast in eine Galerie in irgendeinem Hinterhof, erzählen von diversen chinesischen Top-Museen, in denen sie schon ausgestellt hätten. Ob man nicht eines ihrer Bilder kaufen könne, sie bräuchten unbedingt Geld, um der kranken Schwester eine Operation zu bezahlen. Meistens stellen sich die Bilder als Reproduktionen bekannterer Gemälde heraus, die dann stark überteuert angeboten werden.

Italien: Falsche Parkwächter

Ein Parkplatz in der Nähe der antiken Ruinenstadt Pompeii in Italien entpuppte sich für eine Touristin als Falle, wie das amerikanische Magazin "Condé Nast Traveller" berichtet. Die Reisende zahlte dem Parkplatzwächter die verlangte Gebühr, schloss ihren Mietwagen ab und ging auf Besichtigungstour. Als sie zurückkam, war ihr komplettes Gepäck gestohlen. Erst bei der Polizei erfuhr sie, dass auf ihrem Parkplatz in der Nähe des Bahnhofs überhaupt keine Überwachung existierte.

Taxibetrüger und Reifenschlitzer

Weltweit: Betrügerische Taxifahrer

Ob in Thailand oder Mexiko, Südamerika oder Afrika: Taxifahrer, die Touristen überhöhte Preise abknöpfen, sorgen für getrübte Urlaubsfreuden. Eine Variante ist, zu behaupten, dass der Taxameter defekt sei, und dann einen Preis zu verlangen, der deutlich höher ist als üblich. Besonders clever sind die betrügerischen Fahrer in Ägypten – wer sich dort morgens zu einer Sehenswürdigkeit bringen lässt und sich abends wieder abholen lässt, muss wegen der "Wartezeit" oft für die Rückfahrt das Doppelte zahlen. Deshalb ganz wichtig: immer vor der Fahrt den Preis abklären.

In Bangkok, einem wahren Mekka der Touristen-Abzocke, bringen Taxi- oder Tuk-Tuk-Fahrer wohlhabend wirkende Reisende gerne in angeblich besonders günstige "offizielle" Juweliergeschäfte. Auch wenn die Verkäufer versichern, in Europa ließen sich die Saphire und Jadesteine für ein Vielfaches des Preises weiterverkaufen – von solchen Geschäften sollte man tunlichst die Finger lassen.

Südeuropa: Platter Reifen

Eine besonders gemeine Art des Diebstahls kommt gelegentlich in Frankreich und Spanien vor: Zunächst stechen Gauner auf dem Parkplatz oder sogar an einer roten Ampel ein Loch in den Reifen, dann bieten sie oder ihre Komplizen scheinheilig ihre Hilfe beim Reifenwechsel an. Von der handwerklichen Herausforderung abgelenkt, merken die Reisenden gar nicht, dass gleichzeitig ihr Handschuhfach von Wertsachen befreit wird.

Variante: Bei einem Tankstopp wird der Reifen beschädigt, dann geben sich die Schuldigen als Mechaniker aus und helfen bei der Reparatur – gegen eine völlig überteuerte Gebühr.

Kartenleger und Automaten-Kleber

USA: Trickreiche Kartenkünstler

An diversen Straßenecken in New York fallen immer wieder Touristen auf die Tricks von Kartenzauberern herein. Auch wenn die Chancen, gegen einen geringen Geldeinsatz aus drei Karten die Pik-Königin herauszupicken, auf den naiven Beobachter zunächst höchst verlockend wirken: Wer hier gewinnt, ist höchstwahrscheinlich ein Komplize des fingerfertigen Magiers, der den Umstehenden vorgaukeln will, dass sie tatsächlich eine Chance haben.

Weltweit: Geldautomaten-Betrug

Wenn die Bankkarte im Geldautomaten stecken bleibt, könnte das an geschickt angebrachtem Klebstoff liegen. Der freundliche Mensch, der "zufällig" daneben steht und seine Hilfe anbietet, ist deshalb nur bedingt vertrauenswürdig. Wenn er dann noch den Rat gibt, einfach nochmals die Geheimnummer einzugeben, kann sich der Bankkunde eines aufmerksamen Zuschauers sicher sein – sobald man dann entnervt aufgibt und die Karte stecken lässt, räumt der angebliche Helfer das Konto leer.

Fliegende Babys und teure Führungen

Indien: Gratis-Fremdenführer

Wenn sich in Indien jemand als kostenloser Fremdenführer anbietet, geht die Tour höchstwahrscheinlich nicht zu versteckten Sehenswürdigkeiten, sondern zu völlig überteuerten Souvenir-Shops. Dort lässt man die Gäste erst gehen, wenn sie etwas kaufen, der Führer kassiert natürlich eine satte Provision. Auch gibt es Berichte von angeblichen Fremdenführern, die ihre Opfer zunächst zu Schließfächern für ihr Gepäck führen. Während der Tourist sich an den nahe liegenden Sehenswürdigkeiten ergötzt, macht sich der doch nicht so uneigennützige Helfer dank Zweitschlüssel mit dem Gepäck davon.

Italien: Der Babytrick

Der Klassiker aus Italien: Eine Mutter mit Baby im Arm tut so, als würde sie stolpern, drückt dabei scheinbar unabsichtlich dem verdutzten Reisenden das Kleinkind - oder eine Puppe - in den Arm. Wer instinktiv zugreift und dabei seine Taschen fallen lässt, wird anschließend schnell von Komplizen der angeblichen Mutter ausgeraubt. Manche werfen sogar eine Puppe durch die Luft, noch ausgefuchster wird der Trick durch einen falschen Arm, mit dem die Frau die Puppe an ihrem Körper befestigt – dann nämlich hat sie beide Hände frei, um nach Taschen und Portemonnaie zu greifen.

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