Unsichere Lage Veranstalter sagen Japan-Reisen bis Ende April ab
Tempel in Kyoto: Auch Reisen in den bislang nicht betroffenen Süden wurden abgesagt
Foto: KAZUHIRO NOGI/ AFPKiel/München - Die deutschen Reiseveranstalter haben wegen der atomaren Katastrophe in Japan alle Reisen in das Land bis Ende April abgesagt. "Nach den Nachrichten der vergangenen Tage möchten wir im Moment niemandem zumuten, nach Japan zu reisen", sagte Ury Steinweg, Geschäftsführer von Gebeco in Kiel. "Wir wissen einfach zu wenig."
Auch Studiosus in München begründet die Absage mit der unübersichtlichen Lage und der radioaktiven Gefahr. JF Tours in Solingen verweist auf die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes, die am Mittwoch noch einmal verschärft wurden. Das Ministerium warnt vor Aufenthalten im Nordosten der Insel Honshu und rät von nicht erforderlichen Reisen nach Japan ab. Alle Deutschen sollten aus dem Großraum Tokyo/Yokohama nach Osaka oder über Osaka ins Ausland ausweichen.
Die Rewe Touristik (Dertour, Meier's Weltreisen und ADAC Reisen) bietet ihren Kunden an, ihre Japanreisen bis Ende Mai kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. Gebühren Dritter, zum Beispiel von Hotels oder Fluggesellschaften, würden aber an die Kunden weitergereicht, erklärte Sprecherin Antje Günther.
Wer seine Reise für Mai bei Studiosus gebucht hat, kann nur gratis umbuchen, für Stornos werden Gebühren fällig. Im Mai gebe es nach dem Ende der Osterferien wieder reichlich Alternativen, sagte Studiosus-Sprecher Frano Ilic. In China sei zu dieser Zeit Hochsaison, auch Nordindien biete sich als Ausweichziel an. Und natürlich stehen auch klassische Badeziele wie die Türkei oder Spanien zur Wahl.
Ury Steinweg vermutet, dass die meisten Urlauber lieber ihre Reise stornieren werden, als auf ein anderes Land umzubuchen - oder erst im Herbst nach Japan fliegen. "Für viele ist das eine Reise, die man einmal im Leben macht. Darauf haben manche lange gespart."
Gestiegenes Interesse an Rückflügen nach Europa
Fluggesellschaften, die Verbindungen von Japan nach Deutschland anbieten, verzeichnen derweil eine erhöhte Nachfrage. Nach den Atomunfällen gebe es in Japan einen "erhöhten Nachfragedruck", sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow am Mittwoch in Frankfurt. Seine Ticketpreise habe das Unternehmen aber "definitiv nicht angefasst".
Die Lufthansa hat ihre beiden täglichen Tokio-Flüge derzeit nach Nagoya und nach Osaka im Süden der Insel Honshu umgeleitet. Insgesamt bietet sie weiterhin vier tägliche Japan-Flüge an: Zweimal geht es von Nagoya nach Frankfurt und jeweils einmal von Osaka nach München und Frankfurt. Bei dieser Regelung bleibe es zunächst bis einschließlich des Wochenendes, kündigte Jachnow an.
Die Tendenz gehe dahin, dass die Maschinen ausgebucht sind. Restplätze gebe es zu entsprechend höheren Preisen als in der Economy vor allem in der First und der Business Class. "Wir können ja hinten keinen Anhänger dranhängen", sagte Jachnow.