Urlaub im Club Alles auf einmal
Hannover - Eines wollen überzeugte Cluburlauber ganz bestimmt nicht: zwei Wochen einfach in der Sonne braten. Im Gegenteil, für die meisten kann der Urlaub gar nicht aktiv genug sein. Tauchen und Tennis reicht bei den Sportangeboten schon lange nicht mehr aus. Cluburlauber sind trendbewusst und anspruchsvoll und wollen, wenn sie mit dem Nachwuchs verreisen, auch noch ein umfangreiches Animationsprogramm. Das Club-Angebot ist immer breiter und gleichzeitig spezialisierter geworden. Aber längst nicht überall, wo Club draufsteht, ist auch Club drin.
"Im Vergleich zu den Pauschalreisen ist Cluburlaub ein kleines Segment", sagt Torsten Kirstges von der Fachhochschule in Wilhelmshaven. "Das betrifft nur etwa 1,5 Prozent aller deutschen Urlauber." Was sie reizt, ist gerade die Kombination aus Angeboten, die sich sonst oft ausschließen: Sie wollen mit der Familie Urlaub machen, viel Zeit für eigene Aktivitäten haben und auch noch aus einem breiten Angebot an Freizeitgestaltung wählen können. "Dieser Spagat geht im Club am besten", sagt Kirstges.
Ganz neu ist das nicht: Cluburlaub gibt es schon seit mehr als einem halben Jahrhundert. Vorreiter war der französische Club Med. Der erste Robinson Club eröffnete 1971, die erste Aldiana-Clubanlage zwei Jahre später. Robinson, inzwischen unter dem Dach der TUI in Hannover, ist mit 315.000 Gästen im vergangenen Jahr auf dem deutschen Markt klar die Nummer eins, gefolgt von Aldiana aus dem Thomas-Cook-Konzern mit etwa 150.000 Gästen.
Wellfit und Luxus
Die Robinson-Urlauber wollen eigentlich alles auf einmal, ergab eine Gästebefragung: "Entspannung, Sport, Unterhaltung, Action und Genuss". Die Hälfte der Gäste treibt regelmäßig Sport und macht keinen Urlaub, um darauf zu verzichten, 80 Prozent finden "Wellfit" wichtig. Fast 18 Prozent machen ihre Urlaubsentscheidung sogar vom Golfangebot abhängig. Gut ein Dutzend Golfanlagen gibt es deshalb inzwischen in Robinson Clubs. "Die Cluburlauber sind immer anspruchsvoller geworden", sagt Robinson-Geschäftsführer Max-Peter Droll.
"Cluburlaub hat schon etwas mit Luxus zu tun, damit, sich verwöhnen lassen zu wollen", sagt Kirstges. "Das Zahlenverhältnis von Animateuren und Gästen ist auch viel höher als im Hotel." Ganz wichtig ist für den Cluburlauber Kirstges zufolge, das "Community-Denken", das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein: "Deswegen wirbt Aldiana auch mit dem Slogan 'Urlaub unter Freunden'."
Cluburlauber sind daher auch extrem markentreu: Fast drei Viertel (74 Prozent) der Gäste in Robinson Clubs sind Stammgäste, überzeugte Wiederholungstäter, die im Schnitt bereits mehr als sechsmal mit Robinson gereist sind. "Man wechselt nicht einfach mal von Robinson zu Aldiana oder umgekehrt", sagt Kirstges.
Insgesamt sei Cluburlaub nach wie vor eher etwas für Besserverdienende, sagt der Tourismusexperte. "Das ist genau wie bei der Kreuzfahrt nicht mehr so elitär wie früher, aber immer noch kein Urlaub für jedermann." Cluburlaub kostet Kirstges zufolge im Schnitt etwa 1300 Euro pro Woche. "Eine Familie ist dann also schnell 5000 Euro los."
Auf jeden Fall sei es ein "hochwertiges Produkt", sagt Aldiana-Sprecherin Dorothea Hohn. Fast drei Viertel der Aldiana-Gäste verfügen über ein Einkommen von mehr als 3000 Euro brutto, 78 Prozent zählen zur Gruppe der Selbständigen oder leitenden Angestellten - ähnlich sieht es bei den Gästen der Robinson Clubs aus.
Viele Hotels nennen sich Club
Ganz einfach haben es die Clubbetreiber nicht: "Viele Hotels haben das Konzept kopiert", sagt Kirstges. "Die Grenzen zwischen Cluburlaub und All-inclusive-Reisen verwischen immer stärker." Um ihr Profil zu schärfen, müssen die Clubs deshalb noch mehr in ihr Animations- und Eventprogramm investieren.
"Clubs haben enorme Fixkosten", sagt der Tourismusexperte. "Wenn die Auslastung mal nicht stimmt, haut das gewaltig rein." Anders als manches Drei-Sterne-Hotel könne ein Robinson Club schließlich nicht einfach das Angebot am Büfett oder das Animationsprogramm deutlich reduzieren, nur weil weniger Gäste da sind.
Aber auch die Zahl der Cluburlaubanbieter ist deutlich gewachsen: Die TUI beispielsweise fährt mit den Robinson- und den Magic-Life-Clubs inzwischen zweigleisig. Andere Veranstalter wie ITS mit den Calimera Clubs und Alltours mit den Clubs Alltoura sind hinzugekommen. Auf dem Markt tummeln sich Kirstges zufolge aber noch etliche andere, die mit Cluburlaub werben, längst aber nicht den gleichen Service bieten. "Es gibt viele Hotels, die sich einfach Club nennen", sagt auch Robinson-Geschäftsführer Max-Peter Droll.
Kirstges erwartet beim Cluburlaub einen Trend zur Spezialisierung: Schon längst lässt sich im Katalog nachschlagen, ob die Clubanlage eher für Familien, Paare oder Singles optimal ist. Und auch das Angebot an Freizeitaktivitäten differenziert sich immer mehr aus: Golfspieler mit Kindern, die sich für Kitesurfen, Katamaranfahren und Reiten interessieren, finden im Club ebenso das passende Angebot wie ältere allein Reisende, die Kindergeschrei nervig finden, gerne Mountainbike fahren und im Urlaub ein Weinseminar belegen möchten. Einen reinen Senioren-Club dagegen gibt es noch nicht. "Wird es auch nicht", sagt Max-Peter Droll. "Das wollen die Gäste nicht, schon gar nicht die älteren."
Von Andreas Heimann, gms