Urlaubsreisen: Rezessionsangst bremst Reiselust - DER SPIEGEL
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Urlaubsreisen Rezessionsangst bremst Reiselust

Ferien auf dem eigenen Balkon: Aus Angst vor Rezession und Arbeitslosigkeit haben viele Deutsche ihr Urlaubsbudget stark gekürzt. Doch jetzt setzt die Tourismusbranche auf den Nachholbedarf von Urlaubsreifen: Sie erwartet ein Umsatzwachstum von fünf Prozent.
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Stuttgart - Zwischen Januar und Oktober 2002 wurden 43,9 Milliarden Euro für Reisen bezahlt. Das seien 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr, sagte der Präsident der ausländischen Fremdenverkehrsämter Italo Somarriello vor der Eröffnung der Ausstellung für Caravan Motor Touristik (CMT) in Stuttgart. Dort präsentieren sich bis zum 26. Januar rund 1400 Aussteller aus 80 Ländern.

Die deutsche Tourismusbranche erwartet nach dem "Angst-Sparen" im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von fünf Prozent. "Da hat sich erheblicher Nachholbedarf aufgestaut, der uns für das Jahr 2003 hoffen lässt", sagte der Präsident des Bundesverbands der deutschen Tourismuswirtschaft, Klaus Laepple. Um das Geschäft anzukurbeln, lockten Anbieter in diesem Jahr mit Preissenkungen von durchschnittlich acht bis neun Prozent und zahlreichen Frühbucher-Offerten. Sogar für den Kriegsfall hat sich die Branche gewappnet: Die Reiseveranstalter hätten Notfallpläne entwickelt, diejenigen mit Reisezielen im Mittleren Osten ans westliche Mittelmeer oder auf die Kanarischen Inseln umzuleiten, sagte Laepple. Auch 1991 hätten die Anbieter von Pauschalreisen trotz des Golfkrieges mit einem Umsatzwachstum von 9,9 Prozent abgeschlossen.

Besonders Spanien habe unter den europäischen Urlaubsländern größere Einbußen verzeichnet; sagte Somarriello. Dort schrumpften 2002 die Einnahmen aus Deutschland um knapp acht Prozent auf 6,2 Milliarden Euro. Frankreich verzeichnete Rückgänge von 1,5 Prozent, Österreich von 0,8 Prozent. Auch beim Urlaub im eigenen Land traten die Deutschen kürzer: Nach Angaben von Laepple ging die Zahl der Übernachtungen deutscher Gäste zwischen Januar und September 2002 um 3,2 Prozent zurück.

In Italien haben die Deutschen mehr ausgegeben. Das Land verbuchte einen Einnahmenzuwachs aus Deutschland von 3,4 Prozent auf 8 Milliarden Euro. Griechenland nahm mit 1,36 Milliarden Euro 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr ein und die Türkei steigerte ihre Einnahmen um 1,7 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro. Zuwächse verzeichneten laut Somarriello auch Bulgarien und Kroatien.

Nach den Terroranschlägen islamistischer Fundamentalisten könne von einem Boykott islamischer Länder keine Rede sein, sagte Laepple mit Blick auf die Türkei: "Da ist auch gut so, denn der Tourismus ist nicht nur die größte und erfolgreichste Friedensinitiative weltweit, sondern auch der größte Arbeitgeber." Rückzug von Urlaubern aus Schwellen- und Entwicklungsländern habe dort Massenarbeitslosigkeit zur Folge, die wiederum der beste Nährboden für Terror-Organisationen sei.