USA: Sahnetorte als Staatssymbol - DER SPIEGEL
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USA Sahnetorte als Staatssymbol

Schichttorte oder Schlittenhund, Sojabohne oder Snowboard - US-Bundesstaaten setzen auf landestypische Symbole zur Vermarktung ihrer Regionen. Selbst Sportarten werden zu offiziellen Wahrzeichen erhoben. Der Sinn der Inflation von Bundesstaatssymbolen ist allerdings umstritten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington - Wenn es um ihre Wahrzeichen geht, sind Politiker in den US-Bundesstaaten kreativ: Sportarten, Lieder, Süßspeisen und Hunde haben es schon zu regionalen Markenzeichen gebracht, ständig kommen neue hinzu.

Die US-Bundesstaaten versprechen sich von den Aushängeschildern zusätzliche Einnahmequellen. Politiker liefern sich in den Parlamenten heftige Debatten darüber, welcher Hund, welcher Vogel oder welche Kalorienbombe denn zum gesetzlich festgelegten Staatssymbol aufsteigen wird. Allerdings leuchtet nicht jedem Wähler auf Anhieb ein, wozu offizielle Symbole wie Walking oder Karussells gut sein sollen.

Vermont, der Snowboard-Staat

Dass das verschneite Alaska das Hundeschlittenrennen zur offiziellen Sportart erhoben hat und das sonnenverwöhnte Hawaii das Surfen, überrascht nicht. Doch wer hätte gedacht, dass die Regierung in Vermont erwägt, dem Snowboarden diese Ehre zuteil werden zu lassen? Der Grund leuchtet nur Eingeweihten ein: Der Bundesstaat will der erste gewesen sein, der die Bretter auf seinen Pisten erlaubte.

Maryland wirbt mit einer ungewöhnlichen Sportart für sich, dem Ringreiten. Schon die ersten Gouverneure sollen den Reitsport betrieben haben, wie Jules Smith vom Maryland Renaissance Festival erzählt. Damit nicht genug, will sich Maryland auch noch eine Süßspeise als Wahrzeichen zulegen - schließlich hat Massachusetts schon seinen "Boston Creme Pie", Florida den "Key Lime Pie" und South Dakota dank der deutschstämmigen Siedler seinen "Kuchen".

Marylands Abgeordneter Page Elmore hat nun eine Gesetzesinitiative gestartet, um den aus zehn Lagen bestehenden "Smith Island Cake" zur offiziellen Süßspeise seines Bundesstaats zu erklären. Britische Soldaten sollen die Torte 1812 über den großen Teich gebracht haben. "Wäre der 'Smith Island Cake' unser offizielles Dessert, könnten unsere Bäcker und für die Damen auf der Insel, die den Kuchen seit Generationen backen, viel Geld verdienen", sagt Elmore. Angesichts der rückläufigen Zahlen beim Krabben- und Austernfang könnten die Bewohner von Smith Island die zusätzlichen Einkünfte gut gebrauchen, findet er.

Krach um Walking in Maryland

Aber wenn Maryland demnächst über eine offizielle Kalorienbombe verfügt, über eine ungewöhnliche Sportart sowie mit dem Chesapeake Bay Retriever auch über eine offizielle Hunderasse - warum sollte es sich nicht auch noch eine offizielle Fitnessart zulegen und damit zum Pionier unter den Bundesstaaten der USA werden? Senatorin Verna Jones unterstützt bereits eine entsprechende Gesetzesinitiative: Kommt sie damit durch, wäre Walking ein weiteres Wahrzeichen.

Dass Abgeordnete stundenlang über neue Wahrzeichen debattieren, trifft nicht überall auf Zustimmung. Als Walking vor fünf Jahren schon einmal Marylands Aushängeschild werden sollte, legte der damalige Gouverneur sein Veto ein: Die Fitnessart sei nicht "typisch für Maryland", monierte er. Dass die Idee jetzt wieder aus der Schublade gezogen wurde, verärgert viele Wähler. In einem Brief an Senatorin Jones bezeichnete ein wütender Bürger die Initiative als "typisch liberalen Wohlfühlnonsens", wie Jones' Mitarbeiterin Evelyn Eldredge berichtet.

Eldredge kann die Aufregung nicht verstehen. Sie erhofft sich von der Initiative viel Nutzen für wenig Geld: Immer mehr Einwohner hätten mit Fettleibigkeit zu kämpfen, da könnte die Kampagne doch nichts schaden - zumal Walking nichts kostet und bis ins hohe Alter betrieben werden könne. Die Initiative selbst koste nur etwas Zeit für den Gesetzgebungsprozess und die Anhörungen. Oft sind es übrigens die Bürger selbst, die neue Wahrzeichen vorschlagen. Auch die Idee mit dem Walking kam ursprünglich von einem Schuljungen.

Colorados Karussells

In Colorado fand eine Mädchenpfadfindergruppe rasch Gehör mit ihrem Wunsch, den "Yule"-Marmor zur offiziellen Gesteinsart zu erklären. In Minnesota wiederum waren es Kindergärtnerinnen, die das Kirmesfahrgeschäft "Tilt-A-Whirl" als Erkennungszeichen des Staates vorschlugen - das Karussell mit den drehenden Autos wurde 1926 in Faribault in Minnesota erfunden.

Der Abgeordnete Patti Fritz hat bereits eine entsprechende Gesetzesinitiative gestartet. "Die Kirmes ist ein wichtiger Teil unserer Kultur. Da wäre es doch nur angemessen, ein Fahrgeschäft zum Wahrzeichen zu machen", sagt Fritz' Mitarbeiterin Kate Perushek. Noch in diesem Jahr soll eine Entscheidung fallen.

Karin Zeitvogel, AFP