VCD-Test Bahn noch unpünktlicher
Berlin - Die zunehmende Unpünktlichkeit stellte der VCD in mehreren hundert Testfahrten fest. Rund 27 Prozent aller Fernverkehrszüge verspäteten sich mehr als fünf Minuten, hieß es. Auch die von Bahnchef Hartmut Mehdorn propagierte Erreichbarkeit der Anschlusszüge habe sich verschlechtert.
Der VCD bemängelte, Freundlichkeit allein reiche nicht aus, um neue Kunden für die Bahn zu gewinnen. Wenn Züge zu spät kämen, Anschlüsse nicht erreicht würden und Reisende im Gang stehen müssten, werde das Auto bevorzugt. Kritisiert werden vom VCD auch Qualitätsunterschiede zwischen Nah- und Fernverkehr. Zwar sei die Bahn im Nahverkehr pünktlicher. In punkto Freundlichkeit, Kompetenz des Personals und Reiseinformation schneide aber der Fernverkehr besser ab.
Für den zweiten VCD-Bahntest in Kooperation mit dem Magazin "Stern" und dem Meinungsforschungsinstitut Emnid waren im vergangenen September Experten auf mehr als tausend Alltagsfahrten unterwegs. Hinzu kam eine umfangreiche Telefonbefragung.
Im Fernverkehr stellten die Bahn-Beobachter fest, dass nur gut die Hälfte aller Züge bei Abfahrt und Ankunft pünktlich war. Im Nahverkehr fuhren fast 75 Prozent der Züge pünktlich ab und kamen auch rechtzeitig an. In mehr als elf Prozent der Fälle wurden die nötigen Anschlusszüge verpasst. Beim ersten Test waren dies noch 8,5 Prozent.
Zwar informiert die Bahn mittlerweile verstärkt über Verspätungen. Dennoch würden bei einem Drittel der unpünktlichen Züge die Reisenden im Unklaren gelassen. Deutlich verschärft habe sich das Gedränge in Zügen zur Hauptverkehrszeit. In 37 Prozent der untersuchten Fernzüge hätten Reisende mit Stehplätzen in den Gängen vorlieb nehmen müssen.
Einen negativen Trend stellten die VCD-Tester auch bei Speisemöglichkeiten in Zügen fest, die im Fernverkehr nur noch in knapp 85 Prozent der Züge angeboten wurden (Vorjahr: 91 Prozent).
Nach Darstellung der Bahn AG schaffen 97 Prozent alle Fahrgäste im Fernverkehr die geplanten Anschlusszüge. Mehr als 90 Prozent aller Personenzüge erreichten ihren Zielbahnhof pünktlich. Mit Blick auf die Kritik an zunehmend überfüllten Zügen verwies die Bahn auf das für Mitte Dezember geplante neue Tarifsystem. Davon erhofft sie sich eine gleichmäßigere Auslastung. Auch solle bis 2004 ein neues Reise-Informationssystem installiert werden.
Bestnoten bekam das Personal, das lange in der Kritik stand. "Die Zeiten der Behördenbahn, in denen Reisende nicht als Kunden, sondern wie "Beförderungsfälle" behandelt wurden, scheinen weitestgehend vorbei zu sein", erklärte der VCD. Für Freundlichkeit am Schalter vergaben über zwei Drittel der Tester die Noten "Gut" und "Sehr Gut".