Warten auf Schnee Skiorte verschieben Saisonstart
Hamburg/München - Wegen akuten Schneemangels eröffnen zahlreiche Wintersport-Orte in den Alpen ihre Skisaison später als geplant. "Es gibt derzeit alpenweit noch sehr wenig Schnee", sagt Andrea Händel vom Deutschen Alpenverein (DAV) in München. "In den Bayerischen Alpen geht bis auf die Zugspitze noch gar nichts". Es ist so warm, dass an vielen Orten noch nicht einmal der Kunstschnee aus der Kanone liegen bleibt. "Bei solch lauen Temperaturen kann man der Physik kein Schnippchen schlagen", sagt Stephan Bader, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter für Klimatologie am Meteo-Institut in der Schweiz.
Skifahren ist derzeit nur in den höheren Lagen und auf den vergleichsweise schneesicheren Gletschern möglich dort herrscht dafür umso mehr Betrieb: "Auf den schon offenen Pisten kann es eng werden", vermutet DAV-Sprecherin Händel. "Wir haben schon Skibetrieb auf der Zugspitze", bestätigt Birgit Bliesener von Garmisch-Partenkirchen Tourismus. Die Pisten seien durchgehend schneebedeckt, auf den tiefer gelegenen Skigebieten der Region liefen allerdings längst noch nicht alle Lifte. Snowboarder könnten deshalb alternativ in einen "kleinen Funpark" ausweichen.
Die allmähliche Temperaturzunahme im Zuge des Klimawandels stelle den Wintertourismus vor neue Herausforderungen, meint Bader. Immer seltener reiche die Schneefallgrenze bis in die Täler hinab, immer unzuverlässiger komme der Schnee. "Bereits zwischen 1988 und 1991 herrschten in den Schweizer Alpen mehrere Jahre durchgehend herbstliche Verhältnisse an Weihnachten", so Bader.
Gelassenheit in den Ski-Gebieten
In den weniger mit Schnee gesegneten Ski-Orten gibt man sich indes gelassen. Mit Livebands, Adventsmärkten und Sportparks versuchen viele Orte, Alternativprogramme anzubieten und ihre Gäste bei Laune zu halten. Touristen, die ohne Garantie auf genügend Schnee unter den Brettern anreisen, wird bisweilen sogar Preisnachlass in den Hotels gewährt.
In Kitzbühel peilt man die Saisoneröffnung für den 8. bis 10. Dezember an. "Wir werden nicht nervös", sagt Isabella Wambacher, Marketingleiterin bei Kitzbühel Tourismus. "Im Dezember gibt es hier oft einen Föhneinbruch da schmelzen die schon gefallenen Schneekrümel wieder weg wie Butter auf einem warmen Toast." Zwar sei die Region Kitzbühel in den letzten beiden Jahren mit frühem Schnee gesegnet gewesen; späte Wintereinbrüche habe es aber auch in der Vergangenheit schon regelmäßig gegeben. Kitzbühel biete außerdem reichlich Alternativprogramm: einen neuen Sportpark, Nachtgondelfahrten auf den Hahnenkamm, einen Adventsmarkt, Modenschauen und Livebands.
In der Region Montafon in Vorarlberg soll die lang ersehnte weiße Pracht laut Wetterbericht noch diese Woche kommen. Saisonstart ist im größten der sieben Skigebiete, der Silvretta Nova, der 8. Dezember. Am 9. und 10. Dezember soll dort dann die "MountainMania" mit verschiedenen Bands stattfinden. Es werde dann schon Schnee liegen, ist eine Sprecherin der Region überzeugt - die Silvretta Nova liegt immerhin auf 1500 Meter Höhe. Späten Schnee sei man indes schon gewohnt, meint Barbara Schwarzhans von Montafon Tourismus. "Vor drei Jahren hat es hier sogar erst um den 20. Dezember rum geschneit."
Skigebiete in Spanien noch geschlossen
Den Tiroler Skiort Ischgl konnte die schlechte Schneelage nicht vom pünktlichen Saisonstart am 1. Dezember abhalten. Der Tourismusverband Paznaun räumte allerdings ein, dass der Skibetrieb in der Silvretta-Arena wegen der aktuellen Warmwetterperiode nur eingeschränkt möglich sei. Als "Entschuldigung" für das Opening unter erschwerten Bedingungen versprachen die Tourismusvertreter ihren Gästen Gratis-Tageskarten und engagierten das US-Tanzensemble "Pussycat Dolls".
Im Schweizer Skiort Davos helfen sich die Betreiber mit Kunstschnee. Schon seit dem 18. November sind in den Skigebieten Parsenn und Jakobshorn jeweils zwei beschneite Pisten geöffnet. Dennoch macht sich auch hier der Schneemangel bemerkbar: Die Öffnung der Gotschnabahn wurde noch einmal um eine Woche auf den 9. Dezember verschoben, heißt es bei Davos Klosters Mountains. Die kleineren Gebiete Pischa, Madrisa und Rinserhorn sollen planmäßig am 22. Dezember in die Saison starten.
Auch im Resteuropa dauert das Warten auf den Schnee an: Die 31 Skigebiete in Spanien und Andorra sind wegen ausbleibender Schneefälle noch fast alle geschlossen. Wintersportler können allein in der Sierra Nevada in Südspanien auf einer notdürftig hergerichteten, vier Kilometer langen Piste Ski laufen, berichtete die Zeitung "El País". Die übrigen Pisten mit einer Gesamtlänge von 950 Kilometer sind derzeit nicht befahrbar.
"Es muss unbedingt noch Schnee nachkommen", sagt Andrea Händel vom DAV. Wintersportlern rät sie, sich vor der Reise beim zuständigen Fremdenverkehrsamt nach der aktuellen Schneelage zu erkundigen oder sich im Internet zu informieren. Noch ist das allerdings schwierig: Selbst der Deutsche Skiverband vermeldet auf seiner Internetseite lediglich ein lakonisches "Aufgrund der aktuellen Schneelage sind noch keine Schneeberichte vorhanden." Erste Berichte sollen Anfang Dezember folgen. Dann hoffentlich mit guten Nachrichten für alle Skifahrer, die langsam nervös werden.
ssu/Annika Graf und Thomas Kärst, gms