Washington D.C., USA Der Sicherheitsprofi
Der Mann, der schon lange außerhalb der Box denkt, heißt Rafi Ron, Israeli. Früher war er mal einer der ersten Skymarshalls, die bei der El Al mitflogen, um Kidnapper zu überwältigen. Später dann Sicherheitschef des Ben Gurion Flughafens in Tel Aviv, und heute gehört ihm die Firma "New Age Security Solutions" in Rockville bei Washington. Das ist zufällig dort, wo sich das Leiden am hyperventilierenden Luftsicherheitsapparat auch Politikern erschließt, die daran etwas ändern könnten.
So hatte Senator Ted Kennedy monatelang Schwierigkeiten, von Washington nach Hause zu fliegen, weil sein Name irrtümlich auf einer Schwarzen Liste angeblicher Terroristen stand. Ex-Verteidigungsminister William Cohen, der zwei künstliche Hüften aus Metall hat und vor jeder Kontrolle darauf hinweist, muss sich trotzdem jedesmal einer Sonderkontrolle unterziehen. Und ein Air Force General, der zu einem Veteranentreffen in West Point seine Congressional Medal of Honor dabei hatte die höchste Militärauszeichnung der USA empörte sich kürzlich darüber, dass seine Tapferkeitsmedaille am Flughafen konfisziert werden sollte. Die Kontrolleure wollten sie gleich schreddern lassen wegen der gefährlich scharfen Zacken.
"Allein mit traditioneller Technik geht es nicht"
Rafi Rons erster Auftrag war ein Sicherheitskonzept für den Logan Airport in Boston von hier aus waren beide Maschinen aufgestiegen, die am 11. September 2001 die Türme des World Trade Center trafen. Die Order: "Sorgen Sie dafür, dass so etwas nie wieder passiert."
Ron ist ein scharfer Kritiker der Kontrollen in Amerika und Europa, und die Anschlagspläne von London hält er nun für einen Wendepunkt. Wenn jede Flasche Shampoo und jeder iPod als Bombe taugt, wenn die Sprengsätze immer kleiner werden und schwerer zu entdecken sind, führt der bisherige Weg nicht mehr weiter. "Man sieht, dass es allein mit traditioneller Technik nicht geht." Nicht mit Sonden und mit Screenern, und vor allem nicht mit einem System, das Ron verächtlich "demokratische Sicherheit" nennt. "Unser größter Fehler ist, alle Passagiere für gleich gefährlich zu halten. Das führt tatsächlich zu einem Minus an Sicherheit."
Ron hat am Logan Airport deshalb das sogenannte "Behaviour profiling" eingeführt, im Fachjargon "Behavior Pattern Recognition" (BPR), bei dem nicht nur am Checkpoint, sondern überall am Flughafen nach Verdächtigen Ausschau gehalten wird. Gesucht wird nach Stressindikatoren, Schweiß, hüpfenden Adamsäpfeln, angespannten Gesichtern, gehetzten Blicken, hervorschwellenden Adern. Ron: "Diese Terroristen stehen unter ungeheurem Stress." Alle Auffälligen werden besonders gründlich kontrolliert, manchmal auch verhört. Einige sind nur hektisch, weil sie es eilig haben, oder Raucher, auf Entzug. Sie werden schon nach ein paar Fragen entlassen. Doch den wirr wirkenden Schuhbomber Richard Reid, da ist sich Ron sicher, den hätten seine professionell geschulten Leute nicht ins Flugzeug einsteigen lassen. Reid war zwar vor Abflug aufgefallen und interviewt worden, aber nach kurzer Befragung hatte man ihn doch ziehen lassen. Auch "einige der 19 Attentäter am 11. September" hätten seine Leute herausgefischt, sagt Ron.
Im Gegenzug empfiehlt der Sicherheitsexperte Ron dann auch "Trusted Traveller"-Programme, um die Flughäfen nicht kollabieren zu lassen. Auch allein reisende Kinder, Soldaten, Beamte oder Polizisten sollten die Personenchecks viel schneller hinter sich bringen können. "Wir brauchen die Zeit, um nach den wirklich Verdächtigen zu suchen."
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