Wassersportmesse: Schlauchboot mit Dusche - DER SPIEGEL
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Wassersportmesse Schlauchboot mit Dusche

Die 39. Internationale Bootsausstellung hat eröffnet. Seit dem Wochenende präsentieren sich Super-Luxus-Yachten, unsinkbare Kajaks und Schlauchboote mit Dusche und Kühlschrank in den Düsseldorfer Messehallen. Der Trend geht zu größeren Boote mit besserer Ausstattung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Düsseldorf - In Halle 6 auf dem Düsseldorfer Messegelände herrscht in diesen Tagen gedämpfte Stimmung wie in einer Kathedrale. Hier stehen die größten Yachten der "boot 2008". Links und rechts der Wege ragen sie meterhoch zum Hallendach empor. Und auf den Gängen zwischen den blank polierten Rümpfen dieser schwimmenden Luxusdomizile im Edelholz- und Weißleder-Look wird eher geflüstert - oder einfach nur gestaunt.

Blickfang Nummer eins ist die "Elegance '98" der Drettmann-Werft in Bremen: Die 30-Meter-Yacht, die ein Russe für mehr als sieben Millionen Euro hat bauen lassen, ist das größte Boot der Messe. Über die Steuerung seines zweimal 2400 PS starken Schiffes, das nach der Messe nach Marbella in Spanien überführt wird, braucht sich der neue Eigner keine Gedanken machen: Wie es zu dieser Preisklasse gehört, wird eine Crew das Boot auf Kurs halten.

Für viele Freizeitkapitäne ist die Steuerung aber ein zunehmend wichtiges Thema. Mit 46 Prozent sind heute fast die Hälfte aller Bootseigner älter als 55 Jahre, sagte Robert Marx, Präsident des die Messe ausrichtenden Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW), bei der Eröffnung der Messe am vergangenem Wochenende.

Welche Konsequenzen die mit dem Alter schwindenden Körperkräfte und die zunehmend eingeschränkte Beweglichkeit für den Bootsbau und die Bedienung von Segelyachten hat, war daher Thema des 2006 vom BVWW gestarteten Forschungsprojekts "Fit & Sail". Gerade Segelyachten sind bei Wind in engen Häfen schwer zu kontrollieren. Viele ältere Segler haben aus diesem Grunde nach misslungenen Manövern ihr Hobby aufgegeben.

Steuern per Joystick

Erste Ergebnisse können jetzt in Halle 17 betrachtet werden: Eine Entwicklung des Projekts ist der "ComfoDrive". Hauptmaschine und Querstrahlruder einer Yacht lassen sich mit dieser Technik bequem mit einer Hand über einen Joystick steuern. "Das System ist gemacht, um im Hafen mit dem Motor besser manövrieren zu können", erklärt Projektmitarbeiter Elmar Widera. Unter Segeln werde das Boot dann konventionell gesteuert. Laut Widera soll sich einmal jede Yacht mit dem System nachrüsten lassen, derzeit gibt es nur einen Prototyp.

Weitere Joystick-Steuerungen können in den Hallen 9 und 10 besichtigt werden: an den Ständen von Volvo Penta aus Schweden und bei Brunswick Marine.

Was beim Rummel um die teuren Boote leicht untergeht: In den Hallen wird auch eine Reisemesse abgehalten. Im "Erlebnispark Blaue Urlaubswelt" in Halle 13 können sich Interessierte über Destinationen und Trends beim Bootsurlaub informieren - von den besten Charterrevieren für Segel- und Motoryachten bis zu Kanutouren. Auch Taucher, Surfer und Angler finden in den Hallen die für ihren Sport attraktivsten Reiseziele.

Nach Angaben der Messe Düsseldorf sind in diesem Jahr vor allem größere und besser ausgestattete Charterboote gefragt. Davon profitieren die sogenannten Eigner-Yachten der Zwölf-Meter-Klasse, die bei gleicher Länge eine Kabine weniger haben als die eigens für das Chartergeschäft gebauten Modelle, dafür aber mehr Raum bieten.

Kroatien ist hoch im Segler-Kurs

Das steigende Angebot von Billigflügen nach Italien, Südfrankreich, Kroatien und Griechenland, fördert der Messe zufolge die Nachfrage in Segelrevieren, die nicht zu den klassischen Charterzielen gehören. Das Charterrevier Nummer eins ist aber nach wie vor Kroatien - wohl auch deshalb, weil die Häfen der kroatischen Küste für viele Teilzeitsegler aus Deutschland noch nahe genug sind, um mit dem eigenen Wagen anzureisen.

Viele Motorboot-Charterer ziehen dagegen Flüsse und Seen vor: Dem Arbeitskreis Charterboot des BVWW zufolge sind vor allem die Reviere in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg beliebt, in denen schwach motorisierte Boote auch ohne Sportbootführerschein gesteuert werden dürfen.

Der Trend zu größeren Booten mit besserer Ausstattung zeigt sich auch bei einer Bootsklasse, in der man dies wohl nicht vermuten würde: bei den Schlauchbooten. Das mehr als neun Meter lange Aufblasboot "Sillinger 900" in Halle 10 etwa hat einen Kühlschrank, eine Hifi-Anlage, einen 400-Liter-Einbautank, eine Dusche und auch noch Platz zum Sonnen. Der Preis liegt zwischen 140.000 und 160.000 Euro.

Arnd Petry, dpa

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