Weihnachtsurlaub: Virtueller Grabbeltisch - DER SPIEGEL
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Weihnachtsurlaub Virtueller Grabbeltisch

Online in den Urlaub starten, Last Minute im Internet buchen und über Weihnachten in die Ferien fliegen: Nirgendwo ist die Auswahl größer, nirgendwo lässt sich mehr sparen - und nirgendwo geht man leichter Betrügern ins Netz.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Michaela aus Kiel hat allen Grund zum Feixen: 980 Mark hat die 31-jährige für zwei Wochen Strandurlaub in der Dominikanischen Republik gezahlt. Last Minute. Vier Tage vor Abflug gebucht. Im Internet. Ihr Sitznachbar im Flieger hat 2180 Mark berappt. Für exakt dieselbe Leistung - gebucht vor drei Monaten ganz artig im Reisebüro. Ein Fehler, denn zehn Prozent aller deutschen Pauschalurlauber stürzen sich mittlerweile in den Schlussverkauf der Reisebranche und sparen bis zu 50 Prozent - Tendenz steigend.

So funktioniert Last Minute:
Als "Last Minute" darf nur beworben werden, was maximal 14 Tage vor dem Start des Ferienfliegers buchbar ist. Faustregel: Je näher der Reisebeginn rückt, desto günstiger wird es. In Last-Minute-Büros findet der "Ferien-Schlussverkauf" statt. Auf dem virtuellen Grabbeltisch gibt's zum Beispiel zwei Wochen Karibik für 999, eine Woche Strandurlaub auf Sri Lanka für 899, den Malediven für 892, in der Türkei für 249, in Tunesien für 279, den Flug nach Mallorca für nur noch 100 Mark - alles aktuelle Last Minute-Angebote, die bei Redaktionsschluss vorlagen. Normalpreis: Mindestens das Doppelte.

Wo man Last Minute buchen kann:
Größte Restplatzbörse Europas ist l'tur mit über einer halben Million Last-Minute-Buchungen pro Jahr - und über zwei Millionen Besuchern auf den Internetseiten pro Monat. Tickets und Reiseunterlagen flattern kurz nach der Buchung per Post herein oder werden am Flughafen hinterlegt, während der Reisepreis vom Konto oder über Kreditkarte abgebucht wird.
Bucher-Reisen, bisher auf Restplatz-Vertrieb übers Reisebüro spezialisiert, ist inzwischen auch im Web vertreten. Die Angebote stehen denen von l'tur preislich nicht nach. Offenes Geheimnis: l'tur verkauft viele TUI-Restkontingente, Bucher die vom Erzrivalen Neckermann. Herausforderer unter den Preisbrechern ist 5-vor-Flug - dahinter steckt Preisbrecher FTI-Touristik.

Wohin es die besten Angebote gibt:
Wenn sich ein Reiseziel über den Katalog nicht gut genug verkaufen lässt, dann überschwemmen Sonderangebote den Restplatzmarkt. Dominiert wird das Angebot von den aufkommensstarken Charterzielen - vor allem von den Kanaren, darüber hinaus von Mallorca, Türkei, Tunesien, der ägyptischen Rotmeerküste, im Fernreisebereich Kuba und der Dominikanische Republik. Preise und Angebote wechseln täglich.

Linienflüge auf die letzte Minute:
Lufthansa ist ins Last-Minute-Geschäft eingestiegen und vermittelt über die eigene Homepage ebenso wie über Partner wie l'tur Restplätze in den Linienmaschinen. Die Preise für freigebliebene Plätze auf innereuropäischen Kranich-Flügen purzeln frühestens drei, auf Interkontinentalflügen sieben Tage vor Abflug. Ersparnis: Im Schnitt 20 Prozent. Vorgeschriebene Mindestaufenthaltsdauer: Drei Tage.

Die Risiken und Nachteile:
Wer kurzfristig auf Fernreise geht, kann oft nicht rechtzeitig mit der Malaria-Prophylaxe beginnen und sich impfen lassen. Tropenmediziner warnen: Die Zahl der Erkrankungen steigt, weil die Zahl der Last Minute-Fernreisenden zunimmt.

Wovor man sich hüten muss:
Vorsicht ist vor Anbietern geboten, die mit dem Last-Minute-Begriff Etikettenschwindel betreiben und Touren zu den normalen Katalogpreisen als vermeintliche Billigangebote auf den letzten Drücker anpreisen - ohne einen einzigen Pfennig Nachlass. Die Stiftung Warentest hat ermittelt, dass man bei jedem fünften Kurzfrist-Angebot nichts gegenüber vergleichbaren Katalogangeboten spart. Drei von 40 getesteten Angeboten waren sogar teurer. Davor kann sich schützen, wer sich vor jeder Last-Minute-Buchung übers reguläre Preisniveau im Katalog informiert.

Worauf man achten muss:
Seit 1995 müssen Reiseveranstalter ihre Pauschalurlauber gegen Konkurs versichern, damit die ihre Ferien auch im Fall einer Pleite trotzdem antreten können. Diese Verpflichtung gilt auch für Last-Minute-Reisen - nicht jedoch für Flüge ohne Hotelarrangement. Dieses wichtige Kriterium für Seriosität eines Reiseanbieters lässt sich im Internet abfragen. Dort ist verzeichnet, ob und wo die Kundengelder eines Veranstalter gegen das Konkursrisiko versichert sind.