Weniger Luftraumsperren: Europa lockert das Flugverbot - DER SPIEGEL
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Weniger Luftraumsperren Europa lockert das Flugverbot

Der Himmel über Italien und der Schweiz ist bereits wieder offen, erste Maschinen in Frankreich und Deutschland heben ab: In Europa steigt die Hoffnung, dass bald eine Rückkehr zum Normalbetrieb möglich ist - auch dank einer schnell beschlossenen Regelung der EU.
Weniger Luftraumsperren: Europa lockert das Flugverbot
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Weniger Luftraumsperren: Europa lockert das Flugverbot

Foto: ddp
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Noch sind die Vorhersagen der Behörden wechselhaft und nicht eindeutig - doch die Lage im europäischen Luftraum hat sich am Dienstagmorgen im Vergleich zu den Vortagen erheblich verbessert. Neue Regeln erlauben einen flexibleren Umgang mit den Flugverboten. Auf diese Vorgaben hatten sich die 27 EU-Staaten am Montagabend geeinigt.

Demnach wird der Luftraum nur noch dort gesperrt, wo eine bestimmte Konzentration der Aschewolke überschritten ist. Grundlage dafür sind Satellitenbilder. Zudem gibt es eine Drei-Zonen-Regel: In Gebiet eins gilt ein absolutes Flugverbot, im zweiten können die Mitgliedstaaten entscheiden, ob sie Flugzeugen das Abheben erlauben, und im dritten Bereich ohne Aschegefahr ist das Fliegen unbegrenzt erlaubt.

Von der Regelung ausgenommen sind Flüge mit Sonderbefugnissen und solche, bei denen die Piloten auf Sicht fliegen (siehe Kasten links). Deswegen waren in Deutschland am Dienstag bereits erste Maschinen trotz des Flugverbotes unterwegs.

Nach Angaben der Flugsicherheitsagentur Eurocontrol ist der Luftraum über 75 Prozent des europäischen Festlandes wieder geöffnet. In der Folge würden am Dienstag 55 bis 60 Prozent der Flüge wieder genehmigt. Bis 10 Uhr seien schon 10.000 von 27.500 planmäßigen Flügen angesetzt oder bereits in der Luft. "Schritt für Schritt wird der normale Flugbetrieb wieder aufgenommen", sagte ein Sprecher. Demnach würde selbst ein weiterer Vulkanausbruch derzeit nicht die verheerenden Folgen wie in den vergangenen fünf Tagen haben - denn die Wetterbedingungen seien nicht so schlecht wie in der Vorwoche.

Sperre in der Schweiz aufgehoben

In der Schweiz hob das Bundesamt für Zivilluftfahrt die Luftraumsperre auf. "Die Aschewolke liegt zwar vorerst immer noch über der Schweiz, ihre Konzentration hat jedoch beträchtlich abgenommen", hieß es in einer Mitteilung von Montagabend. Testflüge und Messergebnisse hätten gezeigt, dass der Flugverkehr wieder aufgenommen werden könne. Auch in Italien konnten wieder zahlreiche Flüge starten.

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Luftraum-Freigabe: Mehr Flüge über Europa

Foto: Peter Dejong/ AP

Am Dienstagvormittag lag Deutschland an der östlichen Grenze des gesperrten Luftraums. Tschechien, Südpolen und das östliche Österreich waren bereits frei. Nur noch ein Korridor im nördlichen Polen blieb gesperrt. Am Montag hatte sich die Verbotszone noch deutlich weiter über Europa erstreckt, im Osten sogar bis hin zum Schwarzen Meer.

Auch der Luftraum über großen Teilen Frankreichs war am Dienstag offen. Das Zentrum der Sperrzone lag in etwa über der Nordsee. Norwegen und der größte Teil Schwedens waren frei. Ein Ausläufer der Sperrzone zog sich noch über Dänemark, Südschweden und Finnland. Das Gebiet über Großbritannien und Irland war wie in den Tagen zuvor noch mit Flugverboten belegt.

SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick zur Lage in Europa:

  • Großbritannien: Weil hier Meteorologen vor einer erneut kritischen Situation durch die Aschewolke warnten, konnte auch am Dienstag die schrittweise Öffnung des Luftraumes nicht wie geplant eingeleitet werden. Nur in Schottland wurde der Himmel freigegeben, am Morgen fanden bereits einige Inlandsflüge statt. Die Beschränkungen für Nordengland und Wales dagegen sollen frühestens um 20 Uhr aufgehoben werden. Europas wichtigstes Drehkreuz, der Londoner Flughafen Heathrow, bleibt weiter von den Behinderungen betroffen.
  • Frankreich: Am Dienstag soll es eine schrittweise Öffnung des Luftraumes geben. In Frankreich haben die ersten Flughäfen im Norden des Landes allmählich wieder den Betrieb aufgenommen. Auch an den beiden Pariser Flughäfen starteten und landeten Maschinen. Auf dem Flughafen Charles de Gaulle startete die erste Flugzeuge seit Donnerstag in Richtung New York. Verkehrsminister Jean-Louis Borloo rechnete mit etwa 20 Prozent des üblichen Flugverkehrs am Dienstagvormittag. Die Air France teilte mit, sie wolle bei Langstreckenflügen ab Paris zum Normalbetrieb zurückkehren.
  • Italien: Ab Dienstagmorgen sollten alle Flughäfen wieder in Betrieb gehen.
  • Spanien: Alle spanischen Flughäfen waren bereits am Montag wieder geöffnet, nachdem am Sonntag einige Airports im Norden und Osten vorübergehend dicht waren.
  • Belgien: Hier haben die Flughäfen ihren Betrieb wieder aufgenommen. In der Hauptstadt Brüssel landete am Morgen eine erste Maschine aus dem türkischen Antalya, wie auf der Webseite des Flughafens zu sehen war. Belgien hat seinen Luftraum seit 8 Uhr am Morgen wieder offiziell geöffnet. "Der Flugverkehr wird nach und nach zunehmen und in den nächsten Tagen zur Normalsituation zurückkehren", schrieb der Flughafen Brüssel im Internet. Neben Landungen seien einige Abflüge nach Afrika geplant. Allerdings blieben auch am Vormittag die meisten Flüge gestrichen.
  • Schweiz: Ab Dienstagmorgen sollen alle Flughäfen wieder in Betrieb gehen. Am Flughafen Zürich startete startete kurz nach 8 Uhr eine erste Maschine, wie die Behörden mitteilten. Die seit drei Tagen bestehende Luftraumsperre über der Schweiz war vom Bundesamt für Zivilluftfahrt aufgehoben worden. "Die Aschewolke liegt zwar vorerst immer noch über der Schweiz, ihre Konzentration hat jedoch beträchtlich abgenommen", hieß es in einer Mitteilung von Montagabend. Testflüge und Messergebnisse hätten gezeigt, dass der Flugverkehr wieder aufgenommen werden könne.
  • Niederlande: Am Dienstag soll es eine schrittweise Öffnung des Luftraumes geben. Am Montagabend konnten drei KLM-Flugzeuge nach New York, Dubai und Shanghai starten.
  • Dänemark: Hier sind auch am Dienstag keine Starts oder Landungen von Flugzeugen möglich. Die nationale Luftfahrtbehörde hat die Sperrung aller Flugplätze bis 2 Uhr am Mittwochmorgen verlängert. Sie begründete die Maßnahme mit dem anhaltenden Zustrom von Vulkanasche aus Island.
  • Ungarn: Hier konnte der Luftraum am Vormittag vollständig freigegeben werden.

Die Flughäfen in Brüssel, Charleroi und Lüttich wollen im Laufe des Tages etwa 50 Prozent ihrer Kapazitäten erreichen. Die Fluggesellschaft Brussels Airlines kündigte für den Mittag wieder Flüge an.

Die Lage in Deutschland: 457 Flüge ab München geplant

Auch in Deutschland entspannt sich die Lage zusehends. Auf dem größten deutschen Airport in Frankfurt am Main plante die Lufthansa plant für Dienstag rund 140 Flüge.

In München will die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihr reguläres Programm wieder aufnehmen. Auch die Lufthansa wolle sich rasch ihrem Normalprogramm nähern, sagte Flughafen-Sprecher Peter Prümm. "Wenn alles wie geplant läuft, werden wir heute 457 Flüge abwickeln." Das seien etwa 40 Prozent eines normalen Flugtages. Angesteuert würden deutsche Städte, aber auch weiter entfernte Ziele wie Peking, Phuket oder Kairo.

Auf dem Berliner Flughafen Tegel hob kurz nach 6 Uhr der erste Flieger in Richtung Palma de Mallorca ab. Ebenso wie in den anderen Städten, darunter auch Düsseldorf, Stuttgart und Hamburg, waren auf den beiden Flughäfen der Hauptstadt bereits am Montagabend die ersten Flugzeuge gestartet und gelandet. Trotz der Ausnahmeregelungen werden aber weiterhin Dutzende Flüge ausfallen. Viele Streichungen sind laut Fluggastinformation in Berlin-Schönefeld zu erwarten. Für genauere Informationen klicken Sie auf die Links zu den einzelnen Flughäfen in der linken Spalte.

Gestrandete Fluggäste werden zurückgebracht

Die Air Berlin fliegt nach Angaben ihres Vorstandschefs Joachim Hunold wieder größtenteils nach Plan. "Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe des Tages zu einem Normalbetrieb zurückkehren werden," sagte Hunold am Dienstag im Deutschlandfunk. Es seien lediglich einige Verbindungen gestrichen worden.

Bereits am Montag habe es 104 Flüge durch Air Berlin gegeben. Dabei seien 15.000 Passagiere zurückgeholt worden. In den nächsten zwei bis drei Tagen sollten alle gestrandeten Fluggäste wieder nach Deutschland gebracht werden, gab sich Hunold optimistisch. Angesichts der hohen Zahl von noch immer festsitzenden Passagieren plädierte Hunold für eine zeitlich befristete Lockerung des Nachtflugverbots.

Die Lufthansa hatte am Montag eine Sondererlaubnis für 50 Flüge aus Asien, Nord- und Südamerika erhalten, mit denen am Dienstag 15.000 Passagiere in Frankfurt, München und Düsseldorf zurückerwartet wurden. Die ersten Flugzeuge waren am Dienstagfrüh bereits gelandet. Die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol erwartete eine Normalisierung des Luftverkehrs bis Donnerstag, sollte die Aktivität des Asche speienden isländischen Vulkans weiter abnehmen.

sto/dpa/AFP/apn