Wie das Fahrrad leichter wird - Tricks - DER SPIEGEL
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Leichter ist schneller Wie Sie Ihrem Fahrrad eine Abspeckkur verpassen

Im Frühling lässt sich einfacher abnehmen - und das ist auch sinnvoll für das Fahrrad. Denn je leichter es ist, desto bequemer ist es zu fahren. Ein paar Tipps, wie Alltagsräder Gewicht verlieren können.
Schließen sich nicht gegenseitig aus: geringes Gewicht und ausreichend Sicherheit
Schließen sich nicht gegenseitig aus: geringes Gewicht und ausreichend Sicherheit

Schließen sich nicht gegenseitig aus: geringes Gewicht und ausreichend Sicherheit

Foto: TMN
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Je schwerer der Drahtesel, desto mehr Energie ist notwendig, um mit ihm zu fahren. Dank moderner Materialien und Fertigungsmethoden sind Fahrräder heute deutlich leichter als früher, doch man kann sie noch optimieren - indem man neue Teile verwendet oder manches Radteil einfach weglässt.

Die Sicherheit beeinträchtigen solche Umbauten nicht. "Man kann davon ausgehen, dass das, was bei seriösen Händlern und von namhaften Herstellern angeboten wird, auch sicher verwendet werden kann", sagt Siegfried Neuberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Allerdings müsse man die Teile auch bestimmungsgemäß verwenden, betont er. "Teile fürs Rennrad sind auf andere Belastungen ausgelegt als Teile fürs Mountainbike."

Bestimmte Gewichtsgrenzen für einzelne Komponenten gibt es in der Regel nicht. "Bei Kompletträdern findet man das zulässige Gesamtgewicht in der Betriebsanleitung", so Neuberger. "Bei einzelnen Komponenten kann man schwer sagen, welche Kräfte da wirken." Grundsätzlich rät er bei Leichtbauteilen zur Vorsicht, deren Herkunft unklar ist.

Ganz ohne Kompromisse ist Leichtbau allerdings kaum machbar, sagt Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad. "Im Radsport sagt man salopp: Gramm kosten Euro." Deshalb könne man sich von drei Wünschen immer nur zwei erfüllen. "Was leicht und stabil ist, ist nicht billig, stabil und günstig ist nicht leicht. Und leicht und günstig ist nicht stabil."

Ein paar Tipps, welche Problemzonen eines zu gewichtigen Fahrrads erleichtert werden können:

1. Problemzone: Räder

Für Gunnar Fehlau ist der "Haupt-Tuning-Tipp" die Bereifung. Ein großer Vorteil liege darin, dass sich isoliert Gewicht einsparen lässt. "Ein neuer Reifen, ein neuer Schlauch - oder schlauchlose Reifen, falls möglich -, ein neues Felgenband. Fertig."

In anderen Bereichen besteht eher die Gefahr, dass Bauteile nicht zusammenpassen, was Folgekosten verursacht. Außerdem gibt es bei den Reifen erhebliche Gewichtsunterschiede, wie Fehlau sagt. Das Spektrum reicht von Rennradreifen mit nur 200 Gramm bis zu breiten Mountainbikereifen mit an die 1000 Gramm.

Aber nicht jeder Reifen passt auch auf jede Felge, weshalb man beim Neukauf auf die angegebenen Reifendimensionen achten muss. Vorsicht ist bei älteren Felgen mit Felgenbremsen geboten, die verschlissen sind. "Wer auf einen Rennradreifen mit hohem Druck wechselt, dem kann auch mal die Felge platzen", so Fehlau.

Wer gleich die komplette Felge gegen eine leichtere austauschen will, sollte berücksichtigen, dass Leichtbauteile meist dünnwandiger sind und entsprechend schneller verschleißen. "Da braucht man womöglich früher Ersatz", sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Bei den Speichen indes haben leichte Exemplare oft sogar einen baulichen Vorteil: "Leichtbauspeichen sind außen und innen stärker ausgeführt, verjüngen sich zur Mitte hin aber", erklärt Filippek. Sie seien genauso stabil, aber flexibler.

2. Problemzone: Ständer, Schutzbleche, Gepäckträger

Eine andere Option ist der Leichtbau durch Weglassen. Wer sein Rad ohnehin meist an der Laterne oder an einem Geländer anschließt, kann zum Beispiel auf den Ständer verzichten. "Da lassen sich 200 bis 400 Gramm sparen", sagt Fehlau. Noch größer ist das Potenzial beim Gepäckträger. "Wenn ich der Rucksack- oder Kuriertaschen-Typ bin, sind schnell 500 bis 800 Gramm gespart." Und auch Radler, die mit seitlichen Packtaschen unterwegs sind, können ein paar Gramm loswerden.

Auf die Schutzbleche sollten Radler indes nur in Ausnahmefällen verzichten. "Das ergibt nur für reine Sommerfahrer Sinn", sagt Fehlau. Auch bei der Lichtanlage lässt sich unter Umständen abspecken. Einfache Nabendynamos im unteren Preissegment sind oft schwer und schwergängig. Gute Modelle sind zwar teurer, doch der Gewichtsunterschied kann bis zu 300 Gramm betragen.

3. Problemzone: Lenker

Großes Abspeckpotenzial besteht laut den Experten auch bei der Federgabel. "Viele einfache Modelle federn zwar heftige Stöße einigermaßen ab, reagieren aber kaum auf kleine Unebenheiten, die in der Stadt viel mehr stören", sagt Filippek. Ein breiter Reifen an einer Starrgabel könne die komfortablere Lösung sein - und fast ein Kilo einsparen.

4. Problemzone: Sattel

Vergleichsweise günstig ist eine Gewichtsersparnis am Sattel zu haben. Während ein Standardsattel 400 Gramm wiegen kann, liegen Sportsättel teilweise bei nur 150 Gramm. Deutlich weniger bringt eine Leichtbausattelstütze. "Hier sollte man lieber darauf achten, dass die Sattelklemmung solide mit zwei Schrauben ausgeführt ist, als auf das letzte Gramm zu schielen", sagt Filippek.

Und noch ein Tipp:

Fehlau rät dazu, nicht das "Systemgewicht" aus den Augen zu verlieren. "Wenn ich täglich mit einer dicken Aktentasche zur Arbeit fahre, lohnt es sich nicht, am Rad das letzte Gramm rauszukitzeln", sagt er. Allerdings lässt sich auch beim Gepäck eine Menge sparen. "Zum Beispiel mit zwei Schlössern. Eines davon schließt man zu Hause am Fahrradstellplatz an, eines vorm Büro." Dann muss man auch keines davon mit sich herumtragen.

Heiko Dilk/dpa/cpo